Tollabea stellte unsere Frage im Interview an Frau Dr. Heuser

Tollabea stellte unsere Frage im Interview an Frau Dr. Heuser

Vor einiger Zeit hatte ich durch unseren Beitrag „Papa´s Seele hat Schnupfen – nein Grippe“ kontakt zu Béa von TOLLABEA. Damals erzählte sie mir von ihrem bevorstehenden Interview mit Frau Dr. Isabella Heuser, die Psychologin und Psychaterin am Charithé Campus Benjamin Franklin ist und sich mit Depressionen auseinandersetzt. Béa gab uns die Möglichkeit, über sich, Frau Dr. Heuser eine Frage zu stellen, die wir dankend annahmen.

Den Beitrag von Tollabea findet ihr HIER

„Warum wird vorwiegend mit Antidepressiva gearbeitet und nicht das Problem bei der Wurzel gepackt und mit Psychotherapie behandelt?“

In dem Interview gibt Frau Dr. Heuser eine sehr ehrliche, aber wie ich finde, eine etwas bedenkliche Antwort. „Antidepressiver wirkt schneller als Psychotherapie.“ Ich finde dies gut, wenn dadurch Ziel ist, die Betroffenen so schnell wie möglich, aus einer schweren depressiven Episode zu holen. Wenn es aber darum geht, so schnell wie möglich wieder zu funktionieren, wieder einsatzbereit für die Arbeitswelt zu sein, finde ich es bedenklich. Jede Depression hat ihre Wurzel, die durch Antidepressiver weder aufgearbeitet, noch verarbeitet werden kann. Medikamente verstärken auch nicht die Resilienz, um weitere depressive Episoden vorzubeugen. Antidepressiva können Unterstützung sein, damit der Schlaf wieder besser funktioniert, oder die Gedankenspiralen wieder geordnet werden können, aber es kann die Depression und das Erlebte zuvor, was zur Depression führte nicht wegzaubern. Dafür braucht man viel Willenskraft und eine gute Psychotherapie!

Sehr interessant finde ich auch noch den Interview- Teil, wo Frau Dr. Heuse beschreibt, wie man mit Kindern darüber sprechen soll. In den meisten Punkten stimme ich Frau Dr. Heuse voll und ganz zu. Die Erfahrung mit unseren Kindern, zeigt mir jedoch, dass man auch im Kindergartenalter das Problem beim Namen nennen sollte. Frau Dr. Heuse beschreibt, dass vor allem bei älteren Kindern oft Schuldgefühle kommen, sie könnten dafür Verantwortlich sein. Bei uns war es Hauptsächlich unser Kleiner, der immer wieder meinte, er war nicht brav genug, oder er war zu laut und darum geht es Papa heute schlecht. Kindergartenkinder haben noch die Fähigkeit viel zu spüren, daher finde ich die Aussage von Frau Dr. Heuser für jedes Alter wichtig:

„Ich bin für dich da! Du bist nicht Schuld! Es wird vorübergehen!“

 

Wie ich schon in meinen letzten Beitrag beschrieben habe, gibt es dazu einige Kinderbücher, die uns ermöglichen, die Kinder altersgerecht aufzuklären. Gerade in einer Zeit der Krise ist es umso wichtiger die Kinder resilient zu machen. Wie auch Frau Dr. Heuser beschrieben hat: Selbstbewusstsein und den Mut auch mal NEIN zu sagen!


Mit Kinderbüchern wie Mein unsichtbarer Gartenzaun, oder Ich bin stark, ich sag laut Nein!
kann man Kindern helfen zu erkennen, dass es völlig OK ist mal Nein zu sagen. Diese Bücher werden hauptsächlich zu Prävention von sexuellen Übergriffen verwendet, sollten aber, wie ich finde, fixer Bestandteil von jeder Erziehung sein.

Bei den fixen Ritualen, wie Frau Dr. Heuser sie beschreibt, würde ich jedenfalls auf Rituale zurückgreifen, die das positive Unterstreichen und den Optimismus fördern. Wir haben solche Rituale zum fixen Bestanteil unserer Tagesabläufe gemacht und das Positive zu sehen und zu erkennen, hilft nicht nur den Kindern, sondern auch Dominik, der mit seiner Depression eher in den Fängen des Negativen gefangen ist.

Wir schreiben nach wie vor in unser Familienglückstagebuch, dass uns zeigt wie trotz den vielen Sorgen und trotz der oft schwierigen Umständen, es jeden Tag etwas schönes zu berichten gibt und immer wieder gibt es bei uns Spiele, die das Selbstbewusstsein stärken. Auch eine „Ressourcen- Duschen“ machen wir regelmäßig – dies ist eine Übung aus meiner Ausbildung zum Dipl. Kinder-Resilienz Trainer. Dabei kann man richtig schön beobachten, wie die Kinder jedes mal ein „Stückchen wachsen“!

Alles in Allem möchte ich Béa von TOLLABEA zu diesem Interview gratulieren.

Das Video ist sehenswert und sehr informativ.

 

Ich weiß, dass ich mir schon sehr viel herausnehme, wenn ich hier öffentlich sage, dass ich nicht in allen Aussagen von Frau Dr. Heuser konform gehe. Eine Frau die Psychologie und Medizin studiert hat, also ein großes Fachwissen an den Tag leg und trotz alle dem, nicht die Erfahrung hat, wie es in der Praxis ist. Wenn man Tag für Tag mit einem psychisch kranken Menschen zusammenlebt und Tag für Tag die Kinder schützen, starken und resilienten Persönlichkeiten erziehen soll. In der Theorie hört sich immer alles sehr logisch und eigentlich einfach an, aber in der Praxis ist auch der Ehepartner nur ein Mensch, der ohne jegliches theoretisches Grundwissen von heute auf morgen in eine Rolle schlüpft, die er/sie nie wollte. Diese Rolle wird nicht einfacher, wenn man als Partner, von allen Ärzten und Psychologen hört, dass diese Rolle für den Erkrankten/die Erkrankte so wichtig ist. Auch wir als Ehepartner von Betroffenen und Eltern von Kindern haben gute und schlechte Tage – wir sind nicht perfekt und liebe Frau Dr. Heuser, Depression ist „ansteckend“, denn das dauerhaft negative zieht auch die Menschen um ihn/sie herum herunter und es benötigt viel Widerstandskraft und viele eigene Ressourcen, um diesen negativen Energien jeden Tag stand zuhalten.

 

Mit psychischer Krankheit in der Familie leben: Rat und Hilfe für Angehörige ist ein Buch, dass ich jeden Angehörigen von psychisch Kranken empfehlen kann.

 

 

Maria

Posted on: 2017-03-17Maria Peltier

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