Kaum glaubt man, …

Kaum glaubt man, …

Kaum glaubt man, es geht ein Stückchen bergauf, kommt der nächste Super Gau. Abgesehen davon, dass Dominik seiner selbständigen Tätigkeit nicht mehr nachgehen kann und ich jetzt gezwungen bin, die Firma zu schließen, war Dominik auch noch 25 Stunden bei einem Sozialunternehmen beschäftigt. War? Naja, laut Kündigung ist er eigentlich noch bis 30.4.2017 beschäftigt.

Grund für die Kündigung laut Geschäftsführung ist, dass Dominik nicht in der Lage ist, das Datum der Gesundschreibung zu nennen. Nur zu gerne würde dieser sagen können, er ist in einer Woche oder in einem Monat wieder gesund. Aber leider kann weder Dominik, noch die behandelnde Fachärztin noch sonst einer hellsehen.

Nein! Das ist kein Scherz! So geht ein Sozialer Betrieb mit ihren Angestellten um! Ausgebeutet – kaputt gemacht – weggeschmissen!

Bei knallharten wirtschaftlich orientierten Betrieben würde ich ja so eine Reaktion erwarten (was nicht gleichbedeutend ist, dass auch das nicht in Ordnung ist), aber bei einem Sozialunternehmen? Tagtäglich haben diese durch die Betreuung der Klienten mit psychischen Krankheiten zu tun. Eigentlich müsste man annehmen, Sozialpädagogen und Sozialarbeiter wissen womit sie es bei Burnout und Depression zu tun haben.

Dominik war in diesem Betrieb EDV Betreuer. Hatte 25 Wochenstunden für die Betreuung von zirka 400 Mitarbeiter. Trotz der geringen Wochenstunden sollte er auch noch einen Lehrling ausbilden und immer wieder kamen neue Aufgaben hinzu. Recht machen konnte er es der Geschäftsführung selten. Bei der letzten Mittarbeiterversammlung wurde noch von der Geschäftsführung betont, dass die EDV verbesserungswürdig sei – dass man aber in 25 Stunden keine Zaubereien vollbringen kann und dafür vielleicht eine Aufstockung des Teams nötig sei – kam nicht in Frage! Dominik war in seiner Arbeit immer ein Perfektionist und viel zu bedacht darauf, es allen Recht zu machen. Gerade der Geschäftsführer, der jetzt die Kündigung geschrieben hatte, kostete Dominiks Gutmütigkeit liebend gerne aus. Telefonate mit ihm und Fernwartungen außerhalb der Dienstzeiten und auch ohne Rücksicht auf Urlaube standen an der Tagesordnung. Ich bekrittelte schon immer die Gutmütigkeit und das Pflichtbewusstsein meines Mannes, der jedoch konnte nicht aus seiner Haut heraus. Ich kann mich ehrlich gesagt an keinen Urlaub erinnern, seit Dominik in diesem Unternehmen beschäftigt war, in dem er nicht zumindest einmal am Computer saß oder zig mal telefonierte. Aber anscheinend wird sozialpädagogische Arbeit nur außerhalb des Gebäudes betrieben.

Ich bin sauer, traurig und enttäuscht, abgesehen davon liegt es jetzt wieder an mir, meinen Mann aufzubauen und ihm wieder Zukunftsperspektiven zu geben. Ein unglaublich „leichter“ Job: „sobald du wieder gesund bist, kannst du dich arbeitslos melden“. Abgesehen davon, dass ein Wiedereinstieg ins Berufsleben nie einfach ist, darfst du dich dann noch einhundertmal vorstellen gehen und dich auf vollkommen neue Arbeitssituationen einstellen……ich glaub, an meiner „positiven“ Formulierung sollte ich vorher noch arbeiten. Ach ja, seine Firma hat angeboten, dass Dominik sich nach seiner Genesung wieder melden kann: „Selbstverständlich halten wir unser Gesprächsangebot auch in Zukunft für Dominik aufrecht“. Also mal ehrlich, würde das jemand von euch in Anspruch nehmen?

 

Liebe Wirtschaft, liebe Unternehmen!

Es geht immer nur um Geld und Wachstum! Vielleicht solltet ihr darüber nachdenken, Präventivarbeit zu leisten, eure Mitarbeiter nicht schamlos ausnutzen, nur um den Profit zu steigern. Es ist mir schon bewusst, dass ein Krankenstand über einen langen Zeitraum, einer Firma sehr viel Geld kostet, doch auch die Unternehmen bekommen von den Krankenkassen finanzielle Unterstützung. Trotzdem macht euch bewusst, dass Burnout und Depression immer die selben Auslöser haben: STRESS und DRUCK und SINNLOSIGKEIT!

 

Hier noch ein sehr interessanter Beitrag zu diesem Thema:

Stress am Arbeitsplatz – Was wirklich dahinter steckt!

Maria

Posted on: 2017-02-13Maria Peltier

4 Gedanken zu „Kaum glaubt man, …

  1. Das ermutigt mich ich habe auch burnout und massive Probleme mit dem Rücken. Noch habe ich keine Probleme mit meiner Firma .Doch ich befürchte da ich oft ausfalle das sie nicht lange zuschauen und mit 45 hagelt es viele Absagen doch ich will mich mit Zusatz Kursen wenn ich wieder gesund nun weiter bilden und
    Hoffe auf eine neue Tätigkeit.

  2. Hi Dominik! Hi Maria!
    Ich habe die Worte deiner Frau gelesen und sie machen mich sehr betroffen und beschämen mich. Ich arbeite in diesem Betrieb und von daher kenne ich dein Engagement und deinen Einsatz nur zu gut und es stimmt, dass man mit 25 Wochenstunden bei über 400 MitarbeiterInnen, unzähligen Büros und unzähligen PC’s und Netzwerken keine „Zaubereien“ vollbringen kann. Ich weiß auch, dass dein Engagement nicht, zu wenig oder als normal gesehen wurde. Keiner (oder zu wenige) sehen, was dahinter steht und welchen Aufwand es bedeutet, „Kisten“ (vor allem alte „Kisten“), die nicht laufen, wieder zum Laufen zu bringen. Ähnlich geht’s mir beim internen Handwerker, der in 25 Stunden soviel alleine erledigen muss, dass ich mich frage, wie das gehen soll. Ich habe schon immer gesagt, dass viele „SozialpädagogInnen“ sowohl vom Handwerken als auch von PC-Instandhaltung und EDV Technik keine Ahnung haben und daher auch vorsichtig und zurückhaltend mit Kritik sein sollten!!!
    Maria, deine Worte helfen mir mich in meiner Position als Teamleiter zu hinterfragen. Sie machen mich auch sehr nachdenklich. Ich frage mich auch, welche Position unser Betriebsrat in deinem Fall bezieht. Ich war selbst Betriebsrat und ich weiß, dass diesem eine nicht unwesentlich Rolle bei Kündigungen zu kommt.
    Dominik, ich wünsche dir von Herzen gute Besserung!!!
    Liebe Grüße, Michi

  3. Liebe Maria, lieber Dominik, ich möchte Euch auf diesem Wege und allen anderen, die sich bedauerlicherweise zur Zeit in der gleichen oder in einer ähnlichen Situation befinden, mitteilen, dass es für Euch, auch wenn es Euch zur Zeit brutalst schmerzt und brutalst weh tut (zu recht weh tut und zu recht schmerzt), ganz wichtig ist zu wissen, dass gewisse Dinge in Eurem Leben wegfallen MÜSSEN, um Platz machen zu können für WIRKLICHE Freunde und für die RICHTIGE Firma, die Deine Arbeit und Dich wirklich wertschätzt und Dich/euch auch dementsprechend bezahlt, auch wenn Ihr es zur Zeit vielleicht so noch nicht sehen könnt, aber es ist tatsächlich so. Es war auch bei mir so.

    Und noch etwas, was ganz wichtig ist zu wissen, dieser Schmerz, den Ihr nun verspürt, so schrecklich er auch immer sein mag, ist ein heilender Schmerz, denn der vergeht ………….. und wird Euch beide nur noch stärker und nur noch größer in allen Belangen Eures Lebens machen. Lieber Dominik bitte denke an den Phönix aus der Asche ;-).

    In diesem Sinne herzlichst, alles Liebe und bis bald.
    Gerhard

  4. Liebe Maria! Lieber Dominik!

    Es tut mir schrecklich leid, was Euch und Eurer Familie, auch im Gesamten, widerfahren ist, so auch jetzt mit der überraschenden „Von-einer-Sekunde-auf-die-andere-Kündigung“ für Dominik.

    Ich finde es großartig von Euch, dass Ihr die Courage und den Mut habt, jetzt auch die Kündigung von Dominik so offen und ehrlich in Eurem Blog anzusprechen und auszusprechen, sie zum Thema zu machen, weil es leider ganz, ganz vielen Menschen gleich ergeht, wie es Euch jetzt ergeht, und, wie eben jetzt auch, die Kündigung im Krankenstand erhalten zu haben.

    Viele Dinge entwickeln sich leider schon seit ganz, ganz langer Zeit in die vollkommen falsche Richtung und dies weltweit noch dazu. Daher verwundert es mich auch nicht, dass immer mehr Menschen krank werden, schwer krank werden. Einen Herzinfarkt erleiden, einen Schlaganfall, Krebs, dement werden, unter Alzheimer zu leiden haben, in ein Burnout, in eine Depression geraten, unter Angst- und Panikzuständen zu leiden haben usw. usf. Diese Liste ließe sich leider noch elend lange weiter fortsetzen.

    Für Euch wird es jetzt aber nur wichtig sein, dass Ihr trotz dieser so widrigen Umstände bitte versucht, nach Möglichkeit nicht aufzugeben, sondern versucht, je nach Eurer Kraft- und Energiereserven, weiter dran zu bleiben. Ihr habt mit Eurem blowball-Projekt und Eurem Verein „Rezeptfrei“ zwei ganz tolle und so enorm wichtige Initiativen ins Leben gerufen, die die Menschheit heute mehr denn je braucht und alles wird gut. Auch wenn Ihr das jetzt in dieser so extremen Situation vielleicht noch nicht sehen könnt, aber es wird gut. So wie es bei mir gut geworden ist, so wird es auch bei Euch gut werden und bei jedem anderen auch, der versucht hat, dranzubleiben und nicht aufgegeben hat.

    Wenn ich etwas für Euch und Eure Projekte tun kann, dann sehr, sehr gerne. Einfach anrufen oder schreiben, ganz wie Ihr wollt und es für Euch stimmig ist.

    Mit besten Grüßen wünsche ich Euch alles Gute und allles Liebe und Ihr schafft das. Gemeinsan schaffen wir das.
    Herzlich
    Gerhard

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