Die menschliche Psyche – ein Phänomen

Die menschliche Psyche – ein Phänomen

Die menschliche Psyche – ein Phänomen ….. ein Tag, ein Auslöser und ein Mensch ist nicht mehr wieder zuerkennen.

Seither stelle ich mir öfter Fragen, wenn ich schmerzhaften zusehen muss, wie mein Bruder mit dem größten Gegner, den er je hatte kämpft – sich selbst!
Waren Anzeichen seiner Überforderung schon damals erkennbar?
Wenn ich so darüber nachdenke, ja!
Dominik war schon lange nicht mehr der Alte. Das erste Anzeichen seines Wandels fällt mir erst im Nachhinein auf,  als er nicht mehr der alte kindisch gebliebene Erwachsene war dessen größte Freude es war auch noch mit 28 Jahren T- Shirts mit Aufdrucken wie dem faulen Willi, den kleinen Maulwurf, den Barbabas,etc. zu tragen. Dessen Wunschzettel für Weihnachten immer dem eines acht jährigen Buben entsprachen, der mit ferngesteuerten Booten, Hubschraubern, Autos, Drohnen oder anderen Spielzeugen, die ihm ein Lächeln ins Gesicht zauberten, vollgepackt waren.
Egal, ob im Garten, beim Baden am See, im Pool, egal, in welcher Situation Dominik war nicht verlegen irgendetwas anzustellen.
Doch eines Tages wich die kindliche Facette vollständig aus seinem Leben. Das faule Willi T-Shirt musste schwarzen oder violetten Polos weichen. Sein Fuhrpark aus dutzenden Fahrzeugen jeglicher Art verschwanden völlig aus seinem Sinn und wurden unter der Laube, in einem Eck abgestellt, wo sie vor sich hinvegetierten und keines Blickes gewürdigt wurden.

Hatte er schon die ganze Zeit solch ein Ausmaß der Gefühlslosigkeit?

Nein, seit diesem Tag lachte er zwar nicht mehr wie früher und war tod ernst, aber er konnte wenigstens noch Gefühle wie Hass, Trauer, Liebe und Eifersucht zeigen.
Es gab sogar Momente, wo es nach außen schien, als würde er all seine Sorgen fallen lassen können und einfach den Moment genoss und vom Herzen lachen konnte.
Das beste Beispiel war unser gemeinsamer Urlaub auf Kreta, in einer winzigen Ortschaft namens Lentas.
Wir entschieden uns nach kurzem durchstöbern des Reiseführers für einen idyllischen Badestrand, wo ein Süßwasserfluss den Strand teilte und in das Meer  floss.  Um diesen wirklich wunderbaren Fleck erreichen zu können, war im Reiseführer die Rede, von einem 10-15 minütigen Abstieg – auch festes Schuhwerk wurde empfohlen. Wir Peltiers unterliegen ja in dem alten Irrglauben, mit Flip Flops jegliches Terrier egal wie steil, steinig, … bezwingen zu können.
Na gut – gesagt getan! Wir begaben uns bei 35 Grad Celsius auf den Weg bergab. Nach guten fünf Minuten gab einer meiner 5€ „qualitäts“ Flip Flops vom Supermarkt, den heißen Temperaturen und dem starken Gefälle nach und ich stand mit nur mehr einem Flip Flop da. Der Abstieg entpuppte sich als wahrer „Lauf über heiße Kohlen“, denn der Weg war voll von spitzen Steinen welche sich in der prallen Sonne unglaublich erhitzten. Unten angekommen blieb ich nicht vom Spott meines Bruders verschont, auch die zahlreichen Brandblasen trugen zu seinem Vergnügen bei. Nun stellte sich das Problem, wie wir den Heimweg bestreiten sollten. Die Lösung war einfach und genial. Ich bekam für den Anstieg zum Auto, die Flip Flops von meiner Schwägerin Maria.
Maria, Eva, Beatrice und Richard fuhren mit einem Touristenboot in die nächste Ortschaft, wo Dominik und ich sie dann mit dem Auto wieder abholten.
Der Weg zum Auto und die Fahrt in den nächsten Hafen, wo wir dann den Rest der Familie abholten, waren auch unbeschreiblich tolle Minuten vollgepackt mit Lachkrämpfen und Blödeleien . Ich hatte Dominik schon lange nicht mehr so lachen gesehen, wie an diesem Tag.

Der Supergau – vor etwa einem halben Jahr.

Für mich war es trotzdem unbegreiflich wie entscheidend die menschliche Psyche ist – mit ihr steht oder fällt ein Mensch!
Auch wenn Dominik in den letzten Jahren nicht mehr so viel lachte und sich eine Arbeit nach der anderen auf seinen Lastenberg schaufelte, führte er doch ein „normales Leben“, mit keinen Anzeichen einer Depression, Traumatisierung oder einem Burnout.
Andererseits war es nur eine Frage der Zeit, bis sein Körper nachgibt. Es ist unglaublich, wie stark Dominik ist und wie lange er diesen Lasten standgehalten hat, die auf seinen Schultern lagen. Ich denke, ich wäre daran in kürzester Zeit zerbrochen.
Neben einer normalen Anstellung, baute er noch seine eigene Firma zu einem lukrativen Nebenverdienst auf, wo er täglich bis spät in die Nacht arbeitete, verbrachte Zeit mit seinen Kindern,  half zuhause im Haushalt mit, kümmerte sich um die Instandhaltung des Eigenheims, setzte sich in der Gemeindepolitik ein und setzte sich zudem noch mit vollem Einsatz für die Flüchtlingsbetreuung ein.

Wie er das so lange unter einen Hut brachte ist mir bis jetzt ein Rätsel. Dies zeigt mir nur wieder, was für ein starker Mensch Dominik ist!

Diagnose: Depression, Posttraumatische Belastungsstörung & Burnout

Ich kann mich noch an das Telefonat erinnern, als Dominik mir am Telefon erzählte: „Mich hat es auch erwischt, Bötzi ich bin Krank! Ich gehöre auch zu ihnen!“

Alleine von der Gefühllosigkeit der Stimme erkannte ich meinen Bruder nicht wieder.
Mir kam es so vor, als hätte es mit erfahren der Diagnose, in seinem Kopf einen Schalter umgelegt und der Berg an Lasten brach über ihn ein und machte aus dem starken Mann, einen kleinen verängstigten Jungen.
Er war ab diesen Tag, nach dem Gespräch mit der Psychologin ein vollkommen anderer Mensch. Eine Person ohne jegliche Art von Emotionen, normalen Gedankengänge oder im Stande einen normalen Tagesablauf zu planen und zu bestreiten.
Ja an schlechten Tagen gehen die Auswirkungen soweit, dass sich sein psychischer Zustand sogar auf seine Motorik auswirkt – sodass seine rechte Hand unkontrollierbaren Zuckungen ausgesetzt ist.
Für mich gibt es keinen schlimmeren Anblick, als meinen Bruder so leiden zu sehen.
Selbst in diesem Zustand kämpft er vor anderen und vor allem vor Gästen oder seinen Kindern, seinen innerlichen Stress und seine Qualen zu verbergen. Jedoch seine Finger  zeigen die nackte Wahrheit, wenn er sich beim Servieren eines Wasserglases, voll und ganz konzentrieren muss, um seine Finger ruhig zu

Wie geht es Dominik jetzt?

Wie die Idee geboren wurde, blühte Dominik wieder vollkommen auf. Es war unglaublich schön zu beobachten, wie der Mensch, der zuerst nur aus einer Hülle bestand und der Alltag einfach bei ihm vorbei zog, aufgrund einer neuen Zielsetzung wieder Lust am Leben bekam.  Lust am Leben ist vielleicht im derzeitigen Zeitpunkt noch ein starker Begriff, aber in seinem Gesicht flackerten zumindest kurze emotionale Ausdrücke auf – wie ein kurzes Schmunzeln oder ein kurzes aber intensives Strahlen in seiner Augen.
Es war unglaublich, was Dominik und auch Maria, alles in kürzester  Zeit, bezüglich des Projektes – einen amerikanischen Schulbus, nach Österreich bringen und zum Wohnmobil umzubauen, in Erfahrung brachten. Bis ins kleinste Detail, von Unterstellplatz, Routen für den „Her-Transport“ wurde alles überlegt, da man mit der Überlänge des Busses nicht um jede Kurve kommen würde, etc.

Bis ein Verein angemeldet ist, müssen eine Vielzahl von bürokratischen Hürden aus der Welt geschafft werden.
Zurzeit hat Dominik wieder einen kleinen Rückschritt, denn seiner Meinung steht das Projekt gerade völlig still. Es scheint für ihn, als würde es keinen Schritt voran gehen. Wobei sich in Hinblick auf die letzten zwei Monate einiges, wenn nicht sogar enorm viel, bewegt oder getan hat. Angefangen von der Vereinsgründung, Homepage, Video, Blogs, Charity Veranstaltung, Reichweite bis nach Deutschland zu bekannten Gesichtern ,….

Aber ich denke, da jetzt im Grunde alle Erledigungen bezüglich des Vereins erledigt sind, sollte bald die Überstellung des Busses in die Startposition gehen und vielleicht ist es für ihn, für den Fortschritt anschaulicher, wenn sich 13 Tonnen auf 12 Meter verteilt auf die Reise von Amerika nach Österreich begeben.

Aber er gibt trotzdem nicht auf und das zeigt mir wieder wie stark dieser Mensch ist – und das ist auch der Grund warum ich so stolz auf ihn bin.

Also bitte helft uns und unterstütz unser Projekt, egal mit welchen Mitteln, damit Dominik endlich seinen heißgeliebten Bus bekommt.

Philipp

Posted on: 2017-01-27Maria Peltier

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