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8 Tonnen Hoffnung bewegen sich…

Afternoon gentleman. Just wanted to give everybody the update this unit is scheduled for delivery tomorrow morning. Thank you.

Best Regards, Steven

 

Diese Nachricht erhielt Dominik gestern abends vom Verkäufer aus Amerika. Der Bus bewegt sich heute von Händler in New York zum Hafen nach Baltimore. Von dort an geht’s per Schiff weiter nach Deutschland – Bremerhaven und dann per Spedition nach Puchenau.

Jetzt wird es endlich ernst!

Seit Anfang an steckt Dominik, jegliche Hoffnung, wieder zurück in das reale Leben zu finden, in diese 8 Tonnen. Mit jedem Rückschlag, mit jeder Verzögerung und mit den unzähligen Nachrichten mit „das geht nicht“ brach für ihn jedes Mal, eine Welt zusammen. Jetzt hat er es geschafft, vor allem hat er die Koordination zwischen Händler und Speditionen und das fixieren des Ganzen, wirklich alleine geschafft.

Durch meine Ausbildungen, meine Vorbereitungen auf die Selbständigkeit und der Diplomarbeiten, musste ich mich von dem ganzen etwas abgrenzen. Mein Tag hat leider auch nur 24 Stunden. Anfangs hatte er schwer damit zu kämpfen, aber dann, hat ihm das sehr gut getan und er kam selbst in die Gänge. Vielleicht war es ganz gut, vielleicht musste er mal ins kalte Wasser gestoßen werden um wieder schwimmen zu lernen. Das Erfolgserlebnis, dass er den Endspurt ganz alleine geschafft hat, hat er zumindest und das kann ihm auch niemand mehr wegnehmen.

Jetzt aber wieder zurück zum Eigentlichen. Dominik verbindet so viel in dieses „gelbe Ungeheuer“. Die Pläne für den Umbau liegen schon Monate lang zu Hause. Er weiß genau, wie wo was hinkommt. Die Pläne, was nachher mit diesem Bus geschehen soll, werden auch immer konkreter und Dominik setzt nicht nur seine Hoffnung, wieder ganz ins Leben zu finden in diesen Bus, sondern auch seine Zukunft. Der Bus soll einerseits Wohnmobil sein, hauptsächlich aber für den Verein rezeptfrei genutzt werden, wo er dann mit verschiedenen Angeboten durch Österreich, aber auch Deutschland fahren will. Bis dahin gibt es aber noch einige Hürden zu überwinden, aber Dominik glaubt ganz fest daran, dass er durch das überwinden dieser Hürden, aus dem Rad des Wahnsinns herauskommt. Wenn die Krankheit noch ein wenig vom „alten“ Dominik über gelassen hat, dann schafft er das. Stur und dickköpfig war er früher immer und vor allem hat er seine Ziele verwirklicht, egal ob sie für andere als völlig irrsinnig erschienen oder als sehr genial. Anfangs wird es sicher nicht leicht für ihn und ich hoffe so sehr, dass ganz viele Menschen kommen, den Bus anschauen und er durch die Konfrontation seine Ängste vor sozialen Kontakte besiegt. Dass er lernt, wieder einen strukturierten Tagesablauf zu managen und wieder anfängt lösungsorientiert zu denken, denn ich kann mir vorstellen, dass bei so einem Umbau, einige unerwartete Probleme auf ihn zukommen, die er lösen muss.

Dominik muss auch den Führerschein für dieses Gefährt machen. Derzeit noch ein Ding der Unmöglichkeit sich lange zu konzentrieren, zu lernen, doch die meiste Angst hat er, in die Fahrschule zu müssen. Sich mit dem Fahrlehrer, eventuell mit anderen Kursteilnehmern unterhalten zu müssen, ohne dabei mich als Stütze zu haben. Ich weigere mich nämlich den Führerschein für diese 8 Tonnen Bus zu machen. Ich bin schon überfordert mit Kleinbussen, die man noch mit dem B- Führerschein fahren darf und habe viel zu viel Respekt vor so einem Riesen, dass ich kein Bedürfnis verspüre, für 8 Tonnen Bus, die Verantwortung zu übernehmen. Man sollte seine Grenzen kennen, heißt es immer, dies würde meine definitiv überschreiten.

Ich glaube daran, dass man mit Willenskraft und Durchhaltevermögen Berge versetzen kann, dass man mit Selbstwirksamkeit nahezu alles erreichen kann, dass man den Glauben nie verlieren darf, dass man für sein eigenes Leben selbst die Verantwortung trägt und dass man sein Glück nur selbst in die Hand nehmen kann.

Für Dominik symbolisiert dies alles der amerikanische Schulbus, 8 Tonnen Glück sollten schon mal ein guter Start in ein neues Leben sein.

Maria

Kann es nach 5 Jahren nicht einfach mal „normal“ sein?

Seit 5 Jahre, kämpfe ich jeden Jahr dafür, meinem Sohn einen halbwegs normalen Geburtstag zu bereiten und jedes Jahr wieder habe ich das Gefühl, versagt zu haben. Letztes Jahr war der erste Geburtstag, der mich nicht schon Tage vorher aus der Bahn warf und ich dachte, ich würde es schaffen. Doch letztes Jahr war der Geburtstag schon geprägt von Dominiks Psychosen, und er vergrub sich zu dieser Zeit nur in Arbeit.

Meine Gefühle, die Organisation des Geburtstags und alles rundherum blieb bei mir hängen und ich kann mich erinnern, als ich am Abend zu ihm sagte: „ Wenn ich dir nicht gesagt hätte, was in den Packerln ist, hättest du nicht mal gewusst, was unser Sohn von uns zum Geburtstag bekommt.“ So war es auch. Es schien ihn nicht zu interessieren und das verletzte mich damals ungemein. Heute weiß ich, dass zu dieser Zeit, quasi der Endspurt vor seinem Zusammenbruch war, damals erkannte ich ihn nicht als meinen Mann wieder. Der vierte Geburtstag war geprägt von Beziehungsproblemen, zu viel Arbeit und Psychosen. Meine Enttäuschung war groß, trotzdem es mir besser ging, wieder keine Normalität an diesem Tag zu schaffen.

Heuer, der fünfte Geburtstag. Ein, zwei Wochen vorher, hatte ich das Gefühl, Dominik bekommt ein wenig Boden unter den Füßen und ich dachte, dieses Mal könnte ich es schaffen, den kleinen Mann ein „normales“ Fest zu gestalten. Doch ein paar Tagen, vor Richards Geburtstag, kam ein Brief ins Haus, der Dominik wieder so die Füße ausriss. Ich versuchte gemeinsam mit der Therapeutin, Dominik wieder zu stabilisieren, ihm zu zeigen, dass dies nur ein Brief war, nichts schlimmes, nichts! Ich tu mir extrem schwer, dies nach zu vollziehen und ich glaube auch, dass dies niemand kann, der nicht unter solch Angststörungen und Depressionen litt. Auch die Therapeutin, hatte die Befürchtung, dass ihn dies wieder in seine Psychosen treiben könnte.

Passend dazu, war die Woche vor und auch die Tage nach Richards Geburtstag unglaublich viel los und ich somit viel unterwegs, dass ja auch nicht zur Verbesserung von Dominiks Zustand beiträgt. Aber ich kann nicht nur mehr zu Hause sitzen, ich verliere mich selbst, wenn ich mich 100 Prozentig aufgebe und ich brauche, ein Gefühl von Normalität, einfach einmal einen Abend, wo es nicht um das übliche Thema geht, einfach mal lachen, ohne an die Schwierigkeiten des derzeitigen Lebens zu denken. Ich brauche das, um meine Ressourcen zu füllen, um zu Hause stark sein zu können.

Der 26.4. war stark für mich. Ich war gewohnt, dass ich meine Erinnerungen an diesem Tag, mit mir selbst ausmache. Diesmal, war jemand da, der selbst keinen Boden unter den Füßen hatte und mich ständig fragte, wie es mir geht. Mag ich nicht! Ich will doch nur einfach den Raum haben, einmal eine Runde zu heulen, um alles rauszulassen und dann wieder meine „Alles ist so toll“-Maske aufzusetzen, damit weder Richard, noch die Familie was merkt. Unser Sohn, hatte sich den Start ins Leben erkämpfen müssen, ich finde, er hat jedes Recht, diesen Kampf gebührend zu feiern. Ich gab mein Bestes und wie üblich hielt meine Maske, bis Richard im Bett war und die Gäste gingen. Dominik kämpfe mit Zuckungen, verkroch sich in der Küche, seine Sozialphobie war wieder da, ähnlich wie Weihnachten.

Ehrlich, für mich ist es einfach nur anstrengend, ich kann es nicht verstehen, es macht mich sogar manchmal sehr wütend. Kann es nach 5 Jahren, nicht einfach mal „normal“ sein? Wird ich es jemals schaffen, unseren Sohn einen „normalen“ Geburtstag zu bereiten, der nicht geprägt ist von irgendeinem psychischen Knacks seiner Eltern?

Ich weiß es nicht. Momentan tu ich mir prinzipiell sehr schwer mit dem positiven Denken. Eigentlich bin ich ja ein sehr optimistischer Mensch. Derzeit finde ich einfach nur alles mühsam. Ein Jahr ist es jetzt her, nicht ein Jahr, wo Dominik im Krankenstand ist, aber ein Jahr, wo er sich grundlegend verändert hat. Seine Psychosen trieben unsere Ehe damals an den Rand des machbaren. Seine Sozialphobie isolierte uns immer mehr und seine Vorwürfe, Kontrollen und zuletzt auch sein Selbstmordplan, brachte mich fast um den Verstand. Ich frage mich immer wieder, ob jemals die Zeit kommen wird, wo ich mal wieder leben darf, wo es auch mal um mich geht, wo ich sein darf, wer ich bin.

Ich war die letzte Woche, wie schon geschrieben, viel unterwegs und ich merke einerseits wie gut es tut, andererseits, habe ich es satt, egal wo ich hingehe, es geht nur um Dominik. Er versteckt sich vor der Öffentlichkeit, ich darf das für ihn erledigen. „Wie geht es Dominik? Wie steht es ums Projekt? Wie ist es soweit gekommen? Hätte man das nicht früher erkennen können? …“,  jeder fragt. Und ich? Eigentlich versuche ich ein, soweit es mir gelingt, normales Leben zu führen, zumindest außerhalb unseres Hauses, aber wie soll das funktionieren, wenn ich auch von allen anderen nur über Dominik ausgefragt werde. Die einzige Zeit, wo ich ich sein kann, sind derzeit meine Ausbildungen. Da kannte mich vorher keiner, da erkennt niemand, dass mein Lächeln nicht einfach nur aufgesetzt ist, da geht es nicht um das Projekt, oder um Dominik, da reden die Leute mit mir, haben Spaß mit mir, weil ich es bin.

Ich weiß, mein Beitrag heute lest sich wahrscheinlich voll depri, bin ich nicht, bin nur gefrustet. Aber ich denke, nach einem harten Jahr, wo ich versucht habe, tagtäglich, meine Kinder aufzubauen und Dominik zu stützen, darf ich jetzt auch mal gefrustet sein. Ich denke, meinen Frust zu überwinden wird meine nächste Lebensherausforderung, oder meine nächste Prüfung, die mir das Leben stellt – ich würde mich jetzt aber mal echt freuen, wenn die Prüfungen des Lebens mal aufhören, ich denke, schön langsam hab ich genug davon abbekommen.

Maria

Puchenauer Benzingespräche

Gestern abends wurden wir überrascht. Ein ganz lieber Freund, Oldtimer-Freak und begnadeter Rallye-Fahrer, der das Hobby mit seiner Frau teilt, schrieb mich über WhatsApp an. „Ich plane die ersten Puchenauer Benzingespräche, welchen Titel darf ich für die Spendenbox verwenden?“ Nach kurzfristiger Überforderung, war ein anstrengender Tag gestern, langem grübeln was „Benzingespräche“ sein könnten und ein paar Nachrichten später, hatte ich es begriffen.

Schon seit längeren planen Gerald und Ingrid einen gemütlichen Abend, wo über die anscheinend härteste Winterrallye AVD-Histo-Monte berichtet wird. Die beiden waren von 7. – 11. Februar 2017 dabei und schildern ihre Erfahrungen am 8. April 2017 um 18:00 Uhr im Seniorentreff Puchenau. In diesem Rahmen möchten Gerald und Ingrid mit einer Spendenbox unser Projekt unterstützen und darauf aufmerksam machen – DANKE!

 

Diese Aktion hat mich nachdenklich gemacht, denn ich glaubte nicht, dass nach der Benefizveranstaltung im stan´s noch jemand auf die Idee kommt uns, ohne Aufforderungen und Bitten unsererseits, zu unterstützen. Ich habe schon einige Male davon geschrieben, dass wir durch Dominiks Angststörungen kaum noch soziale Kontakte haben. Freundschaftspflege ist dadurch fast unmöglich geworden und somit sind unsere Freunde erstmal auf der Ersatzbank, die wir erst wieder richtig in unser Leben holen können, wenn Dominik seine Ängste verliert. Eigentlich rechnet man da eher damit, dass einigen das Warten zu blöd ist, und man dadurch eher Freunde verliert. 2 Familien haben uns jetzt aber bewiesen, dass es nicht nur Menschen gibt die warten, sondern auch Menschen, die einem helfen möchten. Was soll ich sagen, euer Engagement rührt mich und ich bin sehr glücklich euch zu kennen.

Also ich freue mich auf die 1. Puchenauer Benzingespräche und komme natürlich gerne, auch wenn ich von Autos jetzt nicht so viel Ahnung habe (man muss aber wirklich auch nicht alles wissen 😉) bin ich gespannt auf die Rallye Erlebnisse und freue mich euch zu sehen!

Ich versuche mich auch bezüglich Bus besser Vorzubereiten, damit ich nicht nur „typisch Frau“ Antworten geben kann, wie: „groß, gelb, schwer ….. Schulbus halt, wie du ihn vom Fernsehen kennst!“ Ich werde mich bemühen ein paar Daten und Fakten zu lernen!

Ansonsten ist es sehr ruhig hier im Blog?

 

Es tut sich nur zu viel um auch noch zum Schreiben zu kommen.
Momentan stecke ich im Endspurt der Firmenschließung, denn die Selbständigkeit von Dominik, wird mit 31.3. endgültig beendet. Es ist leider nach wie vor noch nicht absehbar, wann er wieder arbeiten kann.

Bei unserem Projekt geht es aber auch weiter. Leider hat sich der Transport des Busses verzögert. New Yourk versank im Schnee und jetzt warten wir auf einen Termin, wann das Schiff aus Baltimore Richtung Bremerhafen ausläuft, es wird also ernst, bald könnt ihr das gelbe Ungetüm in Puchenau bewundern.

Das erste Zeitungsinterview hatten wir auch und sind schon sehr gespannt über unseren Artikel in der Zeitschrift „Verrückt, eben anders“ Die liebe Laura Adrian hat uns interviewt und uns auch ein wenig über sich erzählt. Eine unglaublich starke Frau, die mit Borderline und Essstörungen ein Stehaufmensch sonders gleichen ist.

Leider habe ich noch nicht die Zeit gefunden ihre Bücher zu lesen, werde dies aber auf jeden Fall nachholen. Vielleicht wollt ihr ja auch so wie ich, mehr über Laura und ihre Erfahrungen mit Borderline lesen. Durch eine Buchbestellung über den Link unterstützt ihr auch unser Projekt!


(K)ein Leben mit Borderline und Essstörung

 

 


Die Kunst, ein Stachelschwein zu umarmen

 

 

Einen sehr mutigen und Interessanten Beitrag fand ich auch hier über Laura – auf jeden Fall sehenswert!

sat1.at/tv/fruehstuecksfernsehen

Somit freue ich mich euch bei den 1.Puchenauer Benzingesprächen zu sehen, ich halte euch weiter am Laufenden!

Maria

Tollabea stellte unsere Frage im Interview an Frau Dr. Heuser

Vor einiger Zeit hatte ich durch unseren Beitrag „Papa´s Seele hat Schnupfen – nein Grippe“ kontakt zu Béa von TOLLABEA. Damals erzählte sie mir von ihrem bevorstehenden Interview mit Frau Dr. Isabella Heuser, die Psychologin und Psychaterin am Charithé Campus Benjamin Franklin ist und sich mit Depressionen auseinandersetzt. Béa gab uns die Möglichkeit, über sich, Frau Dr. Heuser eine Frage zu stellen, die wir dankend annahmen.

Den Beitrag von Tollabea findet ihr HIER

„Warum wird vorwiegend mit Antidepressiva gearbeitet und nicht das Problem bei der Wurzel gepackt und mit Psychotherapie behandelt?“

In dem Interview gibt Frau Dr. Heuser eine sehr ehrliche, aber wie ich finde, eine etwas bedenkliche Antwort. „Antidepressiver wirkt schneller als Psychotherapie.“ Ich finde dies gut, wenn dadurch Ziel ist, die Betroffenen so schnell wie möglich, aus einer schweren depressiven Episode zu holen. Wenn es aber darum geht, so schnell wie möglich wieder zu funktionieren, wieder einsatzbereit für die Arbeitswelt zu sein, finde ich es bedenklich. Jede Depression hat ihre Wurzel, die durch Antidepressiver weder aufgearbeitet, noch verarbeitet werden kann. Medikamente verstärken auch nicht die Resilienz, um weitere depressive Episoden vorzubeugen. Antidepressiva können Unterstützung sein, damit der Schlaf wieder besser funktioniert, oder die Gedankenspiralen wieder geordnet werden können, aber es kann die Depression und das Erlebte zuvor, was zur Depression führte nicht wegzaubern. Dafür braucht man viel Willenskraft und eine gute Psychotherapie!

Sehr interessant finde ich auch noch den Interview- Teil, wo Frau Dr. Heuse beschreibt, wie man mit Kindern darüber sprechen soll. In den meisten Punkten stimme ich Frau Dr. Heuse voll und ganz zu. Die Erfahrung mit unseren Kindern, zeigt mir jedoch, dass man auch im Kindergartenalter das Problem beim Namen nennen sollte. Frau Dr. Heuse beschreibt, dass vor allem bei älteren Kindern oft Schuldgefühle kommen, sie könnten dafür Verantwortlich sein. Bei uns war es Hauptsächlich unser Kleiner, der immer wieder meinte, er war nicht brav genug, oder er war zu laut und darum geht es Papa heute schlecht. Kindergartenkinder haben noch die Fähigkeit viel zu spüren, daher finde ich die Aussage von Frau Dr. Heuser für jedes Alter wichtig:

„Ich bin für dich da! Du bist nicht Schuld! Es wird vorübergehen!“

 

Wie ich schon in meinen letzten Beitrag beschrieben habe, gibt es dazu einige Kinderbücher, die uns ermöglichen, die Kinder altersgerecht aufzuklären. Gerade in einer Zeit der Krise ist es umso wichtiger die Kinder resilient zu machen. Wie auch Frau Dr. Heuser beschrieben hat: Selbstbewusstsein und den Mut auch mal NEIN zu sagen!


Mit Kinderbüchern wie Mein unsichtbarer Gartenzaun, oder Ich bin stark, ich sag laut Nein!
kann man Kindern helfen zu erkennen, dass es völlig OK ist mal Nein zu sagen. Diese Bücher werden hauptsächlich zu Prävention von sexuellen Übergriffen verwendet, sollten aber, wie ich finde, fixer Bestandteil von jeder Erziehung sein.

Bei den fixen Ritualen, wie Frau Dr. Heuser sie beschreibt, würde ich jedenfalls auf Rituale zurückgreifen, die das positive Unterstreichen und den Optimismus fördern. Wir haben solche Rituale zum fixen Bestanteil unserer Tagesabläufe gemacht und das Positive zu sehen und zu erkennen, hilft nicht nur den Kindern, sondern auch Dominik, der mit seiner Depression eher in den Fängen des Negativen gefangen ist.

Wir schreiben nach wie vor in unser Familienglückstagebuch, dass uns zeigt wie trotz den vielen Sorgen und trotz der oft schwierigen Umständen, es jeden Tag etwas schönes zu berichten gibt und immer wieder gibt es bei uns Spiele, die das Selbstbewusstsein stärken. Auch eine „Ressourcen- Duschen“ machen wir regelmäßig – dies ist eine Übung aus meiner Ausbildung zum Dipl. Kinder-Resilienz Trainer. Dabei kann man richtig schön beobachten, wie die Kinder jedes mal ein „Stückchen wachsen“!

Alles in Allem möchte ich Béa von TOLLABEA zu diesem Interview gratulieren.

Das Video ist sehenswert und sehr informativ.

 

Ich weiß, dass ich mir schon sehr viel herausnehme, wenn ich hier öffentlich sage, dass ich nicht in allen Aussagen von Frau Dr. Heuser konform gehe. Eine Frau die Psychologie und Medizin studiert hat, also ein großes Fachwissen an den Tag leg und trotz alle dem, nicht die Erfahrung hat, wie es in der Praxis ist. Wenn man Tag für Tag mit einem psychisch kranken Menschen zusammenlebt und Tag für Tag die Kinder schützen, starken und resilienten Persönlichkeiten erziehen soll. In der Theorie hört sich immer alles sehr logisch und eigentlich einfach an, aber in der Praxis ist auch der Ehepartner nur ein Mensch, der ohne jegliches theoretisches Grundwissen von heute auf morgen in eine Rolle schlüpft, die er/sie nie wollte. Diese Rolle wird nicht einfacher, wenn man als Partner, von allen Ärzten und Psychologen hört, dass diese Rolle für den Erkrankten/die Erkrankte so wichtig ist. Auch wir als Ehepartner von Betroffenen und Eltern von Kindern haben gute und schlechte Tage – wir sind nicht perfekt und liebe Frau Dr. Heuser, Depression ist „ansteckend“, denn das dauerhaft negative zieht auch die Menschen um ihn/sie herum herunter und es benötigt viel Widerstandskraft und viele eigene Ressourcen, um diesen negativen Energien jeden Tag stand zuhalten.

 

Mit psychischer Krankheit in der Familie leben: Rat und Hilfe für Angehörige ist ein Buch, dass ich jeden Angehörigen von psychisch Kranken empfehlen kann.

 

 

Maria

Therapie, Kündigung, Krankheit, Projekt – wie geht es Dominik

Immer wieder werde ich über Dominik gefragt: „Wie geht es Dominik?“ Wie schon geschrieben, kann Dominik derzeit keinen Blogartikel schreiben, trotzdem war es uns wichtig, euch über seinen Zustand und seinem Krankheitsverlauf zu berichten. Wir haben lange überlegt, wie wir das bewerkstelligen sollen und hier eine Möglichkeit gefunden. Ich habe die Fragen, die ich immer wieder von Leuten höre, die ich treffe, Dominik gestellt. Dieser redete frei darauf los und ich habe mitgeschrieben und dies dann zu Sätzen formuliert. Jede Antwort, habe ich Dominik wieder vorgelesen, damit ich auch alles richtig verstanden habe um euch kein falsches Bild zu geben. Die Situation war ein wenig eigenartig, den eigenen Mann zu Interviewen, aber ich denke, mit den Antworten, könnt ihr euch ein besseres Bild machen.

Wir haben vor, dies zu wiederholen. Wenn ihr also von Dominik etwas wissen wollt, schickt uns die Frage als Kommentar oder per Mail info@project-blowball.at. Bitte versteht, dass es Fragen gibt, die Dominik nicht oder noch nicht beantworten kann. Ich werde da sehr viel Rücksicht darauf nehmen und nichts wird beantwortet, was Dominik nicht möchte.

Maria

 

Therapie, Kündigung, Krankheit, Projekt – wie geht es Dominik

 

  • Jetzt bist du seit September zu Hause, wie geht es dir damit?

Dominik: Einerseits fehlt mir absolut das Zeitgefühl, es fühlt sich nicht so lange an wie es ist, andererseits schockiert mich die Zeit. Mein größter Wunsch ist ein normales Leben, in allen Rollen, so gesehen kommt mir die Zeit ewig vor. Ein Leben ohne Einschränkungen, Ängste, Gedankenspiralen und Hilflosigkeit vermisse ich. Die einzige Emotion die ich gerade, beziehungsweise, von Anfang an spüre, ist Angst. Ich würde gerne wieder Freude und Glück erleben, arbeiten können, die Freizeit genießen können, derzeit aber noch ein Wunschdenken. Was mir auch komplett fehlt, ist die Fähigkeit Entscheidungen zu treffen. Spontanität überfordert mich total und Planänderungen können gefühlte Katastrophen auslösen. Momentan brauche ich Maria um mir jegliches abzunehmen, ich sehne mich aber nach Selbständigkeit.

  • Wie geht es dir mit der Therapie, hast du das Gefühl es geht weiter?

Dominik: Nachdem in der Therapie einiges ans Tageslicht kam, mit dem ich nicht rechnete, ist diese oft ein Wechsel zwischen den Themen. Daran bin ich nicht ganz unschuldig, denn manchmal glaube ich das eine Thema ist vorrangig, eine Woche später priorisiere ich das andere Thema. Es fällt mir jedoch nach wie vor schwer, zu akzeptieren, dass ich krank bin. Theoretisch habe ich verstanden was ich habe, praktisch kann ich es aber nicht spüren. Mit den Angststörungen habe ich am meisten zu kämpfen, denn mein Kopf sagt mir ja, dass mir nichts passieren kann, es löst aber trotzdem Panik aus, die ich nicht kontrollieren und nicht beschreiben kann.

  • Wie oft bist du in Therapie?

Dominik: Im Schnitt 1x wöchentlich für ca 3 Stunden Psychotherapie und 1x monatlich beim Arzt. Meine Therapeutin ist aber Gott sei Dank sehr unkompliziert und hilft mir auch oft per Telefon weiter, wenn mich etwas unvorhersehbares aus der Bahn wirft.

  • Versuche zu beschreiben wie du früher warst.

Dominik: Ich war ein lebensfroher Mensch, der für jeden Blödsinn zu haben war. Ich arbeitete gerne und war mir auch nie für eine Arbeit zu schade. Probleme sah ich kaum, denn es gab für alles eine Lösung. Ich war sehr gerne unter anderen Menschen und vor allem Freunden. Meine Familie und meine Beziehung hatten schon immer sehr hohen Stellenwert in meinen Leben. Kurz gesagt, ich hatte Spaß und genoss das Leben in vollen Zügen.

  • Was veränderte sich, bzw. wie kam es zum Zusammenbruch?

Dominik: Alles! Ich hatte das Gefühl, die Welt richtet sich gegen mich. Ich konnte das positive nicht mehr erkennen. Alles schien aussichtslos und negativ. Ich habe jegliche sozialen Kontakte, auch Freunde und Familie als Belastung war genommen. Ich hörte öfter die Hinweise von Maria, aber auch Freunden, dass ich mich verändert hätte, sah aber die Veränderung bei den Anderen und nicht bei mir. Egal was ich machte, ich empfand keinen Spaß mehr dabei. Meine Gedanken raubten mir den Schlaf, ich fürchtete in allem das schlimmste und es fühlte sich komplett real an. Wenn ich versuchte etwas zu lesen, verstand ich plötzlich den Inhalt nicht mehr, ich war blockiert. Entscheidungen zu treffen fiel mir unglaublich schwer.

  • Warum wolltest du diesen Blog?

Dominik: Um der Welt aufzuzeigen, wie man sich durch psychische Krankheiten verändert. Ich wollte dieses Tabuthema brechen und damit auch später anderen Betroffenen zu helfen. Unser Erlebtes, soll auch anderen Mut machen, mit der Krankheit offen umzugehen.

  • Jetzt im nachhinein, war der Blog eine gute oder blöde Idee?

Dominik: Jeder neue Beitrag hat für mich zwei Seiten. Einerseits möchte ich offen der Welt zeigen was die Krankheit auslöst, andererseits ist es jedes Mal wieder eine Überwindung für mich. Die Reaktionen der Leser, zeigt mir aber jedes mal wieder, dass die Entscheidung richtig war. Durch den Blog kamen auch sehr viele selbst Betroffene auf uns zu, die uns ihre Lebensgeschichte erzählten, das schockiert mich eigentlich, wie viele Menschen betroffen sind, vorher war mir das nicht bewusst.

  • Warum Angst vor Menschen, bzw. wie fühlt sich das an?

Dominik: Ehrlich – ich weiß es nicht. Es ist einfach so und kam schleichend. Anfangs waren es nur Großveranstaltungen, mittlerweile habe ich auch bei kleinen Familienfeiern schon Angststörungen.

  • Welche Angststörungen begleiten dich noch?

Dominik: Computer: jeglicher Zugang zur EDV, alles war in meiner Arbeit Alltag war

Alles außerhalb des Hauses:  mein Haus ist mein Sicherer Platz, dieses zu verlassen kostet mich große Überwindung und noch viel größere, wenn ich das alleine tun muss. Einen zweiten sicheren Ort habe ich in meinem Auto gefunden.

Alleine sein: einerseits vermeide ich jeglichen sozialen Kontakt, halte es aber kaum aus, wenn ich meine Familie (Maria und die Kinder) nicht um mich habe

  • Wie geht es dir jetzt mit der Kündigung?

Dominik: Alles was meine Anstellung bei der Firma betrifft, fühlt sich gefährlich an. Es löst aber keine Gefühle in mir aus. Rein logisch betrachtet, hätte ich dies aber nie von einem Sozialen Unternehmen erwartet. Die Bedingungen, die gestellt wurden, um die Kündigung zu vermeiden, waren für mich unmöglich zu schaffen.

  • Was fällt dir beim Projekt am schwersten?

Dominik: Um den Bus nach Österreich zu bekommen, mussten einige rechtliche Dinge geklärt werden. Auch die Koordination der Speditionen stellt mich vor eine fast unlösbare Aufgabe. Welcher Schritt wann und wie gesetzt werden muss, aber auch Lösungen für Probleme finden, alleine nicht schaffbar. Maria und mein Schwiegervater unterstützten mich dabei tatkräftig. Wenn der Bus dann in Puchenau ankommt, freue ich mich einerseits, wieder ein wenig Tagesstrukturen zu erlernen, muss aber dadurch meine Schutzzone verlassen. Unzählige Leute haben mir Hilfe beim Umbau angeboten, ich habe aber Angst vor den sozialen Kontakten, weiß aber andererseits, dass ich dies wieder lernen muss. Mein Glaube, durch den Bus wieder zurück ins Leben zu finden, lässt mich aber weiterkämpfen. Ich möchte damit meine Angststörungen besiegen und der Krankheit entfliehen.

  • Hast du schon einen „Plan“ für dein Leben danach?

Dominik: Meine Frau baut zusammen mit dem Vorstand im Hintergrund den Verein Rezeptfrei auf. Ich möchte, nach dem Überstehen der Krankheit, durch mein Erlebtes und Durchlebtes, andere Menschen helfen. Ich möchte mein Leben wieder genießen können und für meine Familie da sein, aber werde auch das Leben etwas entschleunigen. In meinem Kopf schwirren viele Fragen, was wirklich wichtig ist im Leben und worauf es ankommt. Was braucht man um wirklich glücklich zu sein?

Ratschläge: gut gemeint – aber einfach doof!

Immer wieder gibt es gut gemeinte Ratschläge oder Aufmunterungsversuche, doch es kommt leider bei Dominik als „Unverständnis“ an. „Es fühlt sich doof an, wenn jemand in 5 Minuten beurteilt, wie es mir geht!“, so Dominik. Es gibt aber auch Leute, die gar nicht wissen, ob und wie sie mit Dominik sprechen sollen, vielleicht kann ich das heute ein wenig erklären.

 

Ab und zu, an „guten“ Tagen, kann ich Dominik überzeugen, aus seinem Schneckenhaus – unserem Haus herauszukommen. Manchmal aber auch, das Telefon in die Hand zu nehmen und jemanden anzurufen. Derzeit ist das bei engsten Freunden oder der Familie möglich.

Wenn jemand dann zu Besuch kommt, oder Dominik mit mir zu jemanden fährt (das ist nach wie vor das schwierigste für ihn), ist oft das erste, was er zu hören bekommt: „Schaust eh schon gut aus!“ oder „Wie schön, dass es dir besser geht!“ Diese zwar gut gemeinten Aufmunterungsversuche kommen nicht so an, wie sie gemeint sind. Wenn sich Dominik aus dem Schneckenhaus hervortraut, bedeutet das unglaublich innerlichen Stress, Anspannung um „normal“ zu wirken und Selbstkontrolle um seine Angststörungen zu unterdrücken – nichts daran fühlt sich gut an – nichts davon fühlt sich eh schon besser an.

Es ist einfach ein unglaublich demütigendes Gefühl, wenn es einem innerlich fast zerreißt und die Menschen, zu denen er so viel Vertrauen hat, sie einzuladen oder sogar zu besuchen, reagieren mit diesen „gut gemeinten Floskeln“. Also an Alle, die mit depressiven Menschen zu tun haben, streicht diese Sätze aus eurem Small-Talk Repertoire.

Auch mit Sarkasmus kann Dominik nichts anfangen. Nachdem er in seinem Zustand nicht einschätzen kann, ob und wie weit etwas ernst gemeint ist, oder eben sarkastisch. Somit sind auch alle Aufmunterungsversuche die sarkastisch gestaltet werden, immer mit nachhinein einer Aufklärung meinerseits verbunden, wie derjenige das gemeint haben könnte – auch einfach mühsam.

Jemanden, der gar nicht weiß, wie man mit Dominik sprechen soll, kann ich nur raten: Smalltalk ja, Fragen über seinen Zustand – Nein, Ratschläge gar nicht!

 

Selbst mir als Ehefrau, zieht es alles zusammen, wenn jemand in den ersten 3 Minuten „Schaust heute eh gut aus!“ zu Dominik sagt, denn ich habe ja die Anspannung vorher miterlebt, sowie die Zweifel, ob er das überhaupt schaffen wird, jemanden zu treffen. Aber mittlerweile gibt es auch für mich einen Satz, den ich nicht mehr hören kann. Der ist auch liebt gemeint, löst aber schon fast Aggressionen bei mir aus. „Du musst auch auf dich schauen!“ Ich denke nur jemand, der mit einem psychisch kranken Menschen zusammenlebt, kann beurteilen, welche Herausforderung dies Tag für Tag ist und wieviel Energie dies raubt. Zusätzlich übernimmt man jegliche Aufgaben des Partners, versucht alles vor den Kindern abzuschirmen. Ich habe mittlerweile fast alles, was mir Spaß machte, aufgegeben, damit ich seine Angststörungen nicht noch mehr herausfordere und Tage, oder Sunden, die ich für mich verwende, sind immer mit schlechten Gewissen verbunden.

Somit kann ich nur sagen: „Schau auf dich – ja wie denn?“

 

Dominik hat auch schon viel mit Gerhard Huber darüber gesprochen. Der hatte schon viel Kontakt zu anderen Burnout- oder depressiven Menschen. Anscheinend geht es da jedem ähnlich. Man kann einfach nicht beurteilen, wie es den Menschen im inneren geht und sollte es auch nicht tun.

Maria

Auch Gerhard Huber schrieb ein paar Zeilen zu diesem Thema:

 

Für Angehörige ……

 

Wichtig für Angehörige ist einmal zu verstehen, dass der Lebenspartner, Mama oder Papa es in der Zeit wirklich nicht schaffen, die Kaffeetasse wegzuräumen, im Haushalt nur irgend etwas auf die Reihe zu bekommen, geschweige  denn seinen anderen Aufgaben nur irgendwie nachkommen zu können. Es geht zu diesen Zeiten tatsächlich nicht, weil zu diesen Zeiten nichts mehr geht nicht einmal mehr das einfachste. Und es gibt auch keine Wunderpille, die dies von einer Sekunde auf die andere ändern könnte.

 

Gut gemeinte Ratschläge, wie z. B. „das wird schon wieder“, „reiß dich zusammen“, „bemüh dich“, „du hast ja sonst auch immer alles geschafft, du wirst auch das schaffen“, obwohl bestimmt nur gemeint, verfehlen vollkommen das Ziel und sind sogar kontraproduktiv. Noch schlimmer und unproduktiver ist es, Druck aufzubauen und dem Betroffenen mit solchen Aussagen direkt oder auch indirekt zu drohen wie z.B. „Du musst das machen und du musst das andere machen“, „du musst die Medikamente nehmen oder du musst die anderen Medikamente nehmen“, „du musst zu dem Arzt, du musst zu dem Therapeuten, du musst ins Krankenhaus, du musst in die Klinik“, „du musst für deine Familie sorgen“ usw. usf. Erstens einmal geht es in diesen Zeiten tatsächlich nicht und zweitens hat ja gerade dieses ständige „müssen“, vielleicht sogar dieses ein Leben lang zu müssen, uns dort hin gebracht, wo wir jetzt sind, und jetzt muss man/frau schon wieder. Man kann es einfach nicht mehr hören und es macht Druck, ständigen Druck und Druck braucht man in dieser Zeit überhaupt keinen.

 

Sagen Sie ihr bitte nicht, sie muss an die frische Luft gehen, weil ihr die so gut tun wird. Sie schafft es in der Zeit nicht! Sagen Sie ihr: „Ich gehe eine Rund spazieren, hast du Lust mitzukommen?“. Sie wird es vielleicht zehnmal nicht schaffen, vielleicht nicht zwanzigmal, vielleicht nicht dreißig Mal, aber beim einunddreißigsten Mal wird sie es schaffen. Und das nächste Mal wird es nicht beim einunddreißigsten Mal sein, sondern beim dreißigsten.

 

Sagen Sie ihr bitte nicht, sie muss unter die Leute gehen, weil ihr das so gut tun wird. Sie schafft es nicht, auch da. Sagen Sie ihr: „Ich gehe eine Runde einkaufen, hast du Lust mitzukommen?“. Sie wird es vielleicht zehnmal nicht schaffen, vielleicht nicht zwanzigmal, vielleicht nicht dreißig Mal, aber beim einunddreißigsten Mal wird sie es schaffen. Und das nächste Mal wird es nicht beim einunddreißgsten Mal sein, sondern beim dreißigsten.

 

Wenn Sie jedoch im Glauben sind, weiter Druck auf den Betroffenen oder die Betroffene ausüben zu dürfen und nicht aufhören werden, Ihrer Lebenspartnerin, Ihrem Lebenspartner oder wer auch immer in Ihrem Umfeld davon betroffen ist, ständig zu sagen, was er oder sie tun muss, dann wird er oder sie irgendwann eine riesengroße Mauer um sich aufbauen und dann erreichen Sie ihn überhaupt nicht mehr.

 

Daher und abschließend: Weniger ist mehr! Sagen Sie ihr einfach, dass Sie sie lieben und dass Sie immer für Sie dasein werden. Dass er kein Versager ist (man glaubt das in der Zeit nämlich). Dass er Sie jederzeit anrufen kann, wann er möchte, wann auch immer das sein mag. Und wenn er/sie sich zurückziehen will, dann akzeptieren Sie das bitte mit einer Selbstverständlichkeit. Das hat nichts mit Ihnen zu tun. Sie braucht in der Zeit oder der Situation einfach Ruhe und Abstand. Sie ist einfach total überfordert und fertiggefahren und ihr Körper sagt es ihr: „Ich brauche Ruhe! Ich brauche Abstand!“ Und hören Sie bitte unbedingt auf Ihren Körper, er sagt es Ihnen. Er sagt Ihnen alles, was Sie brauchen oder nicht brauchen!

 

Gerhard

Belastung durch die Arbeit – wie es zum Burnout kam

Warum Burnout? Wie schon beschrieben, löste Dominiks totalen Zusammenbruch private Belastungen, sowie auch arbeitsspezifische Belastungen aus. Bis jetzt haben wir im Beitrag: „Roses Revolution Day“ die private Belastung beschrieben, die Dominik traumatisiert hat und sich als Posttraumatische Belastungsstörung abzeichnet. Dominik wollte bisher nicht, dass seien Arbeitssituation öffentlich wird. Er hatte Angst, wovor kann er selber nicht genau sagen. Jetzt ist er gekündigt, und er ist nach wie vor im Zwiespalt, ob dieses Thema veröffentlicht werden sollte. Für die Therapie ist es jedoch wichtig, dass sein Erlebtes „Stimme“ erhält, auch wenn derzeit noch ich die Stimme für ihn ergreifen muss, da ihm sein Erlebtes so schwächte, dass er das selbst noch nicht tun kann. Er hat Angst davor, dass seitens der Firma, eine Reaktion kommt, die alles verdreht und als „das hast du alles falsch verstanden“ abtut. Nichts wurde falsch verstanden! Vielleicht könnt ihr kaum nachvollziehen, warum er nicht schon lange zuvor gekündigt hat. Leider ist dies für ein Burnout normal, der Betroffene kann sich selbst nicht mehr aus der Situation „retten“.

 

Warum es zum Burnout, beziehungsweise zur Belastungsdepression gekommen ist:

 

Dominik begann 2007 bei einer Firma als EDV-Betreuer zu arbeiten. Die Geschäftsführung dieses Unternehmens hatte auch noch einen Sozialen Betrieb (damals zwischen 100 und 150 Mitarbeiter/-innen), dessen EDV Betreuung durch diese Firma abgewickelt wurde. Dort waren zwei Techniker, darunter Dominik mit je 38,5 Wochenstunden angestellt. Im laufe der Zeit, vergrößerte sich der Sozial Betrieb und Dominik wurde zum Zuständigen für diesen Betrieb eingeteilt. Urlaubsvertretung, Krankenstandsvertretung gab es durch seinen Technikerkollegen nach wie vor.

Nebenbei machte sich Dominik im EDV-Bereich ab 2010 selbständig. Als er 2013 seine Arbeitsstunden im Angestelltenverhältnis auf 25 Stunden reduzieren wollte, war dies nur durch einen Wechsel in den Sozial Betrieb möglich. Dominik glaubte damals, dass es keinen Unterschied machen würde, wenn er in den Sozial Betrieb – mit mittlerweile ca. 200 bis 250 Mitarbeiter/-innen wechseln würde.

Circa 1 Jahr vor dem Wechsel, kam eine Angestellte des sozialen Betriebes auf Dominik zu und bat ihn um seine Hilfe. Diese war für die Datenbank zuständig, hatte aber keine Programmier-Ausbildung. Dominik wies durch einen externen Programmierer, der zu diesem Zeitpunkt für Dominiks Firma kleine Programmierarbeiten auf Werksvertragsbasis machte, auf sehr viele Sicherheitslücken der Datenbank hin und empfahl, diese neu zu machen. Die Angestellte, konnte durch ihre mangelnden Kenntnisse, die Datenbank damals nicht verbessern. Der berufliche Druck und auch private Sorgen brachten diese Frau dazu Selbstmord zu begehen. Erst mit diesen Verlust, war der Geschäftsführung klar, dass die Datenbank neu gemacht werden musste, da keiner die Programmierschritte der Angestellten nachvollziehen konnte, da diese ja mangels Ausbildung laienhaft waren.

Schon vor der Übernahme von Dominik in den Sozial Betrieb, wurde an der Umsetzung der neuen Datenbank gearbeitet. Die Forderung war, eine einfache Datenbank zu erstellen, die dann von einer Büroangestellten wieder weiterentwickelt werden sollte.

Der externe Programmierer erklärte sich bereit, dies über Dominiks Firma umzusetzen. Dieser wollte aufgrund der Einkommensgrenze nicht selbständig tätig sein. Der Programmierer kam durch die wachsenden Anforderungen, darunter zusätzliche neue Anliegen der Geschäftsführung, immer mehr in Verzug.

Am 1.1.2013 wechselte Dominik schlussendlich in den Sozial Betrieb.

 

Die Geschäftsführung bestand auf eine Serverumstellung. Der Programmierer (zu dieser Zeit schon im Burnout) führte diese durch, ohne Dominik zu berichten, dass diese nicht fertig ist und dadurch nur teilweise funktioniert.

Am 11.1.2013 wurde ein Treffen mit allen Einrichtungsleiter/-innen des Sozialen Betriebes einberufen und Dominik von der Geschäftsführung, obwohl diese vorher noch meinte, sie verstände seine Situation, an den Pranger gestellt. Eine sofortige Behebung des Problems wurde gefordert. Seitens des Sozialen Betriebes bekam Dominik einen neuen Ansprechpartner für die Datenbank zugeteilt. Es wurde Tag und Nacht (im wahrsten Sinne des Wortes) an der Datenbank gearbeitet, bis der schon im Burnout-steckende Programmierer komplett ausfiel. Nachdem Dominik von einer Leitungskraft des Sozialen Betriebes mit einer Klage in Millionenhöhe gedroht wurde, sah sich dieser gezwungen einen externen Programmierer um Hilfe zu bitten. Diese Kosten musste auch Dominiks Firma tragen.

Nach langen Nächten, enormem psychische Druck und Existenzängsten kam dann das Angebot, dass der Soziale Betrieb, die Datenbank übernimmt und an dieser weiterarbeitet. Einen kleinen Teil der entstandenen Programierkosten durfte Dominik verrechnen, der Rest war zu Lasten seiner Firma. Das erschien im Vergleich zur existenzvernichtenden Klage damals viel geringer. Im Nachhinein betrachtet, war es eine Zeit der Dauerstress und der gefühlten Unwirklichkeit der Geschehnisse.

Dominik war entkräftet und fühlte sich schuldig und ungenügend.

 

Der Soziale Betrieb wuchs weiter und Dominik ging so gut er konnte seiner Arbeit nach. Die 25 Stunden seiner Anstellung brachten ihn aber immer wieder an die Grenzen des Machbaren. Nachdem ein Klient des Betriebes bei Dominik schnupperte und einen Lehrplatz suchte, dachte Dominik dies sei die Lösung. Er sprach mit der Geschäftsführung, dass er Unterstützung braucht und schlug den Lehrling vor. Dass aber ein Lehrling in erster Linie Arbeit ist und keine Unterstützung, war Dominik nicht bewusst. Um einen Lehrling aufnehmen zu können, brauchte aber Dominik den Ausbildnerkurs. Anfangs schlug die Geschäftsführung vor, dass dieser zur Hälfte von Dominik bezahlt werden müsste, da dieser personenbezogen wäre und ihm eventuell einmal in seiner Firma etwas bringen könnte. Dominik hatte aber nicht vor in seiner Firma einen Lehrling aufzunehmen und ließ sich auf dieses Angebot nicht ein. Schließlich wurde die Ausbildung bezahlt, von den 40 Ausbildungsstunden durften jedoch nur 24 als Arbeitszeit verbucht werden.

Der Lehrling erwies sich bald als große Belastung für Dominik. Dominik suchte immer wieder Hilfe bei der Geschäftsführung. Diese gab aber nur Tipps, was Dominik besser umsetzten könnte. Immer mehr hatte Dominik das Gefühl, er kommt seinen Pflichten als EDV Betreuer nicht nach. Dominik priorisierte, womit er viele verärgerte.

Zudem kam hinzu, dass Dominik stetig neue Vorgesetzte von der Geschäftsführung zugeteilt bekam. Somit waren alle Verbesserungsvorschläge und aufgezeigten Sicherheitslücken nicht realisierbar. Immer wieder forderten die neuen Vorgesetzten aktuelle Angebote der Drittanbieter, um zu kalkulieren. Bis dies aber realisiert werden konnte, war die Zuständigkeit wieder abgegeben. Somit wurde Dominik bei erneuten Angebotseinholungen immer wieder belächelt und ausgelacht, denn sogar die Drittanbieter merkten, dass es nur beim jeweils erneuten Angebot bleiben würde.

Dominik musste mit seinem Lehrling aus dem Technikerbüro, was die Arbeitssituation erschwerte. Trotz zahlreicher Argumente, die gegen eine Zusammenlegung der Büros sprachen, wurde er in ein Büro mit 4 Damen aus den unterschiedlichsten Bereichen gesetzt. Dies erschwerte zusätzlich Dominiks Arbeitssituation. Doch seine Bitten ein eigenes Technikbüro zurückzubekommen, wurden von der Geschäftsführung ignoriert.

Im Juli 2015 traf einen Standort des Sozialen Betriebes ein Virus, der die schon lange von Dominik aufgezeigten Sicherheitslücken des EDV-Systems offenlege. Viele Daten gingen verloren und Dominik wurde von der Geschäftsführung dafür verantwortlich gemacht. Dominik sollte versuchen die Daten zu retten und wiederherzustellen. Zusätzlich musste er die Organisation, ebenso die Anzeige bei der Polizei durchführen.

Somit folgten wieder Angebotslegungen, – jedoch wieder keine Durchführung zur Verbesserung, weil dieser von der Geschäftsführung nicht zugestimmt wurde.

Dominik beobachte einen stetigen Wechsel der Mitarbeiter/-innen und merkte immer öfter, dass die Mitarbeiter/-innen an ihre Grenzen stoßen und dem Ganzen nicht mehr standhalten, nur bei sich selbst merkte er es nicht.

 

Am 20.1.2016 gab es eine Mitarbeiter/innen-Versammlung, da es einen Wechsel in der Geschäftsführung gab. Bei dieser Mitgliederversammlung stellte sich der neue Geschäftsführer als solcher vor. Dieser war bereits langjährig in einem Teilbereich des Sozialen Betriebes tätig und war auch der zugeteilte Datenbank-Verantwortliche, der Dominik mit der Klage droht hatte. Vor allen Mitarbeiter/-innen berichtete dieser, wie gut das Unternehmen laufen würde, nur die EDV Betreuung sei Verbesserungswürdig und dafür würde er sorgen! Dominik war sehr gekränkt von dieser Aussage und auch sehr viele Mittarbeiter/-innen kamen damals auf ihn zu und kritisierten diese Vorgehensweise. Das tröstete Dominik etwas.

Das Datenbank-Thema wurde mit der neuen Geschäftsführung wieder aufgegriffen. Die Idee war, diese von einer externen Firma komplett neu machen zu lassen und Dominik sollte dafür die Projektleitung übernehmen. Dieser ging darauf nicht ein und betonte, dass er damals mit der Abgabe versprochen bekam, dass die Datenbank nicht mehr sein Zuständigkeitsbereich ist. Immer wieder kam der neue Geschäftsführer, auf die Datenbank zu sprechen und betonte, dass es ihm bewusst ist, dass Dominik damals (2013) private Verluste dadurch machte. Er bot ihm eine Entschädigungszahlung von € 5.000,- an. Der Geschäftsführer sprach sich darauf mit der ausgetreten Geschäftsführung ab und meinte, dass Dominik durch diese Zahlung die volle Schuld der Datenbank-Misere auf sich nehmen sollte. Dominik entschied sich das Geld NICHT anzunehmen – es kam ihm vor, als würde man sein Schuldeingeständnis kaufen wollen.

Mittlerweile war Dominik an einem Punkt angekommen, wo er die ständig als selbstverständlich gesehene Rufbereitschaft, nicht mehr aushielt. Diese wurde vom Betrieb weder vertraglich festgelegt, noch vergütet. – Wenn überhaupt, konnte Dominik diese Telefonsupporte sowie Fernwartungen über die normale Stundenaufzeichnung abrechen. Es ging sogar so weit, dass sobald das Firmen Handy abgeschaltet war, er am privaten Handy von der Geschäftsführung angerufen wurde. Es verging kein Urlaub und selten ein Wochenende, wo Dominik nicht zumindest einmal mit einem Mitarbeiter, meistens aber sogar mit der Geschäftsführung telefonierte.

 

Ab April 2016 verschlechterte sich Dominiks psychische Verfassung. Er versuchte auch innerhalb des Sozialen Betriebes Hilfe zu bekommen und suchte das Gespräch mit einem im Betrieb angestellten Psychologen. Es gab also schon vorm totalen Zusammenbruch genügend Anzeichen und Gründe ins Burnout zu rutschen, diese wurden jedoch ignoriert.

 

Dominik gerät seit September in Stress wenn am Handydisplay die ehemalige Arbeit anrief. Das vor allem dann, wenn dies der Datenbankverantwortliche Geschäftsführer tat. Dasselbe galt für Briefe und Emails. Dominik befindet sich dann in einem Ausnahmezustand. Ich kann dann nicht mit ihm sprechen. Er läuft dann auf und ab und kann nichts mehr sagen.

 

Wenn Dominik unsere Tochter in die Schule bringt, müssen wir einen Umweg fahren, damit er nicht in die Gegend seiner ehemaligen Firma kommt. Er hat Angst, Menschen seiner ehemaligen Firma auf der Straße zu treffen („Dann stellt es mich ab.“) Das alles macht die Situation umständlich und Wege komplizierter.

 

Dominik vermeidet in vielfacher Hinsicht. Dieses Vermeidungsverhalten engt ihn und uns sehr ein.

 

Das Burn-Out auch ähnlich wie eine Traumatisierung funktionieren kann, war uns nicht bewusst…..

 

Dominik kann sagen, dass das Firmen-Ding, ähnlich einem Knödel in ihm ist, und er dort nicht hinschauen darf, weil es gefährlich ist und ihn „abstellt“. Der Weg zum „Knödel“ kann nur ein behutsamer sein. Es braucht Kraft und Stabilität, auf den Inhalt des Knödels hinschauen zu können, um zu wissen, „worum es eigentlich geht“.

 

Meine Versuche dem Geschäftsführer mitzuteilen, dass Dominik selbst, nicht zu einem Gespräch fähig ist, waren scheinbar nicht nachvollziehbar, aber Voraussetzung, dass er nicht gekündigt wird.

Wahrscheinlich wird oft etwas als Widerstand verstanden, was im Grunde eine ganz andere Geschichte hat.

 

Schade nur, dass es ein Sozial-Betrieb ist – da hätte ich mir Verständnis erwartet.

 

Was bleibt, ist Dominik, der seit knapp sechs Monaten kein E-Mail mehr schreiben und keinen PC mehr reparieren konnte. Dominik gerät in inneren Stress und erstarrt vor dem Computer. Daher kann auch Dominik selbst derzeit keinen Blog-Eintrag machen.

 

Maria

Gelungene Benefizveranstaltung im Stans

Am Samstag den 18.02.2017 war eine gelungene Benefizveranstaltung im Stan´s. Ich war beeindruckt von dem Einsatz von Wolfgang und seinem Team und es hat mich unglaublich gefreut, dass so viele von euch gekommen sind.


Freunde, Verwandte alte Bekannte und neue Bekannte haben Bratwürstel und Punsch und noch mehr genossen. Für die Spätentschlossenen gab es leider keine Würstel mehr, denn die 100 Paar Bratwürstel waren schnell aufgegessen.

 

Am meisten haben mich die tollen Gespräche mit euch gefreut. Ich habe den Abend über versucht, alle Fragen über den Schulbus, sowie unserer derzeitigen Situation zu beantworten und ich hoffe, dies ist mir ausreichend gelungen. Ihr habt mir an diesem Abend viel Mut und Kraft gegeben, denn es ist schön zu sehen, wie viele Menschen einem unterstützen und auch in schwierigen Zeiten zu einem stehen.

Dominik konnte leider nicht dabei sein, denn jegliche Menschenansammlung löst bei ihm Angst und Panik aus. Aber auch dieser hatte an diesem Tag ein schönes Erlebnis. Gerhard Huber, der extra aus Kärnten zu unserer Veranstaltung kam, besuchte ihn vorher bei uns zu Hause. „Es tut einfach gut, mit jemanden zu sprechen, der versteht, wie es einem geht. Es macht mir Mut und Hoffnung, dass auch ich wieder aus dem Wahnsinn des Burnouts und der Depression komme. Das mein Leben, unser Leben, hoffentlich bald, nicht mehr geprägt von diesen Zwängen der Angststörung ist“, so Dominik.

Auch bei der Benefizveranstaltung erklärte Gerhard Huber, wie sich Menschen in dieser Situation fühlen. Wie es einem geht, wenn man in dem Wahnsinn steckt. „Einfach nur scheiße!“ war die treffendste Antwort auf die Frage, wie man am besten diesen Zustand beschreibt. Und es war ehrlich und ich denke treffend zugleich.

 

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Bei ein paar Leuten möchte ich mich jetzt aber auch noch offiziell bedanken:

 

Wolfgang, Andrea, Alexandra und Team – danke für eure Idee der Benefizveranstaltung, der Organisation und dem Einsatz!

Danke fürs filmen Manuel! Der Mitschnitt der Veranstaltung wird für euch noch bearbeitet und sobald wir fertig sind, wieder auf unseren YouTube-Channel hochgeladen. Mein Bruder Michael macht dafür wieder die musikalische Untermalung – Danke!

Danke Jürgen für die tollen Fotos, die ihr in der Galerie ansehen könnt.

Danke Gerhard für dein Kommen. Vor allem Dominik hat das sehr viel bedeutet!

Vielen Dank an meine Familie, die uns immer wieder Kraft spendet und Mut macht!

Einfach Danke – dass ihr alle da wart und Danke für die zahlreichen Hilfeangebote – sobald ich weiß wie, werde ich mich melden!

 

Maria

 

Ihr könnt uns auch hier bei unserem Projekt unterstützen. Auch jeder einkauf bei Amazon über diesen Link unterstützt project blowball.

 

Bürgerinitiative – aktiv sein – umdenken – verändern

Leider wird es bei uns immer mehr eine Frage, ob man sich gute Ärzte oder Behandlungen leisten kann. Gerade bei der Psychotherapie, die leider nur, von einigen wenigen Institutionen auf Krankenschein – sprich für den Patienten kostenlos – angeboten wird, sind die Wartezeiten enorm.

Daher passiert es leider oft genug, dass psychische Erkrankungen nur mit Psychopharmaka behandelt werden. Die alleine lösen aber das Übel nicht auf, sie unterstützen, aber eine psychische Erkrankung hat eben auch einen Ursprung.

 

Ein Vergleich: Stellt euch vor ihr habt jeden Tag riesengroße Kopfschmerzen, das kennt jeder. Gegen die Kopfschmerzen nehmt ihr eine Schmerztablette. Diese wirkt sehr gut, euch geht es besser. Doch was passiert, wenn die Wirkung der Schmerztablette nachlässt, sofern die Schmerzen nicht durch eine durchzechte Nacht hervorgerufen werden! 😉 Der Schmerz ist wieder da. Wenn man jeden Tag Tabletten schluckt, jedoch nie herausfinden lässt, warum die Schmerzen entstehen und diese beim Ursprung behandelt, wird man schon bald nicht mehr ohne Tabletten, den Tag überstehen. Jetzt schreien sicher einige auf: PSYCHOPHARMAKA machen nicht abhängig! Das mag schon sein, dass es keine körperliche Abhängigkeit geben soll, obwohl ich das persönlich auch in Frage stelle, denn es heißt ja auch, man darf sie keinesfalls abrupt absetzen, sondern muss sie langsam ausschleichen lassen. Aber zur körperlichen Abhängigkeit, gibt es auch noch eine psychische Abhängigkeit und wenn diese Tabletten das einzige sind, woran du festhalten kannst, wird jeder davor Angst haben sie wieder wegzulassen.

Also ist es auch unbedingt notwendig dem Ursprung des Übels auf dem Grund zu gehen. Dabei kann aber nur die Psychotherapie helfen.

Jetzt hab ich aber ein ganz einfaches Rechenbeispiel für euch. Wenn ihr euch vorstellt ihr habt ein Gehalt von 2000 € (ihr könnt euch das gerne mit eurem tatsächlichen Gehalt durchrechnen), seit, wegen einer psychischen Erkrankung, schon einige Zeit im Krankenstand, dann heißt das die Krankenkasse bezahlt nur noch 60% eures Einkommens an Krankengeld. Bei meinem Beispiel sind das 1200 €. Im Durchschnitt brauchen Menschen die in Therapie gehen, aber nicht nur eine Stunde Psychotherapie im Monat, sondern ca. 10. Ein Durchschnittspreis einer Therapiestunde sind 90 €. Davon bekommt man von der Krankenkasse 21 € refundiert, das dauert aber oft auch einige Zeit.

Das heißt ihr müsst mal 900 € vorfinanzieren bei einem Krankengeld von 1200 €. Da habt ihr aber noch keine Wohnung bezahlt, keinen Strom, kein Essen……

 

Versteht ihr was ich meine. Ohne Hilfe von Familie oder Freunden, ist also eine Psychotherapie nicht leistbar! Also bleiben immer mehr Leute auf ihren psychischen Problemen sitzen und können die psychische Krankheit nicht bekämpfen, weil es einfach nicht leistbar ist. Wenn wir uns jetzt noch die Tendenzen unserer Regierung ansehe, wo gerade im Sozial- und Gesundheitsbereich sehr viel eingespart werden soll, befürchte ich, dass man bald nicht mal mehr die 21 € zurückbekommt und es für viele unmöglich leistbar wird.

Daher bitte ich jetzt euch – helfen wir zusammen! Gerhard Huber hat eine Bürgerinitiative gestartet und mittlerweile auch schon 8000 Unterschriften gesammelt. Aber um genügend Aufmerksamkeit zu bekommen, sollten wir gemeinsam versuchen so viele Unterschriften wie möglich zu sammeln!

Dafür druckt euch das angefügte Formular aus  und unterschreibt es, am besten ihr gebt es noch allen Familienmitgliedern und Freunden, dann sendet das Original bitte an Gerhard Huber.

PDF zum download: Bürgerinitiative_psychotherapie

Wer in der Nähe wohnt, kann es auch gerne mir geben, oder auch am Samstag zur Benefizveranstaltung mitbringen und Gerhard Huber persönlich geben. Dieser nimmt sich die Zeit und wir freuen uns wirklich darüber, dass er den Weg von Kärnten nach Oberösterreich auf sich nimmt um dabei zu sein.

 

Jetzt nochmal meine Bitte! Helft uns aktiv zu sein, etwas zu bewegen und zu verändern!

 

Maria

Benefiz im stan´s

 

Kaum glaubt man, …

Kaum glaubt man, es geht ein Stückchen bergauf, kommt der nächste Super Gau. Abgesehen davon, dass Dominik seiner selbständigen Tätigkeit nicht mehr nachgehen kann und ich jetzt gezwungen bin, die Firma zu schließen, war Dominik auch noch 25 Stunden bei einem Sozialunternehmen beschäftigt. War? Naja, laut Kündigung ist er eigentlich noch bis 30.4.2017 beschäftigt.

Grund für die Kündigung laut Geschäftsführung ist, dass Dominik nicht in der Lage ist, das Datum der Gesundschreibung zu nennen. Nur zu gerne würde dieser sagen können, er ist in einer Woche oder in einem Monat wieder gesund. Aber leider kann weder Dominik, noch die behandelnde Fachärztin noch sonst einer hellsehen.

Nein! Das ist kein Scherz! So geht ein Sozialer Betrieb mit ihren Angestellten um! Ausgebeutet – kaputt gemacht – weggeschmissen!

Bei knallharten wirtschaftlich orientierten Betrieben würde ich ja so eine Reaktion erwarten (was nicht gleichbedeutend ist, dass auch das nicht in Ordnung ist), aber bei einem Sozialunternehmen? Tagtäglich haben diese durch die Betreuung der Klienten mit psychischen Krankheiten zu tun. Eigentlich müsste man annehmen, Sozialpädagogen und Sozialarbeiter wissen womit sie es bei Burnout und Depression zu tun haben.

Dominik war in diesem Betrieb EDV Betreuer. Hatte 25 Wochenstunden für die Betreuung von zirka 400 Mitarbeiter. Trotz der geringen Wochenstunden sollte er auch noch einen Lehrling ausbilden und immer wieder kamen neue Aufgaben hinzu. Recht machen konnte er es der Geschäftsführung selten. Bei der letzten Mittarbeiterversammlung wurde noch von der Geschäftsführung betont, dass die EDV verbesserungswürdig sei – dass man aber in 25 Stunden keine Zaubereien vollbringen kann und dafür vielleicht eine Aufstockung des Teams nötig sei – kam nicht in Frage! Dominik war in seiner Arbeit immer ein Perfektionist und viel zu bedacht darauf, es allen Recht zu machen. Gerade der Geschäftsführer, der jetzt die Kündigung geschrieben hatte, kostete Dominiks Gutmütigkeit liebend gerne aus. Telefonate mit ihm und Fernwartungen außerhalb der Dienstzeiten und auch ohne Rücksicht auf Urlaube standen an der Tagesordnung. Ich bekrittelte schon immer die Gutmütigkeit und das Pflichtbewusstsein meines Mannes, der jedoch konnte nicht aus seiner Haut heraus. Ich kann mich ehrlich gesagt an keinen Urlaub erinnern, seit Dominik in diesem Unternehmen beschäftigt war, in dem er nicht zumindest einmal am Computer saß oder zig mal telefonierte. Aber anscheinend wird sozialpädagogische Arbeit nur außerhalb des Gebäudes betrieben.

Ich bin sauer, traurig und enttäuscht, abgesehen davon liegt es jetzt wieder an mir, meinen Mann aufzubauen und ihm wieder Zukunftsperspektiven zu geben. Ein unglaublich „leichter“ Job: „sobald du wieder gesund bist, kannst du dich arbeitslos melden“. Abgesehen davon, dass ein Wiedereinstieg ins Berufsleben nie einfach ist, darfst du dich dann noch einhundertmal vorstellen gehen und dich auf vollkommen neue Arbeitssituationen einstellen……ich glaub, an meiner „positiven“ Formulierung sollte ich vorher noch arbeiten. Ach ja, seine Firma hat angeboten, dass Dominik sich nach seiner Genesung wieder melden kann: „Selbstverständlich halten wir unser Gesprächsangebot auch in Zukunft für Dominik aufrecht“. Also mal ehrlich, würde das jemand von euch in Anspruch nehmen?

 

Liebe Wirtschaft, liebe Unternehmen!

Es geht immer nur um Geld und Wachstum! Vielleicht solltet ihr darüber nachdenken, Präventivarbeit zu leisten, eure Mitarbeiter nicht schamlos ausnutzen, nur um den Profit zu steigern. Es ist mir schon bewusst, dass ein Krankenstand über einen langen Zeitraum, einer Firma sehr viel Geld kostet, doch auch die Unternehmen bekommen von den Krankenkassen finanzielle Unterstützung. Trotzdem macht euch bewusst, dass Burnout und Depression immer die selben Auslöser haben: STRESS und DRUCK und SINNLOSIGKEIT!

 

Hier noch ein sehr interessanter Beitrag zu diesem Thema:

Stress am Arbeitsplatz – Was wirklich dahinter steckt!

Maria

Es gibt wirklich Wege da heraus – Gerhard Huber

Letztes Mal habe ich über unser Treffen mit Gerhard Huber berichtet. Nach wie vor stehen wir Miteinander in Kontakt und dieser Mensch, gibt Dominik immer wieder die Kraft weiterzumachen und nicht aufzugeben. Wir, da schließe ich mich gar nicht aus, werden nie richtig verstehen, was in einem Menschen mit diesen enormen psychischen Belastungen vorgeht. Obwohl ich leider auch schon, durch das Erlebte bei der Geburt, in psychologischer Behandlung war, kann ich mich nicht in Dominik hineinversetzen. Mein Problem war irgendwie greifbarer. Es ist etwas schlimmes passiert – das löste etwas in mir aus. Bei Dominik ist es nicht so einfach. Es ist nicht nur ein Problem, dass ihn zusammenbrechen ließ. Es ist wie ein Topf voller Knödel. Langsam aber sicher wird in der Psychotherapie jeder Knödel geöffnet und irgendwie scheint es gerade, als ob seine Knödel-Potpourri immer vielfältiger wird.

Ich denke, dass nur Menschen, die wissen wovon sie reden, weil sie ähnliches erlebten und durchmachen mussten, wissen wie es den Betroffenen selbst geht. Diese Menschen werden dann zu einer Art Kraftquelle, aus der man Mut schöpfen kann. Gerhard Huber ist so eine Kraftquelle von Dominik, denn dieser Mensch hat den Weg aus dem Burnout und der Depression geschafft!

Es war uns ein Anliegen, euch diesen bewundernswerten Menschen vorzustellen. „Es gibt Wege da heraus, es gibt wirklich Wege da heraus.“ Mit diesen Worten macht Gerhard Huber Dominik Mut weiterzukämpfen und auch ich brauche ab und zu ein paar Worte des Mutes um an seiner Seite, den oft schwierigen Weg zu gehen – aber dieser Weg, ist der Weg da heraus!

Maria

 

Es gibt wirklich Wege da heraus!

 

Mein Name ist Gerhard Huber und ich bin ein ehem. Betroffener

von Burnout und Depressionen, war . . .

 

…… u.a. auch 5 Monate in Krankenhaus und Klinik und habe auch eine ganz lange Zeit jede Menge an Medikamente  bekommen. Heute bin ich wieder zurück im Leben, da herausgekommen, gesund, von den Medikamenten wieder weg und bin im Zuge meines Burnouts auch aus der Bank ausgestiegen, um mich ganz dem Thema rund um Burnout, Depressionen, Angstzustände und Panikattacken und allem, was nur irgendwie darauf Einfluß nehmen kann, und vorallem auch wie man gesund werden und wie es verhindert werden kann, widmen zu können. Ich habe in diesem Blog nun die große Ehre erhalten, von meinen Erfahrungen berichten zu können. Liebe Maria, lieber Dominik, vielen herzlichen Dank für diese Möglichkeit.

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Von meiner Seite zu Burnout und Depressionen:

 

  • Burnout gibt es tatsächlich! Burnout ist KEINE Modekrankheit und KEINE Modeerscheinung! Auch wenn Burnout im ICD-10 noch nicht als eigenes Krankheitsbild definiert ist, heißt das nicht, dass es weltweit nicht diese Millionen und Abermillionen Menschen gibt, die es förmlich in der Luft zerreißt!
  • Unter Burnout und unter Depressionen in seiner schlimmsten Form zu leiden bedeutet körperlich, geistig, seelisch und emotional tot zu sein. Es bedeutet eine absolute Gratwanderung zwischen Sein und Nichtsein, eine Gratwanderung so oft und immer öfter zwischen Leben und Tod!
  • Burnout ist aber nicht nur für die Betroffenen eine Gratwanderung, sondern auch eine für die Familie, die Frau, die Kinder, weil niemand annehmen darf, wenn jemand in der Familie die Diagnose Burnout und/oder Depressionen erhält, dass der Rest der Familie gleich weitermachen und seine geforderten Leistungen im Alltagsleben, im Berufsleben, in der Schule wie bisher erbringen kann, das geht gar nicht.

 

Die wichtige und gute Botschaft bereits schon hier, auch wenn man es vielleicht noch nicht erkennen und noch nicht glauben kann (auch ich habe diese Phase gehabt):

 

Freilich, es gibt diese Phasen der Perspektivenlosigkeit, in denen vielleicht auch alles über einem zusammenbrechen mag, in denen man auch glaubt, dass alles keinen Sinn mehr hat und dass man am liebsten aufgeben möchte, aber es gibt Wege da heraus, es gibt wirklich Wege da heraus.

Es gibt Wege zurück zu Gesundheit, zurück ins Leben, es gibt Wege, dass es einem wieder besser geht, unabhängig davon, wie schlimm und arg die Krankheit, die Situation, zur Zeit auch immer sein mag, es geht, es geht wirklich. Klar, es braucht seine Zeit, gar keine Frage, es geht auch nicht von heute auf morgen, es war bei mir so und ist auch bei jedem anderen so, aber es ist machbar und es ist schaffbar, für alle. Jeder, absolut jeder, der nicht aufgegeben hat, der versucht hat, dranzubleiben, ist dafür noch immer reich belohnt worden.

Aus diesen Gründen möchte ich daher auch jeden einzelnen nochmals von ganzem Herzen bitten, nicht aufzugeben, versuchen im Rahmen „des zur Zeit möglichen“ dranzubleiben – und wenn einmal oder öfters wie gesagt auch nichts möglich sein sollte, egal – es zahlt sich aus, es zahlt sich wirklich aus.

In diesem Sinne schicke ich euch viel Kraft und Energie. Alles Liebe und alles Gute.

 

Gerhard

 

Gerhard Huber – ein interessantes Gespräch

Papa´s Psyche hat Schnupfen – nein Grippe

Warum ist Papa jetzt so komisch? Warum lacht Papa nicht mehr? Warum kann Papa nicht mehr mit uns weggehen?

 

Wenn ein Elternteil an einer psychischen Krankheit erkrankt, ist der gesunde Teil unglaublich gefordert, den Kindern alle offenen Fragen zu beantworten. Die größte Herausforderung ist für mich, etwas zu erklären, dass man eigentlich weder verstehen noch nachvollziehen kann.

Bei Dominik sind mittlerweile viele Körperliche Symptome dazugekommen, die vor den Kindern nicht verborgen werden können. Aber auch seine Ängste und seine Isolation machen vor den Kindern nicht Halt.

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Früher gab es immer einen Grund zu Lachen!

Dominik war immer ein sehr Kind gebliebener Vater, dem nichts zu blöd war, der mit den Kindern jeden Blödsinn machte. Die Kinder haben anfangs vor allem die Veränderung, dass der Papa nicht mehr so lustig ist bemerkt. „Papa geht´s nicht so gut, er braucht jetzt ein bisschen Ruhe!“ war meistens meine Antwort. Je mehr Veränderungen aber sichtbar wurden und je länger dies jetzt andauert umso mehr Fragen tauchten auf. Seit Weihnachten tauchten dann auch noch Körperliche Symptome auf, die anfangs nur bei Arbeitsspezifischen Sachen kamen, oder bei enormer Belastung, mittlerweile aber den Alltag prägen. Dominiks Körper zuckt und sobald eine Kleinigkeit eintritt, die nicht vorhersehbar ist, werden diese Zuckungen zu Krämpfen. Die Hände verkrampfen sich unkontrolliert, der Kopf sieht aus, als wären die Schultern bei den Ohren angewachsen und durch die unkontrollierten Zuckungen, fällt es ihm oft schwer ein Wasserglas zu seinem Platz zu bringen.  Lärm hält er kaum aus, dieser Verstärkt auch diese Zuckungen – für die Kinder aber nicht einfach, denn Kinder brauchen Platz zum Spielen, toben und laut sein!

Auch der Wechsel zwischen guten und schlechten Tagen, fiel den Kindern schwer. „Warum geht es Papa heute besser?“ „Warum geht es Papa heute so schlecht? Haben wir etwas getan? Waren wir zu laut?“ Diese Fragen kamen immer häufiger und ich denke, jede Mutter kann nachvollziehen, dass einem solche Fragen fast das Herz brechen, wenn man bemerkt, dass die Kinder das Gefühl haben, sie seien dafür verantwortlich, ob es Papa gut oder schlecht geht.


Von Anfang an versuchte ich mittel positiver Energie, die Kinder resilient zu machen um durch diese Krise zu wachsen und nicht zu zerbrechen. Ich habe mittels Kinderbücher wie zum Beispiel Ein Rucksack voller Glück: Ein Bilderbuch zum Thema: Glücklich sein – Mit 5 Glückspostkarten in jedem Buch! versucht sie zu stärken. Ihre Gefühle zu erkennen und ein Werkzeug zu entwickeln, wie man positiv denken kann. Dieses Buch beschreibt ganz gut, wie man seinen „Glücksrucksack“ wieder auffüllen und leichter machen kann, wenn er durch Sorgen zu schwer wird. Wir schreiben auch fast jeden Tag in ein Familien-Glückstagebuch ein. Dort werden nur „schöne“ Sachen eingeschrieben, die man den Tag über erlebte. Wir machen dies abends, damit die Kinder vor dem Schlafengehen, die schönen Erlebnisse und Gedanken im Kopf haben und nicht voller Sorgen und Ängste ins Bett gehen müssen.

Ich merkte aber durch die vielen Fragen, dass dies alleine nicht mehr ausreicht. Ich bin der Meinung, dass Menschen, nicht nur Kinder, vor dem Angst haben, dass sie nicht verstehen. Also suchte ich nach einer Möglichkeit, wie ich den Kindern Depression und Burnout erklären kann.

Nachdem ich liebend gerne mit Kinderbüchern, schwierige Themen aufgreife, suchte ich also nach einem Buch das psychische Krankheiten kindgerecht erklärt.  Ich empfinde Kinderbücher immer als unkomplizierte Lösung, die das Erklären leichter machen. Den Kindern fällt es leichter eine Geschichte zu lesen, wie über die eigenen Sorgen und Ängste sprechen zu müssen.


Annikas andere Welt – Das Bilder-Erzählbuch für Kinder psychisch kranker Eltern: „Annikas andere Welt“ in großen Bildern mit kurzen Erzähltexten und Mit-Mach-Seiten (SOWAS!) erzählt von einem Mädchen, deren Mutter depressiv ist. Es erklärt die guten und schlechten Tage mit „Hamster-Tagen“ und „Schildkröten-Tagen“.

An „Hamster-Tagen“ scheint ihre Mutter voller Energie zu sein, möchte alles gleichzeitig anpacken, aber bekommt meistens nichts geregelt – wie ein Hamster der im Laufrad läuft. Er läuft zwar den ganzen Tag, kommt aber nie ans Ziel. An „Schildkröten-Tagen“ verkriecht sich ihre Mutter in ihren Panzer und traut sich nicht herauszukommen. Unser Alltag ist von diesen „Schildkröten-Tagen“ geprägt.

Die Psyche wird auch wunderbar kindgerecht erklärt:

„Psychisch, was ist das?“ möchte Annika von Mario wissen. „Ach das ist ganz einfach“, lacht Mario und zwickt Annika dabei in den Arm. „Autsch!“ motzt Annika empört. „Siehst du?“, grinst Mario, „dein Arm ist ein Teil von deinem Körper. Den kannst du sehen und spüren, und dein Arm wird sogar rot, wenn ich dich zwicke.“ Annika guckt auf ihren Arm. „Aber was du jetzt über mich denkst, das kann ich nicht wissen. Genau dieser unsichtbare Teil von dir ist deine Psyche.“ „Wenn deine Psyche krank ist, kommen viele Gedanken und Gefühle durcheinander und alles ist kreuz und quer.“

Als meine Kinder das hörten, zwickten sie sich als erstes beide Mal in den Arm, und stellten fest, dass man das wirklich sehen kann. Wenn einem jemand in die Psyche „zwickt“, beleidigt, etwas sagt, dass einem weh tut, oder so, kann man das nicht sehen, aber es kommt ein „blödes“ Gefühl. Ich erklärte ihnen, dass jeder Mensch diese „blöden Gefühle“ aushalten kann, aber manchmal kommt ein so großes „blödes“ Gefühl, dass alles durcheinanderkommt. Ich hatte das Gefühl, sie verstehen, was ich meine. Wenn man aber dieses „blöde“ Gefühl nicht mehr alleine wegbekommt, braucht man Hilfe. Papa hat leider zu lange versucht, diese „blöden“ Gefühle wegzubekommen, und alleine nicht geschafft. Und jetzt ist es wie bei einem Schnupfen der eine Grippe wird. Manchmal geht ein Schnupfen ganz von selber wieder weg, manchmal fängt es aber mit einem Schnupfen an, dann kommt Fieber dazu und dann braucht man einen Arzt und Medikamente um die entstände Grippe wieder zu heilen.

Ich hatte das Gefühl die Kinder verstanden plötzlich, dass es eine Krankheit ist. Ich erklärte ihnen auch, dass keiner etwas dafürkann, wenn aus einem Schnupfen eine Grippe wird und dass es bei einer Psychischen Krankheit nicht anders ist. Ob sie „brav“ sind oder „laut“ sind, hängt nicht damit zusammen ob Papa krank oder Gesund ist. Wir können diese Krankheit von Papa nicht heilen, genauso wenig wie wir eine Grippe wegzaubern können. Jede Krankheit braucht Zeit, damit sie der eigene Körper bekämpfen kann und helfen kann einem dabei der Doktor. Wir als Familie, können nur geduldig sein, verständnisvoll sein und abwarten, bis es Papa wieder bessergeht.

 

„Also hat Papas Psyche Schnupfen!“ meinte Richard. „Nein Papas Psyche hat Grippe!“ erklärte ihm Beatrice.

 

Maria

Benefizveranstaltung im stan´s

plakatDie Geschichte unserer Vergangenheit, sowie die aktuelle Situation erreichte bis jetzt schon viele Menschen. Auch ein alter Freund hat sich bei uns gemeldet, nachdem er über diese Homepage unsere aktuelle Situation erfahren hat und sofort angeboten eine Benefizveranstaltung zu machen!

HIER NOCHMAL EIN GANZ OFFIZIELLES DANKESCHÖN AN DICH WOLFGANG!

Wir freuen uns, wenn ihr euch am 18. Februar ab 18:00 Uhr Zeit nehmt, einen Punsch mit uns trinkt, oder/und Bratwürstel esst und uns somit bei unserem Projekt unterstützt. Kommt vorbei und nehmt gerne auch Freunde mit, damit die Benefizveranstaltung ein Erfolg wird!1466144_217925398380189_355738232_n

Wir freuen uns auf euch!

Team blowball

 

Die menschliche Psyche – ein Phänomen

Die menschliche Psyche – ein Phänomen ….. ein Tag, ein Auslöser und ein Mensch ist nicht mehr wieder zuerkennen.

Seither stelle ich mir öfter Fragen, wenn ich schmerzhaften zusehen muss, wie mein Bruder mit dem größten Gegner, den er je hatte kämpft – sich selbst!
Waren Anzeichen seiner Überforderung schon damals erkennbar?
Wenn ich so darüber nachdenke, ja!
Dominik war schon lange nicht mehr der Alte. Das erste Anzeichen seines Wandels fällt mir erst im Nachhinein auf,  als er nicht mehr der alte kindisch gebliebene Erwachsene war dessen größte Freude es war auch noch mit 28 Jahren T- Shirts mit Aufdrucken wie dem faulen Willi, den kleinen Maulwurf, den Barbabas,etc. zu tragen. Dessen Wunschzettel für Weihnachten immer dem eines acht jährigen Buben entsprachen, der mit ferngesteuerten Booten, Hubschraubern, Autos, Drohnen oder anderen Spielzeugen, die ihm ein Lächeln ins Gesicht zauberten, vollgepackt waren.
Egal, ob im Garten, beim Baden am See, im Pool, egal, in welcher Situation Dominik war nicht verlegen irgendetwas anzustellen.
Doch eines Tages wich die kindliche Facette vollständig aus seinem Leben. Das faule Willi T-Shirt musste schwarzen oder violetten Polos weichen. Sein Fuhrpark aus dutzenden Fahrzeugen jeglicher Art verschwanden völlig aus seinem Sinn und wurden unter der Laube, in einem Eck abgestellt, wo sie vor sich hinvegetierten und keines Blickes gewürdigt wurden.

Hatte er schon die ganze Zeit solch ein Ausmaß der Gefühlslosigkeit?

Nein, seit diesem Tag lachte er zwar nicht mehr wie früher und war tod ernst, aber er konnte wenigstens noch Gefühle wie Hass, Trauer, Liebe und Eifersucht zeigen.
Es gab sogar Momente, wo es nach außen schien, als würde er all seine Sorgen fallen lassen können und einfach den Moment genoss und vom Herzen lachen konnte.
Das beste Beispiel war unser gemeinsamer Urlaub auf Kreta, in einer winzigen Ortschaft namens Lentas.
Wir entschieden uns nach kurzem durchstöbern des Reiseführers für einen idyllischen Badestrand, wo ein Süßwasserfluss den Strand teilte und in das Meer  floss.  Um diesen wirklich wunderbaren Fleck erreichen zu können, war im Reiseführer die Rede, von einem 10-15 minütigen Abstieg – auch festes Schuhwerk wurde empfohlen. Wir Peltiers unterliegen ja in dem alten Irrglauben, mit Flip Flops jegliches Terrier egal wie steil, steinig, … bezwingen zu können.
Na gut – gesagt getan! Wir begaben uns bei 35 Grad Celsius auf den Weg bergab. Nach guten fünf Minuten gab einer meiner 5€ „qualitäts“ Flip Flops vom Supermarkt, den heißen Temperaturen und dem starken Gefälle nach und ich stand mit nur mehr einem Flip Flop da. Der Abstieg entpuppte sich als wahrer „Lauf über heiße Kohlen“, denn der Weg war voll von spitzen Steinen welche sich in der prallen Sonne unglaublich erhitzten. Unten angekommen blieb ich nicht vom Spott meines Bruders verschont, auch die zahlreichen Brandblasen trugen zu seinem Vergnügen bei. Nun stellte sich das Problem, wie wir den Heimweg bestreiten sollten. Die Lösung war einfach und genial. Ich bekam für den Anstieg zum Auto, die Flip Flops von meiner Schwägerin Maria.
Maria, Eva, Beatrice und Richard fuhren mit einem Touristenboot in die nächste Ortschaft, wo Dominik und ich sie dann mit dem Auto wieder abholten.
Der Weg zum Auto und die Fahrt in den nächsten Hafen, wo wir dann den Rest der Familie abholten, waren auch unbeschreiblich tolle Minuten vollgepackt mit Lachkrämpfen und Blödeleien . Ich hatte Dominik schon lange nicht mehr so lachen gesehen, wie an diesem Tag.

Der Supergau – vor etwa einem halben Jahr.

Für mich war es trotzdem unbegreiflich wie entscheidend die menschliche Psyche ist – mit ihr steht oder fällt ein Mensch!
Auch wenn Dominik in den letzten Jahren nicht mehr so viel lachte und sich eine Arbeit nach der anderen auf seinen Lastenberg schaufelte, führte er doch ein „normales Leben“, mit keinen Anzeichen einer Depression, Traumatisierung oder einem Burnout.
Andererseits war es nur eine Frage der Zeit, bis sein Körper nachgibt. Es ist unglaublich, wie stark Dominik ist und wie lange er diesen Lasten standgehalten hat, die auf seinen Schultern lagen. Ich denke, ich wäre daran in kürzester Zeit zerbrochen.
Neben einer normalen Anstellung, baute er noch seine eigene Firma zu einem lukrativen Nebenverdienst auf, wo er täglich bis spät in die Nacht arbeitete, verbrachte Zeit mit seinen Kindern,  half zuhause im Haushalt mit, kümmerte sich um die Instandhaltung des Eigenheims, setzte sich in der Gemeindepolitik ein und setzte sich zudem noch mit vollem Einsatz für die Flüchtlingsbetreuung ein.

Wie er das so lange unter einen Hut brachte ist mir bis jetzt ein Rätsel. Dies zeigt mir nur wieder, was für ein starker Mensch Dominik ist!

Diagnose: Depression, Posttraumatische Belastungsstörung & Burnout

Ich kann mich noch an das Telefonat erinnern, als Dominik mir am Telefon erzählte: „Mich hat es auch erwischt, Bötzi ich bin Krank! Ich gehöre auch zu ihnen!“

Alleine von der Gefühllosigkeit der Stimme erkannte ich meinen Bruder nicht wieder.
Mir kam es so vor, als hätte es mit erfahren der Diagnose, in seinem Kopf einen Schalter umgelegt und der Berg an Lasten brach über ihn ein und machte aus dem starken Mann, einen kleinen verängstigten Jungen.
Er war ab diesen Tag, nach dem Gespräch mit der Psychologin ein vollkommen anderer Mensch. Eine Person ohne jegliche Art von Emotionen, normalen Gedankengänge oder im Stande einen normalen Tagesablauf zu planen und zu bestreiten.
Ja an schlechten Tagen gehen die Auswirkungen soweit, dass sich sein psychischer Zustand sogar auf seine Motorik auswirkt – sodass seine rechte Hand unkontrollierbaren Zuckungen ausgesetzt ist.
Für mich gibt es keinen schlimmeren Anblick, als meinen Bruder so leiden zu sehen.
Selbst in diesem Zustand kämpft er vor anderen und vor allem vor Gästen oder seinen Kindern, seinen innerlichen Stress und seine Qualen zu verbergen. Jedoch seine Finger  zeigen die nackte Wahrheit, wenn er sich beim Servieren eines Wasserglases, voll und ganz konzentrieren muss, um seine Finger ruhig zu

Wie geht es Dominik jetzt?

Wie die Idee geboren wurde, blühte Dominik wieder vollkommen auf. Es war unglaublich schön zu beobachten, wie der Mensch, der zuerst nur aus einer Hülle bestand und der Alltag einfach bei ihm vorbei zog, aufgrund einer neuen Zielsetzung wieder Lust am Leben bekam.  Lust am Leben ist vielleicht im derzeitigen Zeitpunkt noch ein starker Begriff, aber in seinem Gesicht flackerten zumindest kurze emotionale Ausdrücke auf – wie ein kurzes Schmunzeln oder ein kurzes aber intensives Strahlen in seiner Augen.
Es war unglaublich, was Dominik und auch Maria, alles in kürzester  Zeit, bezüglich des Projektes – einen amerikanischen Schulbus, nach Österreich bringen und zum Wohnmobil umzubauen, in Erfahrung brachten. Bis ins kleinste Detail, von Unterstellplatz, Routen für den „Her-Transport“ wurde alles überlegt, da man mit der Überlänge des Busses nicht um jede Kurve kommen würde, etc.

Bis ein Verein angemeldet ist, müssen eine Vielzahl von bürokratischen Hürden aus der Welt geschafft werden.
Zurzeit hat Dominik wieder einen kleinen Rückschritt, denn seiner Meinung steht das Projekt gerade völlig still. Es scheint für ihn, als würde es keinen Schritt voran gehen. Wobei sich in Hinblick auf die letzten zwei Monate einiges, wenn nicht sogar enorm viel, bewegt oder getan hat. Angefangen von der Vereinsgründung, Homepage, Video, Blogs, Charity Veranstaltung, Reichweite bis nach Deutschland zu bekannten Gesichtern ,….

Aber ich denke, da jetzt im Grunde alle Erledigungen bezüglich des Vereins erledigt sind, sollte bald die Überstellung des Busses in die Startposition gehen und vielleicht ist es für ihn, für den Fortschritt anschaulicher, wenn sich 13 Tonnen auf 12 Meter verteilt auf die Reise von Amerika nach Österreich begeben.

Aber er gibt trotzdem nicht auf und das zeigt mir wieder wie stark dieser Mensch ist – und das ist auch der Grund warum ich so stolz auf ihn bin.

Also bitte helft uns und unterstütz unser Projekt, egal mit welchen Mitteln, damit Dominik endlich seinen heißgeliebten Bus bekommt.

Philipp

Gerhard Huber – ein interessantes Gespräch

Wenn man sich über Burnout informiert, stolpert man immer wieder über diesen Namen – Gerhard Huber. Dieser war selbst jahrelang Betroffener von Burnout und Depressionen und hat sich heute der Aufklärung und dem Berichten seiner Erfahrungen verschrieben, in Vorträgen, Coachings und natürlich auch als Autor von 3 Büchern.

 

Ab dem Zeitpunkt wo wir das erste Mal von Gerhard Huber gelesen haben, wollte Dominik diesen kennen lernen, beziehungsweise ein Gespräch mit ihm führen. Also versuchten wir unser Glück und verfassten eine E-Mail. Wir berichteten über unsere Geschichte und über project-blowball und Gerhard Huber meldete sich zurück, fand unser Erlebtes sowie Dominiks Weg aus dem Burnout sehr interessant und schlug ein Treffen vor.

 

Nach kurzer Terminfindung fuhren wir nach Kärnten um einen Erfahrungsaustausch mit Gerhard Huber zu machen. Es folgte ein 3 stündiges Gespräch. Er hinterfragte meinen Weg aus der PBTS sowie den derzeitigen IST-Zustand von Dominik, wie es so weit gekommen ist und wie weit fortgeschritten project-blowball ist. Er erzählte von seinem Burnout und seinem Weg aus dem Burnout. Vom Krankenhausaufenthalt bis zur Suche von Alternativen und der steinige Weg aus der Krankheit.

Gerhard Huber ist ein Pionier, hält Vorträge und bietet Coaching im Wirtschaftsbereich an. Dominik tat es sehr gut, einmal mit jemanden zu sprechen, der versteht, wovon er spricht, der seine Ängste nachvollziehen kann und vor allem, der es mit viel Kraft aus der Krankheit geschafft hat.

Gerhard Huber hat uns mit seinem Gespräch sehr viel Kraft gegeben. Es gab uns ein Stück Sicherheit, dass wir mit project-blowball am richtigen Weg sind. Auch Dominik wird wie Gerhard Huber seinen Weg gehen, die Krankheit hinter sich lassen und nach vorne marschieren, aber auch Gerhard Huber hat wieder bestätigt, dass es viel Zeit und Kraft braucht. Das Burnout kam nicht von heute auf morgen und es wird auch nicht von heute auf morgen wieder verschwinden, leider.

Also machen wir motiviert weiter. Im Pilgerschritt (2 Schritte vor – ein Schritt zurück) und dabei aufklären, berichten und informieren!

Burnout und Depressionen sind zur Volkskrankheit geworden und trotzdem redet keiner darüber! So viele Menschen leiden unter psychischen Krankheiten. Daher müssen sich Menschen zusammentun, die für das gleiche kämpfen und das schweigen brechen!

 

Mehr zu Gerhard Huber:

www.burnout-depression-fluch-oder-segen.at

Maria

 

Weihnachten – die Herausforderung

Weihnachten – Das Fest der Liebe und der Familie – normalerweise ist der übliche „Weihnachtswahnsinn“ zwar anstrengend, aber auch schön, die ganze Familie zu sehen, das leuchten in den Augen der Kinder zu entdecken und den Zauber vom Christkind zu spüren.

Heuer war Weihnachten eine Herausforderung durch und durch! Seit der letzten Therapie ist Dominik sehr aufgewühlt. Er ist unruhig, „sein Rad dreht sich permanent“, wie er so schön immer sagt. Die „schlechten Tage“ überwiegen. Menschen sind ein riesengroßes Problem und man hat das Gefühl, er kommt nie zur Ruhe. In diesem Rad der Gedanken, Ängste und der Selbstisolation, das besinnliche Weihnachten zu finden und den Kindern ein wunderschönes Weihnachtsfest zu schenken – es bleibt an mir. Dominik hatte große Mühe für die Kinder „normal“ zu wirken.

24.12.2016 – Schon seit Wochen übt unsere Jungschar für das Krippenspiel für die Kindermesse. Unsere Große hatte die tragende Rolle eines Schafes. Sie freute sich darauf, war stolz, Teil davon zu sein. Nachdem die Kindermette aber immer gut besucht wird, die Kirche ist voll, musste Dominik zu Hause bleiben. Zu groß war die Angst vor der Menschenmasse. Die Angst davor, dass er danach den Heiligen Abend mit der Familie nicht mehr klar verbringen könnte. Die Enttäuschung war unserer Großen anzusehen, dass Papa nicht ihr Krippenspiel ansehen konnte. Am Weg zur Mette versuchte ich alles in meiner Macht Stehende, ihr die Enttäuschung zu nehmen. Sie war verständnisvoll, aber trotzdem enttäuscht. Ich versprach ihr, Papa alles im Detail zu erzählen und dass ihr Bruder und ich dafür doppelt laut applaudieren werden. Das Krippenspiel war toll und die ganze Kindermette war wunderschön und sehr weihnachtlich gestaltet, ein Hauch von Weihnachtsstimmung, die wir drei aufnehmen konnten.

Nach der Mette wurden wir auf Punsch eingeladen, aber auch das mussten ich zur Enttäuschung der Kinder ablehnen. Dominik wartete ja zu Hause auf uns. Als wir heimkamen, leuchteten endlich die Kinderaugen. Dominik hatte in der Zwischenzeit eine Lichterkette auf der Terrasse aufgehengt und eingeschaltet. Für unseren Sohn der eindeutige Beweis, dass das Christkind schon da war. Nachdem wir heuer nur zu viert Weihnachten feierten, da mein Vater krank wurde, war alles ruhig, fast ein bisschen zu ruhig für meinen Geschmack.

25.12.2016 – Dominik war schon seit der dem Aufstehen durch den Wind, ein richtig mieser Tag. Gerade heute, wo seine Familie eingeladen war. Die Vorbereitungen für das Weihnachtsessen beanspruchte mich, die Kinder waren vor lauter Vorfreude kaum zu zähmen. Zwischen 16:00 und 17:00 Uhr sollten seine Mama und Oma, sowie sein Bruder und dessen Freundin kommen. Dominik wurde immer angespannter und es ging ihm immer schlechter. Seine Oma und seine Mutter kamen als erstes. Dominik ging es immer schlechter und ich hatte das Gefühl, irgendetwas tun zu müssen, um ihn wieder etwas „runter zu holen“. Unsere Große packte das Cello aus, um Oma und Uroma etwas vorzuspielen. Die Musik machte Dominik ein wenig gelassener. Um die Wartezeit auf Philipp und Eva zu überbrücken, packte ich die Gitarre aus und als Beatrice mit dem Vorspielen fertig war, spielte ich Gitarre und sang mit den Kindern um die beruhigende Wirkung der Musik weiter leben zu lassen. Das funktionierte eigentlich gut, bis Dominiks Mutter und Oma vor Rührung zu heulen begannen. Der beruhige Flow der Musik war zerstört. Junior war völlig verwirrt und verstand die Welt nicht mehr. Es ging einfach nur chaotisch weiter. Zwischendurch schaute ich immer zum Essen, die Kinder aufgeregt und hungrig, endlich kamen Philipp und Eva. Nach der kurzen Weihnachtsfeier, die Bescherung. Die Kinder waren enorm glücklich über die Geschenke. „Jetzt noch das Essen servieren!“, dachte ich. Die Verwandtschaft plauderte gemütlich, Dominik saß daneben, irgendwie überfordert mit der Situation. Immer wieder holten mich die Kinder aus der Küche, brauchten Hilfe, oder wollten spielen. Ich beeilte mich mit dem Weihnachtsmenü und servierte die Suppe und danach die Hauptspeise. Jetzt endlich konnte ich nach dem Tisch abräumen, den Kindern den Wunsch erfüllen, und mit ihnen eines der Gesellschaftsspiele, die das Christkind gebracht hatte, spielen. Die Verwandtschaft unterhielt sich gut, nur Dominik machte mir Sorgen, denn er schien immer abwesender. Aber ich konnte mich nicht zerteilen und in erster Linie, musste ich den Kindern ein schönes Fest bereiten. Dominik musste warten.

Nach dem ersten Gesellschaftsspiel servierte ich die Nachspeise und kurz darauf verabschiedeten sich die Gäste. Wenn ich darüber nachdenke, habe ich glaube ich, keine fünf Sätze mit unseren Gästen gesprochen. Ich fühlte mich ehrlich gesagt etwas überfordert mit der Situation, aber ich habe es geschafft, trotz alle dem, den Kindern ein schönes Weihnachtsfest zu machen.

Am Abend überlegten wir noch lange hin und her, wie der nächste Tag werden sollte. Am 26. ist immer unser Familientreffen und meine Verwandtschaft ist groß, daher beschloss Dominik zu Hause zu bleiben. Es war sozusagen, das kleinere Übel, denn alleine zu Hause zu sein, fällt ihm auch schwer.

Ich musste also wieder den Kindern erklären, warum Papa heuer nicht mitfährt. Sie sind wirklich unglaublich verständnisvoll, aber man merkt, dass es ihnen nicht egal ist.

Auch die ganze Familie fragte mich natürlich, wo Dominik sei. Tanten, Onkeln, Cousins und Cousinen, die ich schon lang nicht mehr sah, waren da und ich versuchte einfach, den Nachmittag zu genießen, obwohl ich sehr angespannt war, da ich nicht wusste, wie meine Familie auf project blowball reagieren würde. Dann geschah aber mein kleines persönliches Weihnachtswunder.

Als erstes sprach mich meine Patentante an, die ihre Hilfe anbot und auch schon Ideen hatte, wie sie uns vielleicht helfen könnte. Sie fragte auch mich, wie es mir in der derzeitigen Situation geht – eine ungewohnte Frage, aber es tat gut.

Auch meine Cousinen und Cousins wollten plötzlich alles wissen. Sie hinterfragten vieles und auch diese überlegten sofort, wie sie uns helfen könnten und sprachen mir viel Mut zu, um weiterzumachen.

Die psychischen Erkrankungen, sind nicht nur Teil von Dominik, sie veränderten das Leben unserer Familie. Gerade Weihnachten konnten wir alle vier spüren, wie weit es Teil von unserem Familienleben ist und wieviel Kraft es kostet, den Kindern ein Stückchen „Normalität“ zu schenken.

Maria

Seltsames Selbst- und Welterleben – PTBS

In unseren letzten Beiträgen konntet ihr viel über diverse psychologische Fachbegriffe lesen. Auch wir wussten vor alle dem nicht genau, um was es dabei geht. Man kennt die Begriffe, wie PTBS, Burnout und wie sie noch alle heißen, aber was das genau für den Betroffenen heißt und wo die Unterschiede der psychischen Erkrankungen liegen, weiß man in der Regel erst, wenn man damit konfrontiert wird, oder betroffen ist.

Anhand von Beiträgen von Experten, möchten wir versuchen, diese Begriffe, die ihr von uns in den Beiträgen immer wieder gelesen habt und lesen werdet, zu erklären.

Bei diesem Beitrag über PTBS – Posttraumatische Belastungsstörung hat uns unsere Psychologin unterstützt, diese psychische Erkrankung besser zu veranschaulichen und verständlich zu machen.

Maria

Seltsames Selbst- und Welterleben – PTBS = ‚Posttraumatische Belastungsstörung‘

Eine Posttraumatische Belastungsstörung kann als eine verzögerte, psychische Reaktion auf ein extrem belastendes Ereignis, resp. einer Situation mit extrem belastenden Ereignissen verstanden werden. Dabei erlebt der Mensch eine außergewöhnlich starke Bedrohung, die mit Gefühlen von Ohnmacht, Angst und „schutzloser Preisgabe“ verbunden ist (vgl. Fischer/Riedesser, 2009).

Je nach personalen und umweltspezifischen Resilienzpotentialen (Bindungs- und Stützangebote, Transparenz und Anerkennung des Ereignisses, u. a.) kann das Erfahrene positiv klärend und stabilisierend in das eigene biografische Erleben integriert werden und der Entwicklung einer ‚Posttraumatischen Belastungsstörung(ICD 10 F 43.1; DSM V) entgegengewirkt werden.

Die akute Belastungsreaktion (ICD 10: F 43.0) zeichnet sich durch Symptome der Verstörung, des Sich-Betäubt-Fühlens, der Unruhe, von Schlafstörungen und einer kurzfristigen Amnesie aus. Diese psychophysiologischen Reaktionen klingen jedoch nach einigen Tagen wieder ab.

Wenn sich jedoch die unter traumatischem Stress entstandenen Symptome intensivieren, ausbreiten und nach vier Wochen keine deutliche Linderung eintritt, kann von einer Posttraumatischen Belastungsreaktion (ICD 10: F 43.1) gesprochen werden (vgl. ICD 10, 2013). Mindestens jedoch muss die posttraumatische Symptomatik innerhalb von sechs Monaten nach dem traumatischen Erlebnis auftreten.

Es gibt zwei Formen der Posttraumatischen Belastungsstörung.

Im Rahmen des ICD 11 wird es die Klassifikation einer Komplexen posttraumatischen Belastungsstörung geben.

Eine ‚Posttraumatische Belastungsstörung‘ zeigt folgende mit dem belastenden Ereignis assoziierten Hauptsymptome (DSM V):

B: Wiedererleben (Intrusion): wiederholt unwillkürlich aufdrängende Erinnerungen an Einzelfragmente des belastenden Ereignisses; ‚Flashbacks‘,

C: Vermeidungsverhalten (Konstriktion): verschiedenste Phobien hinsichtlich externer Reize, emotionale Stumpfheit, Gleichgültigkeit, erhöhte Dissoziationsneigung (somatoform und psychisch),

D: Negative Veränderungen in Kognitionen und Stimmung:

  1. Unfähigkeit, einen wichtigen Aspekt des Traumas zu erinnern,
  2. Persistierende und übertriebene negative Überzeugungen oder Erwartungen über sich selbst andere oder die Welt (z.B. ich bin schlecht, man kann niemanden trauen…),
  3. Persistierende, verzerrte Gedanken über die Ursache oder Konsequenzen des traumatischen Ereignisses, die zu Beschuldigung führen (sich oder andere),
  4. Persistierende negative Gefühlszustände (Angst, Ärger, Wut, Scham, Schuld)
  5. Deutlich vermindertes Interesse oder verminderte Teilnahme an wichtigen Aktivitäten,
  6. Gefühl der Losgelöstheit oder Entfremdung von anderen,
  7. Anhaltende Unfähigkeit, positive Emotionen zu empfinden,

E: Vegetative Übererregung: (Schlafstörung, Reizbarkeit, Konzentrationsstörung, erhöhte Wachsamkeit, Schreckhaftigkeit, u. a.).

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Eine Abklärung beim Facharzt für Psychiatrie, eine psychologische Diagnostik und eine traumaspezifische Psychotherapie (Brainspotting, EMDR, Ego-State-Therapie, Struktursensible Stabilisationsarbeit, u. a.) bereiten den Weg zur ‚Integration des belastenden Ereignisses‘ in die eigene Lebensgeschichte und ein Abklingen der posttraumatischen Belastungssymptome. Stützende und tragfähige Bindungen zu Angehörigen und Bekannten sind eine unerlässliche Heilungskomponente, die die Wiederanknüpfung an die Alltagswirklichkeit der Betreffenden maßgeblich fördert.

Dabei spielt vor allem das Erleben der ‚Selbstwirksamkeit‘ die bedeutendste Rolle ‚Ich kann etwas gegen das vermeintliche Nichts-Tun-Können‘ tun!‘

Die Anknüpfung an die eigenen Ressourcen, Potentiale und Ideen hat ‚wiederbelebenden‘ Charakter und vermittelt wiederum ein ‚In-der-Welt-Sein‘.

Alles dreht sich – alles bewegt sich

In unserem letzten Blogbeitrag haben wir euch vom Projekt erzählt. Wie ihr euch denken könnt, ist schon einiges im Hintergrund geschehen. Alles dreht sich – alles bewegt sich! Heute möchte ich euch auf den neuesten Stand bringen und mich auch gleich bei einigen bedanken, ohne die Dominik das nicht geschafft hätte.

Die Homepage:

Um die Homepage und die grafische Aufarbeitung der Ideen hat sich Eva angenommen. Diese macht gerade eine Lehre zur Medienfachfrau / Mediendesign. Dort kann sie sich auch auf ihre Arbeitskollegen verlassen, die sie immer mit wertvollen Tipps und Hilfe unterstützen. Eva hat es manchmal nicht leicht, da Dominik in seiner Verfassung klogoaum fähig ist, Entscheidungen zu treffen. Aber Eva zeigt immer Geduld – Danke dafür!

Das Logo ist auch durch sie entstanden. Dominik wollte eine Pusteblume, weil diese Wünsche, Träume und neue Wege symbolisiert, so wurde es zum Symbol von project blowball. Ich habe dann zu Hause ein wenig gekritzelt und Eva hat es digital umgesetzt – Teamwork!

 

Der Verein:

Wie schon erwähnt, wird im Hintergrund an einem Verein gearbeitet. Die Statuten dafür habe ich ausgearbeitet, da ich aber unerfahren in diesem Bereich bin, hat uns Holger mit der Formulierung geholfen. Holger arbeitet beim Gründerservice der WKO – Danke! Die Statuen wurden bereits auf der BH eingerichtet.

Der Bus:

Dominik hat einen Bushändler in der USA gefunden, der diese Schulbusse vertreibt. Wir haben schon Kontakt aufgenommen und einen Bus ausgewählt. Dank Dominiks Tante, die Freunde in Amerika hat, wurde über ich kenne wen, der kennt wen, der kennt den Bushändler, der Händler als seriös gewertet. Das war einfach, im Gegensatz zum organisieren des Transportes. Nach einigen Absagen von Speditionen haben wir mittlerweile eine Spedition gefunden, die den Schulbus per Schiff nach Bremerhaven bringt. Eva hat einen Bekannten organisiert, der uns den Bus von Bremerhaven nach Österreich bringt. Zoll und Einfuhrgebühren haben wir auch schon im Vorfeld in Erfahrung bringen können, damit uns dann keine „böse“ Überraschung erwartet. In Puchenau stellt uns Lukas ein Stückchen Land zur Verfügung, denn der 12m Bus sprengt die Kapazität unserer Einfahrt. Beim Biohof Fellinger kann dann der Umbau stattfinden. Jetzt sind wir gerade daran, einen kostengünstigen Weg vom Bushändler in der USA zum Hafen zu finden. Dieser würde zwar auch die Spedition übernehmen, aber das sprengt den finanziellen Rahmen, da der Landweg alleine so viel kostet, wie der Seeweg. Aber auch dafür werden wir eine Lösung finden.

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Foto: Martin Sighart

Die Vlogs

Der erste Vlog zum Roses Revolution Day ist in Arbeit. Danke Philipp, der uns dorthin begleitet hat und gefilmt hat. Aber er hat nicht nur gefilmt, er schneidet und bearbeitet seither, um euch eindrücke via Vlog zu geben. Mein Bruder, Michael, hat für unseren ersten Vlog die musikalische Untermalung gemacht und auch weitere musikalische Unterstützung zugesprochen – Danke! Nächste Woche werden wir den ersten Vlog online stellen.

Die Therapie:

Dominik ist in psychotherapeutischer und neurologischer Behandlung. Fr. Dr. M. wird auch in Beiträgen sich zu Wort melden, um diverse Themen aus psychologischer Sicht zu erklären. Auch Ausschnitte aus der Therapie, wo EMDR angewandt wird, werden wir via Vlog zeigen. Wir werden nicht nur die „tollen“ Sachen veröffentlichen, sondern versuchen euch den steinigen Weg der Therapie, so offen wie möglich, zu veranschaulichen.

Wir wollen sich aber auch bei euch bedanken. Mit so großem Interesse und so lieben Zusprüchen haben wir nicht gerechnet. Viele haben mich auf die Veröffentlichung angesprochen und auch viele Kommentare hier und auf unserer Facebook Seite, zeigen uns, dass wir am richtigen Weg sind, dieses Tabuthema, über welches nicht gesprochen wird, öffentlich zu machen.

Viele sind an uns herangetreten und haben uns über Erfahrung mit Betroffene im engen Bekannten- oder Verwandtenkreis erzählt. Es ist schockierend, dass viel mehr als vermutet, unter psychischen Problemen leiden, es in unserer Gesellschaft noch immer ein Tabuthema ist. Aber warum? Jeden kann es treffen und es gibt keinen Grund sich für diese Krankheit zu schämen!

Maria

Als der Wahnsinn gehen lernte

Seit 23.09.2016 bin ich im Krankenstand. Diagnose: Posttraumatische Belastungsstörung bzw. schwere depressive Episode mit einer Dissoziativen Störung und einer Angststörung, sprich Burnout gemischt mit einem Trauma. Aber wie kam es dazu? Was löst das alles nach 4 Jahren aus? Der Anfang des Ganzen liegt 4 ½ Jahre zurück, ein Tag, der 26.04.2012, der alles veränderte. Dieser Tag war der Geburtstag meines Sohnes Richard. Eine Geburt, die um Haares Breite das Leben meine Frau und meinen Sohn genommen hat.

4 Jahre lang kämpfte meine Frau Maria, einen Weg zurück ins Leben zu finden. Nach außen ließ sie sich jedoch nichts an kennen. Aber jeder Tag war begleitet mit Erinnerungen, Ängsten und „Triggern“. In dieser Zeit war ich für Maria und meine Kinder da. Versuchte Maria immer zu stärken, spürte jede Kleinigkeit, die sie gerade brauchte.

Selbst fernsehen am Abend eine gewagte Sache, denn ihr könnt euch nicht vorstellen, wie oft eine TV-Vorschau von einer Krankenhausserie oder eine Szene von einer Operation kommt und genau diese lösten bei Maria was aus. Ein Zustand, sie schloss die Augen, redete nichts mehr saß einfach nur da, schaute starr danach auf einen Punkt. Dieser Zustand, auch als Dissoziation bekannt, dauerte oft bis am nächsten Tag.

Letztes Jahr begann Maria eine neue Therapie bei Psychotherapeutin Dr. M. Diese half ihr Mittels EMDR, das Erlebte soweit zu verarbeiten, dass Maria mit dem Erlebten lernte, um zu gehen. Maria kam wieder zurück ins „Leben“. Sie beendete heuer im Frühjahr erfolgreich ihre Therapie und wollte einfach wieder das Leben genießen.

Doch da begann es bei mir. Jede kleine Diskussion endet in einem Streit, ich verstand nicht, was auf einmal anders war. Es begann, dass alles was ich Maria versuchte zu sagen, bei ihr anders ankam. Was sie mir sagte und erklärte nahm ich, aus jetziger Sicht, oft falsch auf. Es bildeten sich zwei Welten in meinem Kopf. Die eine Welt, wo durch die entstandenen Verlustängste, eine Geschichte entstand, die nie real war, sich aber damals so anfühlte. Immer mehr verspürte ich, dass ich sie verlieren könnte. Ich unterstellte Maria Sachen, die nie passiert sind oder niemals ihr Plan waren. Ich begann zu klammern. So war ich doch früher nicht!?! In klaren Momenten, verstand ich, was gerade falsch lief – meine zweite Welt in meinem Kopf. Doch das Switchen zwischen meinen Welten, ging oft in Sekunden!

Ich vergrub mich in Arbeit und Ehrenamt. Immer mehr legte ich meine Hobbies zurück, schob die Arbeit vor, habe keine Zeit mehr dafür. Tausend Sachen, die ich alle erledigen will, immer mehr…

Alles änderte sich, es gab immer weniger positive Sachen, konnte nur noch das negative sehen. Selbst wenn Freunde zu Besuch kamen, „schimpfte“ ich nur noch über Gott und die Welt. Maria machte mich des Öfteren aufmerksam, ich soll doch nicht nur schimpfen, aber was sollte ich dann, gab ja nichts Positives. Immer mehr zog ich mich zurück. Brach viele, beinahe alle sozialen Kontakte ab. Wollte keinen mehr sehen. Weiteres kam langsam das Gefühl, die Welt richtete sich gegen mich, alle sind gegen mich und es passieren Sachen hinter meinen Rücken! Ich verstand die Welt nicht mehr.

Maria und ich diskutierten immer wieder und stritten wegen der Situation. Sie sagte, sie kennt mich nicht mehr, ich hätte mich so verändert. Ich? Warum ich? Ich hatte ja eigentlich nur Angst um meine Familie! Würde es allen gerne recht machen, doch alles was ich tat, ging in eine falsche Richtung. Maria versuchte alles, dass es mir wieder besser ging. Sie verzichtete in dieser Zeit auf vieles, was sie damals gebraucht hätte. Nur um mir zu Helfen, aber das konnte ich nicht sehen.

Meine Leistung ging zurück, in meinem Beruf, in meiner Firma, konnte ich immer weniger erledigen, jedoch das Gefühl des Druckes wuchs. Eine permanente Rufbereitschaft, die mich nie störte, belastete mich schlagartig. Ich konnte nicht mehr schlafen, ständig kreisten meine Gedanken. Ich verlor in dieser Zeit ca. 27 kg. Mir fiel es immer schwerer, Entscheidungen zu treffen, selbst Kleinigkeit. Ich verstand auch immer weniger, selbst z.B. TV-Serien begriff ich nicht mehr, musste Maria über den Zusammenhang fragen. Das ging alles soweit, dass ich nichts selbstständig machen konnte, mir musste Maria was anschaffen, dass ich was erledigen konnte. Auch wenn ich alleine das Haus verließ, merkte ich ein Gefühl aus Angst und sonstigem, was ich nicht zuordnen konnte.

21.09.2016 – Der Tag des Zusammenbruches. Maria schickte mir eine per WhatsApp einen Zeitungsartikel, den ich mir lesen sollte, aber als ich den kurzen Artikel gelesen hatte, wusste ich nicht mehr was oben stand, ich begriff ihn nicht mehr. Als ich zu Hause ankam, brach ich zusammen. Konnte keinen Gedanken mehr halten, mein Körper zitterte, Panik und Angst war unvorstellbar groß. Ich dachte, alles geht gerade unter, …

Maria konnte die Situation auch nicht einschätzen, was da gerade passiert. Aber sie setzte mir „das Messer“ an. Entweder sie bringt mich jetzt in ein Krankenhaus oder ich suche selbst Hilfe auf. Krankenhaus löste noch mehr angst bei mir aus, so rief ich Dr. M. an, Die Psychotherapeutin, die Maria half.

Verzweifelt versuchte ich, ihr die Situation zu erklären. Dass ich nicht mehr weiter kann, dass ich nicht mehr kann, …

Dr. M. traf sich gleich am nächsten Tag mit mir, sie versuchte mir zu erklären, was da alles abging bei mir. Jedoch ich konnte es nicht verstehen. Alles war ganz klar, was war klar??? Nichts war klar!!!

Ab diesem Tag hat sich vieles verändert. Meine Ängste und Verlustängste sind noch größer, eine Gedankenspirale dreht sich rund um die Uhr, wie ich da raus komme, aber ich sehe keinen Weg. Auf meinen Beruf bezogene Sachen sind auf einmal nicht mehr in meinem Kopf, sind weg. Sachen von davor, fehlen mir die Erinnerungen, Bilder der Geburt, Szenen in meinem Kopf, schreckliche Erinnerungen sind plötzlich rund um die Uhr da. Verzweiflung. Bekomme Angstzustände, sobald ich mein Haus verlasse, Kontakt mit Menschen, Horror, selbst mit der eigenen Verwandtschaft. Kann mir nichts mehr merken, der ganze Körper angespannt, zittert, vergesse während einem Satz, was ich sagen wollte, oder wenn ich spreche, kommt ein Pause, wo nichts kommt, das Gefühl, mein Hirn bringt es nicht zum Mund. Kann nicht an eine Sache denken, selbst Kleinigkeit zu lesen, geht gerade nicht. Nach den ersten Sätzen ist es vorbei. Positive Sprüche, die mir Maria per WhatsApp schickt, verstehe ich Großteils nicht oder brauche eine Weile, muss sie mehrmals lesen, bis ich diese begreife. …. Alles was mit einer Arbeit zu tun hat, stellt es mich ab. Kann keine Mails mehr schreiben, nicht telefonieren, usw.  … Mir fehlen auf einmal emotionale Gefühle, wie Freude, Glück, Spaß, usw., kann nicht mehr lachen, nur noch Angst. Habe das Gefühl, ich bin eine leere Hülle.

Im Auftrag von Dr. M erstellt mir Maria einfache Tagesstrukturen, die ich erledigen sollte. Von einfachen Sachen rede ich von Dingen wie zwei bis drei Sachen, wie Geschirrspüler ausräumen oder ähnliches, die ich am Vormittag erledigen sollte und mich so forderten, dass es fast unmöglich erschien.

Aber andererseits sah ich mich auf einmal wie von außen selbst, sah wie ich gerade bin und konnte es nicht verstehen. Wie ein kleines Kind, hilflos.

Immer wieder lösten Sachen Zustände aus, die ich nicht begriff. Ich flüchtete auf die Terrasse, lief im Kreis und rauchte. Das Hirn zu 100% leer, verstand nicht, was dies auslöste, was geschah, ich wusste nicht, was gerade passiert war. Trigger – auf einmal habe ich sowas … Warum?

Dr. M. erklärte mir, was da gerade in meinem Hirn abgeht. 4 Jahre hat es das Erlebte verdrängt, um für Maria und die Kinder da zu sein und als dieses realisiert, dass es Maria wieder gut ging, brach ich zusammen. Die Verlustängste und Ängste zurück zuführen auf das, was bei der Geburt vorgefallen ist und Burnout.

Ich versuchte ständig, einen Lösungsweg zu finden, wie ich da wieder rauskomme. Und das so schnell als möglich und ohne dem üblichen Weg des System! Oft kam ich zu Maria, dachte ich habe die Lösung, doch Maria erklärte mir, dass das „keine Lösung“ ist, nur wirres Zeugs.

 

Tage später nickte ich auf der Couch kurz ein, kurze Zeit später erwachte ich und hatte was vor Augen. Griff zu Stift und Papier und skizierte es, machte einen Kreis nach dem anderen, Pfeile über Pfeile, füllte die Kreise mit Wörtern. Am Abende zeigte ich meine Idee Maria. Die erste Reaktion, die kam, ich bin verrückt. Sie ist gerade dabei unsere Existenz zu sicher und ich komm mit einem Ding, wo ich einen Bus kaufen möchte. Mir ging der Plan nicht mehr aus dem Kopf, weil ich sah in diesem den Weg, wie ich da selbst mich wieder raushebeln kann.

Am nächsten Morgen, als die Kinder außer Haus waren, setzte sich Maria zu mir.  Sie hatte eine Nacht über das Projekt nachgedacht, wollte mich und meinen Weg unterstützen, aber hatte auch noch Bedenken. Zum einen wollte sie unbedingt die Meinung der Psychotherapeutin abwarten, um sich nicht in ein Projekt zu stürzen, dass therapeutisch nicht funktionieren würde. Zum anderen dürfe das Projekt nicht das Haushaltseinkommen belasten. Sie gab mir die zusätzliche Aufgabe, zu überlegen, wie das Projekt finanzierbar sei. Aber bei allem was mir helfen würde, versicherte sie mir, mich voll und ganz zu unterstützen.

Beim nächsten Termin mit Dr. M. zog ich meinen Zettel mit dem Plan aus meinem Buch und begann ihr den Weg zu erklären. Dr. M.  sagte zu, dass sie mich auf diesem Weg psychologisch begleite, dass das alles auf dem richtigen Wege bleibe.

Somit war der Startschuss für das Project Blowball gegeben!

Vom Wahnsinn zum Projekt

Wer uns kennt, weiß, dass wir schon immer bestrebt waren, in unserem Leben für Probleme Lösungen zu suchen. Einfach zurücklehnen und darauf warten, dass alles gut wird, war uns schon immer zu wenig. Also musste ein Plan her, der uns so schnell wie möglich wieder zurück ins normale Leben finden lässt. Einfach nur Tabletten nehmen, den Körper vortäuschen, dass alles gut ist, und weitermachen wie wenn nichts gewesen wäre, kann doch nicht die Lösung des Problems sein.

Also entwickelte Dominik eine Idee, die er mit Fr. Dr. M. (Psychotherapeutin) besprach und ausfeilte. Dass er in der jetzigen Verfassung kein Projekt alleine stemmen konnte, war ihm klar. Also musste Hilfe her. So kamen Mario (der beste Freund), Philipp (sein Bruder), Eva (Schwägerin in spe), und ich (Frau) ins Spiel. Nachdem es uns alle ein Anliegen ist, dass Dominik so schnell wie möglich wieder „normal“ wird, haben wir nicht gezögert, ihm zu helfen. Ganz wichtig war uns aber vor allem der Therapeutische Hintergrund, der dank der Psychotherapeutin, die das Projekt begleitet, gegeben ist.

Jetzt der Plan: Dominik soll durch die Verwirklichung eines scheinbar unmöglichen Projektes, wieder Selbstorganisation lernen. Auch langsam wieder in Tagesrhythmen finden, die später das Arbeiten wieder ermöglichen können und vor allem muss er sich durch das Projekt, seinem derzeitig größten „Feind“ stellen: Menschen und soziale Kontakte.

Dafür musste ein Herzensprojekt gefunden werden: ein Wohnmobil. Aber einfach ein Wohnmobil zu kaufen wäre kein Projekt und viel zu einfach! Daher wird ein amerikanischer Schulbus angekauft und per Schiff nach Europa gebracht. Dann nach Österreich gebracht, dort völlig „ausgeschlachtet“ und selbst zum Wohnmobil umgebaut. Finanziert wird das ganze durch Spenden, wofür gerade ein Verein angemeldet wird. Der ganze Umbau, gepaart mit Psycho- und EMDR-Therapie.

Noch immer zu einfach? Wenn ihr jetzt diesen Eindruck habt, bitte ich euch den Blogbeitrag von Dominik durchzulesen, wo er beschreibt, wie es zu dem psychischen Zusammenbruch kam und wie es ihm jetzt geht. Sein Alltag ist geprägt von Triggern, die gerade bei der Arbeit mit den Computer (bedingt durch seine Arbeit) ausgelöst werden. Schon eine Kontaktaufnahme per Email, zum Beispiel mit dem amerikanischen Bushändler, ist eine große Herausforderung für ihn und kostet ihm viel Überwindung. Durch das Projekt muss er sich aber seinen Triggern stellen und einen Weg finden, gegen diese anzukämpfen. Natürlich auch wieder unter Beobachtung der Therapeutin.

Warum jetzt aber ein BLOG dazu? Wir möchten mit dieser Seite Tabuthemen brechen, Antworten finden und euch dabei teilhaben lassen, wie man sich mit Selbstwirksamkeit, wieder selbst aus den „tiefen Loch“ ziehen kann. Natürlich ist ein Schulbus-Wohnmobil, mit 12m Länge und 13 Tonnen Leergewicht, ein Gefährt, dass man nicht an jeder Ecke findet – wir denken, auch dieses wird für euch spannend, die Entstehung mitzuversorgen.

Wenn ihr jetzt dieses Projekt so krank findet, dass es schon wieder genial wird, dann helft uns. Teilt diese Seite und verfolgt unser Projekt. Für alle „lese faulen“ arbeiten wir auch schon am ersten VLOG.

Project blowball kann losgehen!

Maria

Rose Revolution Day 2016

Seit ich von diesem Tag gelesen habe, wollte ich bei diesem Tag mitmachen um ein Zeichen zu setzen, dass es nicht OK ist, was bei Geburten mit Frauen gemacht wird.

Rose Revolution Österreich

Dass dieser Tag aber nicht nur eine Bedeutung für mich haben würde, sondern auch ganz speziell für Dominik, dachte ich damals noch nicht. 4 ½ Jahre ist es nun her. Mein Geburtstrauma wurde zur Posttraumatischen Belastungsstörung, die dank EMDR-Therapie (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) soweit gelöst wurde, dass mein Leben wieder „normal“ sein könnte.

Normal? 

Als es mir besser ging, veränderte sich Dominik. Anfangs konnte ich das nicht zuordnen, nicht verstehen. Ich erkannte ihn nicht wieder – ein halbes Jahr später – der Zusammenbruch – die Diagnose: Burn Out und Traumatisierung.
Jetzt, wo er nicht mehr für mich stark sein musste, realisierte er erst was damals passierte. Sein Geburtstrauma, das ganze gepaart mit permanenten Leistungsdruck in der Arbeit und einer 24 Stunden, 7 Tage die Woche, Rufbereitschaft, das zum Burn Out führte.
Also legten wir am Freitag, den 25. November 2016, drei Rosen nieder. Eine Rose für mich, mit einem langen Brief, eine Rose für Dominik mit einem Brief voller offenen Fragen und eine ganz besondere Rose für Richard, unseren Sohn. Dieser hätte sich einen schöneren Start ins Leben verdient!
Schon die Briefe zu schreiben, war sehr emotional und der Weg ins Krankenhaus war schwerer als gedacht. Vor allem das Ablegen der Rose vorm OP Bereich löste in mir viele Erinnerungen aus. Dominik hatte vor allem beim Ablegen der Rose für Richard vor der Neugeborenen Intensivstation mit vielen Erinnerungen zu kämpfen. Es war hart, aber auch irgendwie befreiend.

Wenn ihr genaueres erfahren wollt, könnt ihr euch gerne die Zeit nehmen, um die Briefe zu lesen.

 Brief Richard     |       Brief Maria     |       Brief Dominik

Maria

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