onlyonemorethought

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Seit Dezember 2016 schreibe ich auf meinem Blog „onlyonemorethought“ meine Gedanken zu dem Thema Depressionen nieder.

Ich selbst leide schon seit langer Zeit an Depressionen, jedoch habe ich es erst vor 6 Monaten wirklich akzeptiert.
Ich bin ein Mensch, die ihre Probleme für sich behält. Ich war immer für andere da, hatte immer ein offenes Ohr. Für mich war es undenkbar auch nur auszusprechen, dass es mir nicht gut geht. Für mich war das ein Zeichen von Schwäche und Schwäche habe ich sehr sehr selten gezeigt. Mitschülern oder Freunden gegenüber war ich immer die toughe. Innerlich war ich das Gegenteil.
Ich musste für mich akzeptieren, dass meine vermeintliche Schwäche eine Stärke ist. Grade in einem zerbrechlichen Moment diese Seite zu zeigen, zeigt wie stark man eigentlich wirklich ist.

Ich fing an mich einem wichtigen Menschen in meinem Leben anzuvertrauen. Ich konnte das aber nur, weil dieser Mensch ähnliche „Probleme“ hatte. Der Mensch weiß, wie es ist eine Depression zu haben. Außenstehende können das nicht wirklich beurteilen, spielen es runter oder nehmen es einfach nicht ernst. In meiner Familie kann ich über solche Dinge nicht sprechen. Hätte dieser Mensch damals nicht meine wahre Antwort hinter einem „Es geht mir gut.“ verstanden, würde ich mich vermutlich bis heute nicht aktiv mit meiner Depression auseinandersetzen.

Das letzte Jahr war besonders hart für mich. Das Tal durch das ich lief wurde immer dunkler und dunkler. Es war so, als würde ich versuchen vor mir selbst wegzurennen. Ich entfliehe der dunklen Seite die mich immer wieder zu Boden reißt. Statt nach vorne zu blicken, habe ich nach hinten geschaut und nicht bemerkt, dass ich in einen finsteren Wald lief und mich verlief. Egal wie schnell ich gerannt bin, meine Depression war nur einen Schritt hinter mir. Manchmal hat sie mich auch überholt. Dann war es besonders dunkel. Ich weiß nie, wann sie zuschlägt. Ich weiß nicht von welcher Seite sie kommt. Ich weiß nicht wo sie mich hinzieht. Durch die Depression habe ich eine Angststörung entwickelt. Paranoid war ich nicht. Es sind einfach Ängste die ich mir einrede und eigentlich keinen Sinn ergeben. So ist das eben. Mit der Depression bekommt man häufig noch einen weiteren Begleiter an seiner Seite.

Meine Angststörung entwickelte sich so weit, dass ich dadurch einen großen Teil meiner Lebensqualität verloren habe.
Ich habe nicht mehr gekocht oder gebacken, denn mein Kopf redete mir ein, dass beispielsweise der Herd Feuer fangen könnte. Die Mikrowelle habe ich nicht mehr benutzt. Lebensmittel die ich sonst immer gegessen habe, habe ich irgendwann nicht mehr gegessen, weil ich dachte von jetzt auf gleich allergisch dagegen zu sein und keine Luft mehr bekommen würde. Okay, dieser Gedanke ist eigentlich nicht ganz unbegründet. Ich bin Allergikerin und habe einige Nahrungsunverträglichkeiten und so wie die Laktoseintoleranz einfach aus dem Nichts kam, denke ich das auch über andere Nahrungsmittel. Natürlich weiß ich, dass das Quatsch ist, aber mein Kopf kann den Gedanken nicht abstellen.
Restaurantbesuche waren immer sehr schlimm für mich, denn ich hatte nicht unter Kontrolle wie mein Gericht zubereitet wird, auch wenn ich die Speisekarte ganz genau studiert habe. Sobald das Gericht kam, habe ich erstmal einen kleinen Bissen gemacht. Ich musste mich rantasten. Habe ich gemerkt, dass nichts passiert, aß ich normal weiter. Manchmal blieb mir dann wirklich die Luft weg – zumindest dachte ich so. Ich denke dass mein Körper in dem Moment mit einem Phantomsymptom um die Ecke kommt, weil ich mir im Unterbewusstsein weiterhin einrede, dass ich gleich keine Luft kriegen würde.

Sport habe ich auch nicht mehr gemacht, denn es könne ja von jetzt auf gleich mein Herz stillstehen. Könnte ja sein, dass ich meine Erkältung von vor x Wochen verschleppt habe und mein Herz zu sehr belaste.

Gegessen oder gekocht habe ich dann nur noch, wenn ich nicht alleine war. Sport war nur noch ein Begriff.
Wäre ich in besonders schlimmen Phasen nicht behutsam an die Hand genommen worden, so würde ich wahrscheinlich immer noch stark in der Angst sein. An dieser Stelle muss ich einfach meinen Dank an meine seelische Stütze aussprechen. Manchmal frage ich mich, warum die Person an meiner Seite sein möchte. Oftmals sage ich Sachen wie: „Du könntest das viel einfacher haben.“, „Dein Leben wäre viel einfacher ohne einen depressiven Menschen an deiner Seite.“ Seine Antwort ist aber immer dieselbe: „Ich liebe dich als Person. Die Depression ist ein Teil von Dir.“ Manchmal glaube ich, dass die Menschen an unserer Seite die tagtäglich mit durch unsere depressiven Phasen gehen müssen, viel stärker sind als wir. Dieser Person habe ich so vieles zu verdanken. Zurück zu meinem Blog:

Mein Blog dient für mich dafür mich aktiv mit meiner Depression auseinanderzusetzen. Seitdem erziele ich auch kleine Erfolge.

Hier zu meinem Blog: onlyonemorethought

Ich kann wieder – ganz allein – kochen und backen, sorgenfrei im Restaurant essen und sogar Sport habe ich gemacht.

Ich finde es wichtig, dass man sich solche Erfolge aufschreiben sollte, damit man sich diese in einer Panikattacke oder in einer dunklen Phase selbst aufzeigen kann. Alle zwei Monate verfasse ich deshalb auf meinem Blog meinen Progressreport.
Und selbst wenn Du Dich niemanden anvertrauen möchtest, kann ich dir nur raten, Deine Gedanken auf Papier oder am PC niederzuschreiben. Schnell wirst Du merken, dass Du nicht alleine bist, auch wenn Du Dich einsam fühlst. Für mich ist mein Blog meine Selbsttherapie geworden, denn dadurch habe ich in den letzten 3 Monaten mehr geschafft, als in den Monaten davor. Dadurch, dass ich über meine Depression und meine Ängste schreibe, reflektiere ich mein Verhalten und versuche so aktiv etwas dagegen zu tun.

Ganz besonders freut es mich, wenn andere Blogger oder Betroffene mir Schreiben und mich bestärken in dem was ich tue. Es zeigt mir, dass ich – wie ich sonst immer dachte – nicht alleine bin mit meiner Depression. Das es andere gibt, denen es so oder so ähnlich geht.

Seit ein paar Tagen habe ich darüber nachgedacht meinen Blog im sozialen Netzwerk zu teilen. Gestern habe ich mich dann dazu entschieden und habe so den Blog von Dominik gefunden. Ich finde es toll, dass Project Blowball mehr Aufmerksamkeit auf das Thema lenken will. Dieses Ziel habe ich mir ebenfalls gesetzt, denn die Depression wird leider immer noch viel zu selten ernst genommen.
Danke Dominik, dass Du mich gefragt hast, ob ich einen Gastartikel schreiben möchte. Es bestärkt mich mit dem weiterzumachen was ich tue. Ich wünsche Dir und Deiner Familie alles Gute.

Und denk immer daran:

Kleine Fortschritte bringen Dich auch ans Ziel. Egal wie lange es dauert. Egal wie Du es machst.

 

Chantal

Posted on: 2017-03-10Maria Peltier

2 Gedanken zu „onlyonemorethought

  1. Lieber Dominik, liebe Maria, liebe Leser,

    auch ich möchte auf meinem Blog mehr auf das Thema Depressionen in der Gesellschaft aufmerksam machen, da ich selbst davon betroffen bin.
    Hier geht es einmal zu meinem Beitrag, indem ich Project Blowball kurz vorstelle.

    https://onlyonemorethought.wordpress.com/2017/03/10/mein-erster-gastartikel/

    Schaut doch gerne mal vorbei. 🙂

    Vielen Dank nochmal, dass ich meinen Gastartikel schreiben durfte. 🙂
    Ich wünsche allen die dies lesen viel Kraft!

    Liebe Grüße
    Chantal von onlyonemorethought

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