Belastung durch die Arbeit – wie es zum Burnout kam

Belastung durch die Arbeit – wie es zum Burnout kam

Warum Burnout? Wie schon beschrieben, löste Dominiks totalen Zusammenbruch private Belastungen, sowie auch arbeitsspezifische Belastungen aus. Bis jetzt haben wir im Beitrag: „Roses Revolution Day“ die private Belastung beschrieben, die Dominik traumatisiert hat und sich als Posttraumatische Belastungsstörung abzeichnet. Dominik wollte bisher nicht, dass seien Arbeitssituation öffentlich wird. Er hatte Angst, wovor kann er selber nicht genau sagen. Jetzt ist er gekündigt, und er ist nach wie vor im Zwiespalt, ob dieses Thema veröffentlicht werden sollte. Für die Therapie ist es jedoch wichtig, dass sein Erlebtes „Stimme“ erhält, auch wenn derzeit noch ich die Stimme für ihn ergreifen muss, da ihm sein Erlebtes so schwächte, dass er das selbst noch nicht tun kann. Er hat Angst davor, dass seitens der Firma, eine Reaktion kommt, die alles verdreht und als „das hast du alles falsch verstanden“ abtut. Nichts wurde falsch verstanden! Vielleicht könnt ihr kaum nachvollziehen, warum er nicht schon lange zuvor gekündigt hat. Leider ist dies für ein Burnout normal, der Betroffene kann sich selbst nicht mehr aus der Situation „retten“.

 

Warum es zum Burnout, beziehungsweise zur Belastungsdepression gekommen ist:

 

Dominik begann 2007 bei einer Firma als EDV-Betreuer zu arbeiten. Die Geschäftsführung dieses Unternehmens hatte auch noch einen Sozialen Betrieb (damals zwischen 100 und 150 Mitarbeiter/-innen), dessen EDV Betreuung durch diese Firma abgewickelt wurde. Dort waren zwei Techniker, darunter Dominik mit je 38,5 Wochenstunden angestellt. Im laufe der Zeit, vergrößerte sich der Sozial Betrieb und Dominik wurde zum Zuständigen für diesen Betrieb eingeteilt. Urlaubsvertretung, Krankenstandsvertretung gab es durch seinen Technikerkollegen nach wie vor.

Nebenbei machte sich Dominik im EDV-Bereich ab 2010 selbständig. Als er 2013 seine Arbeitsstunden im Angestelltenverhältnis auf 25 Stunden reduzieren wollte, war dies nur durch einen Wechsel in den Sozial Betrieb möglich. Dominik glaubte damals, dass es keinen Unterschied machen würde, wenn er in den Sozial Betrieb – mit mittlerweile ca. 200 bis 250 Mitarbeiter/-innen wechseln würde.

Circa 1 Jahr vor dem Wechsel, kam eine Angestellte des sozialen Betriebes auf Dominik zu und bat ihn um seine Hilfe. Diese war für die Datenbank zuständig, hatte aber keine Programmier-Ausbildung. Dominik wies durch einen externen Programmierer, der zu diesem Zeitpunkt für Dominiks Firma kleine Programmierarbeiten auf Werksvertragsbasis machte, auf sehr viele Sicherheitslücken der Datenbank hin und empfahl, diese neu zu machen. Die Angestellte, konnte durch ihre mangelnden Kenntnisse, die Datenbank damals nicht verbessern. Der berufliche Druck und auch private Sorgen brachten diese Frau dazu Selbstmord zu begehen. Erst mit diesen Verlust, war der Geschäftsführung klar, dass die Datenbank neu gemacht werden musste, da keiner die Programmierschritte der Angestellten nachvollziehen konnte, da diese ja mangels Ausbildung laienhaft waren.

Schon vor der Übernahme von Dominik in den Sozial Betrieb, wurde an der Umsetzung der neuen Datenbank gearbeitet. Die Forderung war, eine einfache Datenbank zu erstellen, die dann von einer Büroangestellten wieder weiterentwickelt werden sollte.

Der externe Programmierer erklärte sich bereit, dies über Dominiks Firma umzusetzen. Dieser wollte aufgrund der Einkommensgrenze nicht selbständig tätig sein. Der Programmierer kam durch die wachsenden Anforderungen, darunter zusätzliche neue Anliegen der Geschäftsführung, immer mehr in Verzug.

Am 1.1.2013 wechselte Dominik schlussendlich in den Sozial Betrieb.

 

Die Geschäftsführung bestand auf eine Serverumstellung. Der Programmierer (zu dieser Zeit schon im Burnout) führte diese durch, ohne Dominik zu berichten, dass diese nicht fertig ist und dadurch nur teilweise funktioniert.

Am 11.1.2013 wurde ein Treffen mit allen Einrichtungsleiter/-innen des Sozialen Betriebes einberufen und Dominik von der Geschäftsführung, obwohl diese vorher noch meinte, sie verstände seine Situation, an den Pranger gestellt. Eine sofortige Behebung des Problems wurde gefordert. Seitens des Sozialen Betriebes bekam Dominik einen neuen Ansprechpartner für die Datenbank zugeteilt. Es wurde Tag und Nacht (im wahrsten Sinne des Wortes) an der Datenbank gearbeitet, bis der schon im Burnout-steckende Programmierer komplett ausfiel. Nachdem Dominik von einer Leitungskraft des Sozialen Betriebes mit einer Klage in Millionenhöhe gedroht wurde, sah sich dieser gezwungen einen externen Programmierer um Hilfe zu bitten. Diese Kosten musste auch Dominiks Firma tragen.

Nach langen Nächten, enormem psychische Druck und Existenzängsten kam dann das Angebot, dass der Soziale Betrieb, die Datenbank übernimmt und an dieser weiterarbeitet. Einen kleinen Teil der entstandenen Programierkosten durfte Dominik verrechnen, der Rest war zu Lasten seiner Firma. Das erschien im Vergleich zur existenzvernichtenden Klage damals viel geringer. Im Nachhinein betrachtet, war es eine Zeit der Dauerstress und der gefühlten Unwirklichkeit der Geschehnisse.

Dominik war entkräftet und fühlte sich schuldig und ungenügend.

 

Der Soziale Betrieb wuchs weiter und Dominik ging so gut er konnte seiner Arbeit nach. Die 25 Stunden seiner Anstellung brachten ihn aber immer wieder an die Grenzen des Machbaren. Nachdem ein Klient des Betriebes bei Dominik schnupperte und einen Lehrplatz suchte, dachte Dominik dies sei die Lösung. Er sprach mit der Geschäftsführung, dass er Unterstützung braucht und schlug den Lehrling vor. Dass aber ein Lehrling in erster Linie Arbeit ist und keine Unterstützung, war Dominik nicht bewusst. Um einen Lehrling aufnehmen zu können, brauchte aber Dominik den Ausbildnerkurs. Anfangs schlug die Geschäftsführung vor, dass dieser zur Hälfte von Dominik bezahlt werden müsste, da dieser personenbezogen wäre und ihm eventuell einmal in seiner Firma etwas bringen könnte. Dominik hatte aber nicht vor in seiner Firma einen Lehrling aufzunehmen und ließ sich auf dieses Angebot nicht ein. Schließlich wurde die Ausbildung bezahlt, von den 40 Ausbildungsstunden durften jedoch nur 24 als Arbeitszeit verbucht werden.

Der Lehrling erwies sich bald als große Belastung für Dominik. Dominik suchte immer wieder Hilfe bei der Geschäftsführung. Diese gab aber nur Tipps, was Dominik besser umsetzten könnte. Immer mehr hatte Dominik das Gefühl, er kommt seinen Pflichten als EDV Betreuer nicht nach. Dominik priorisierte, womit er viele verärgerte.

Zudem kam hinzu, dass Dominik stetig neue Vorgesetzte von der Geschäftsführung zugeteilt bekam. Somit waren alle Verbesserungsvorschläge und aufgezeigten Sicherheitslücken nicht realisierbar. Immer wieder forderten die neuen Vorgesetzten aktuelle Angebote der Drittanbieter, um zu kalkulieren. Bis dies aber realisiert werden konnte, war die Zuständigkeit wieder abgegeben. Somit wurde Dominik bei erneuten Angebotseinholungen immer wieder belächelt und ausgelacht, denn sogar die Drittanbieter merkten, dass es nur beim jeweils erneuten Angebot bleiben würde.

Dominik musste mit seinem Lehrling aus dem Technikerbüro, was die Arbeitssituation erschwerte. Trotz zahlreicher Argumente, die gegen eine Zusammenlegung der Büros sprachen, wurde er in ein Büro mit 4 Damen aus den unterschiedlichsten Bereichen gesetzt. Dies erschwerte zusätzlich Dominiks Arbeitssituation. Doch seine Bitten ein eigenes Technikbüro zurückzubekommen, wurden von der Geschäftsführung ignoriert.

Im Juli 2015 traf einen Standort des Sozialen Betriebes ein Virus, der die schon lange von Dominik aufgezeigten Sicherheitslücken des EDV-Systems offenlege. Viele Daten gingen verloren und Dominik wurde von der Geschäftsführung dafür verantwortlich gemacht. Dominik sollte versuchen die Daten zu retten und wiederherzustellen. Zusätzlich musste er die Organisation, ebenso die Anzeige bei der Polizei durchführen.

Somit folgten wieder Angebotslegungen, – jedoch wieder keine Durchführung zur Verbesserung, weil dieser von der Geschäftsführung nicht zugestimmt wurde.

Dominik beobachte einen stetigen Wechsel der Mitarbeiter/-innen und merkte immer öfter, dass die Mitarbeiter/-innen an ihre Grenzen stoßen und dem Ganzen nicht mehr standhalten, nur bei sich selbst merkte er es nicht.

 

Am 20.1.2016 gab es eine Mitarbeiter/innen-Versammlung, da es einen Wechsel in der Geschäftsführung gab. Bei dieser Mitgliederversammlung stellte sich der neue Geschäftsführer als solcher vor. Dieser war bereits langjährig in einem Teilbereich des Sozialen Betriebes tätig und war auch der zugeteilte Datenbank-Verantwortliche, der Dominik mit der Klage droht hatte. Vor allen Mitarbeiter/-innen berichtete dieser, wie gut das Unternehmen laufen würde, nur die EDV Betreuung sei Verbesserungswürdig und dafür würde er sorgen! Dominik war sehr gekränkt von dieser Aussage und auch sehr viele Mittarbeiter/-innen kamen damals auf ihn zu und kritisierten diese Vorgehensweise. Das tröstete Dominik etwas.

Das Datenbank-Thema wurde mit der neuen Geschäftsführung wieder aufgegriffen. Die Idee war, diese von einer externen Firma komplett neu machen zu lassen und Dominik sollte dafür die Projektleitung übernehmen. Dieser ging darauf nicht ein und betonte, dass er damals mit der Abgabe versprochen bekam, dass die Datenbank nicht mehr sein Zuständigkeitsbereich ist. Immer wieder kam der neue Geschäftsführer, auf die Datenbank zu sprechen und betonte, dass es ihm bewusst ist, dass Dominik damals (2013) private Verluste dadurch machte. Er bot ihm eine Entschädigungszahlung von € 5.000,- an. Der Geschäftsführer sprach sich darauf mit der ausgetreten Geschäftsführung ab und meinte, dass Dominik durch diese Zahlung die volle Schuld der Datenbank-Misere auf sich nehmen sollte. Dominik entschied sich das Geld NICHT anzunehmen – es kam ihm vor, als würde man sein Schuldeingeständnis kaufen wollen.

Mittlerweile war Dominik an einem Punkt angekommen, wo er die ständig als selbstverständlich gesehene Rufbereitschaft, nicht mehr aushielt. Diese wurde vom Betrieb weder vertraglich festgelegt, noch vergütet. – Wenn überhaupt, konnte Dominik diese Telefonsupporte sowie Fernwartungen über die normale Stundenaufzeichnung abrechen. Es ging sogar so weit, dass sobald das Firmen Handy abgeschaltet war, er am privaten Handy von der Geschäftsführung angerufen wurde. Es verging kein Urlaub und selten ein Wochenende, wo Dominik nicht zumindest einmal mit einem Mitarbeiter, meistens aber sogar mit der Geschäftsführung telefonierte.

 

Ab April 2016 verschlechterte sich Dominiks psychische Verfassung. Er versuchte auch innerhalb des Sozialen Betriebes Hilfe zu bekommen und suchte das Gespräch mit einem im Betrieb angestellten Psychologen. Es gab also schon vorm totalen Zusammenbruch genügend Anzeichen und Gründe ins Burnout zu rutschen, diese wurden jedoch ignoriert.

 

Dominik gerät seit September in Stress wenn am Handydisplay die ehemalige Arbeit anrief. Das vor allem dann, wenn dies der Datenbankverantwortliche Geschäftsführer tat. Dasselbe galt für Briefe und Emails. Dominik befindet sich dann in einem Ausnahmezustand. Ich kann dann nicht mit ihm sprechen. Er läuft dann auf und ab und kann nichts mehr sagen.

 

Wenn Dominik unsere Tochter in die Schule bringt, müssen wir einen Umweg fahren, damit er nicht in die Gegend seiner ehemaligen Firma kommt. Er hat Angst, Menschen seiner ehemaligen Firma auf der Straße zu treffen („Dann stellt es mich ab.“) Das alles macht die Situation umständlich und Wege komplizierter.

 

Dominik vermeidet in vielfacher Hinsicht. Dieses Vermeidungsverhalten engt ihn und uns sehr ein.

 

Das Burn-Out auch ähnlich wie eine Traumatisierung funktionieren kann, war uns nicht bewusst…..

 

Dominik kann sagen, dass das Firmen-Ding, ähnlich einem Knödel in ihm ist, und er dort nicht hinschauen darf, weil es gefährlich ist und ihn „abstellt“. Der Weg zum „Knödel“ kann nur ein behutsamer sein. Es braucht Kraft und Stabilität, auf den Inhalt des Knödels hinschauen zu können, um zu wissen, „worum es eigentlich geht“.

 

Meine Versuche dem Geschäftsführer mitzuteilen, dass Dominik selbst, nicht zu einem Gespräch fähig ist, waren scheinbar nicht nachvollziehbar, aber Voraussetzung, dass er nicht gekündigt wird.

Wahrscheinlich wird oft etwas als Widerstand verstanden, was im Grunde eine ganz andere Geschichte hat.

 

Schade nur, dass es ein Sozial-Betrieb ist – da hätte ich mir Verständnis erwartet.

 

Was bleibt, ist Dominik, der seit knapp sechs Monaten kein E-Mail mehr schreiben und keinen PC mehr reparieren konnte. Dominik gerät in inneren Stress und erstarrt vor dem Computer. Daher kann auch Dominik selbst derzeit keinen Blog-Eintrag machen.

 

Maria

Posted on: 2017-02-27Maria Peltier

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