Papa´s Psyche hat Schnupfen – nein Grippe

Papa´s Psyche hat Schnupfen – nein Grippe

Warum ist Papa jetzt so komisch? Warum lacht Papa nicht mehr? Warum kann Papa nicht mehr mit uns weggehen?

 

Wenn ein Elternteil an einer psychischen Krankheit erkrankt, ist der gesunde Teil unglaublich gefordert, den Kindern alle offenen Fragen zu beantworten. Die größte Herausforderung ist für mich, etwas zu erklären, dass man eigentlich weder verstehen noch nachvollziehen kann.

Bei Dominik sind mittlerweile viele Körperliche Symptome dazugekommen, die vor den Kindern nicht verborgen werden können. Aber auch seine Ängste und seine Isolation machen vor den Kindern nicht Halt.

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Früher gab es immer einen Grund zu Lachen!

Dominik war immer ein sehr Kind gebliebener Vater, dem nichts zu blöd war, der mit den Kindern jeden Blödsinn machte. Die Kinder haben anfangs vor allem die Veränderung, dass der Papa nicht mehr so lustig ist bemerkt. „Papa geht´s nicht so gut, er braucht jetzt ein bisschen Ruhe!“ war meistens meine Antwort. Je mehr Veränderungen aber sichtbar wurden und je länger dies jetzt andauert umso mehr Fragen tauchten auf. Seit Weihnachten tauchten dann auch noch Körperliche Symptome auf, die anfangs nur bei Arbeitsspezifischen Sachen kamen, oder bei enormer Belastung, mittlerweile aber den Alltag prägen. Dominiks Körper zuckt und sobald eine Kleinigkeit eintritt, die nicht vorhersehbar ist, werden diese Zuckungen zu Krämpfen. Die Hände verkrampfen sich unkontrolliert, der Kopf sieht aus, als wären die Schultern bei den Ohren angewachsen und durch die unkontrollierten Zuckungen, fällt es ihm oft schwer ein Wasserglas zu seinem Platz zu bringen.  Lärm hält er kaum aus, dieser Verstärkt auch diese Zuckungen – für die Kinder aber nicht einfach, denn Kinder brauchen Platz zum Spielen, toben und laut sein!

Auch der Wechsel zwischen guten und schlechten Tagen, fiel den Kindern schwer. „Warum geht es Papa heute besser?“ „Warum geht es Papa heute so schlecht? Haben wir etwas getan? Waren wir zu laut?“ Diese Fragen kamen immer häufiger und ich denke, jede Mutter kann nachvollziehen, dass einem solche Fragen fast das Herz brechen, wenn man bemerkt, dass die Kinder das Gefühl haben, sie seien dafür verantwortlich, ob es Papa gut oder schlecht geht.


Von Anfang an versuchte ich mittel positiver Energie, die Kinder resilient zu machen um durch diese Krise zu wachsen und nicht zu zerbrechen. Ich habe mittels Kinderbücher wie zum Beispiel Ein Rucksack voller Glück: Ein Bilderbuch zum Thema: Glücklich sein – Mit 5 Glückspostkarten in jedem Buch! versucht sie zu stärken. Ihre Gefühle zu erkennen und ein Werkzeug zu entwickeln, wie man positiv denken kann. Dieses Buch beschreibt ganz gut, wie man seinen „Glücksrucksack“ wieder auffüllen und leichter machen kann, wenn er durch Sorgen zu schwer wird. Wir schreiben auch fast jeden Tag in ein Familien-Glückstagebuch ein. Dort werden nur „schöne“ Sachen eingeschrieben, die man den Tag über erlebte. Wir machen dies abends, damit die Kinder vor dem Schlafengehen, die schönen Erlebnisse und Gedanken im Kopf haben und nicht voller Sorgen und Ängste ins Bett gehen müssen.

Ich merkte aber durch die vielen Fragen, dass dies alleine nicht mehr ausreicht. Ich bin der Meinung, dass Menschen, nicht nur Kinder, vor dem Angst haben, dass sie nicht verstehen. Also suchte ich nach einer Möglichkeit, wie ich den Kindern Depression und Burnout erklären kann.

Nachdem ich liebend gerne mit Kinderbüchern, schwierige Themen aufgreife, suchte ich also nach einem Buch das psychische Krankheiten kindgerecht erklärt.  Ich empfinde Kinderbücher immer als unkomplizierte Lösung, die das Erklären leichter machen. Den Kindern fällt es leichter eine Geschichte zu lesen, wie über die eigenen Sorgen und Ängste sprechen zu müssen.


Annikas andere Welt – Das Bilder-Erzählbuch für Kinder psychisch kranker Eltern: „Annikas andere Welt“ in großen Bildern mit kurzen Erzähltexten und Mit-Mach-Seiten (SOWAS!) erzählt von einem Mädchen, deren Mutter depressiv ist. Es erklärt die guten und schlechten Tage mit „Hamster-Tagen“ und „Schildkröten-Tagen“.

An „Hamster-Tagen“ scheint ihre Mutter voller Energie zu sein, möchte alles gleichzeitig anpacken, aber bekommt meistens nichts geregelt – wie ein Hamster der im Laufrad läuft. Er läuft zwar den ganzen Tag, kommt aber nie ans Ziel. An „Schildkröten-Tagen“ verkriecht sich ihre Mutter in ihren Panzer und traut sich nicht herauszukommen. Unser Alltag ist von diesen „Schildkröten-Tagen“ geprägt.

Die Psyche wird auch wunderbar kindgerecht erklärt:

„Psychisch, was ist das?“ möchte Annika von Mario wissen. „Ach das ist ganz einfach“, lacht Mario und zwickt Annika dabei in den Arm. „Autsch!“ motzt Annika empört. „Siehst du?“, grinst Mario, „dein Arm ist ein Teil von deinem Körper. Den kannst du sehen und spüren, und dein Arm wird sogar rot, wenn ich dich zwicke.“ Annika guckt auf ihren Arm. „Aber was du jetzt über mich denkst, das kann ich nicht wissen. Genau dieser unsichtbare Teil von dir ist deine Psyche.“ „Wenn deine Psyche krank ist, kommen viele Gedanken und Gefühle durcheinander und alles ist kreuz und quer.“

Als meine Kinder das hörten, zwickten sie sich als erstes beide Mal in den Arm, und stellten fest, dass man das wirklich sehen kann. Wenn einem jemand in die Psyche „zwickt“, beleidigt, etwas sagt, dass einem weh tut, oder so, kann man das nicht sehen, aber es kommt ein „blödes“ Gefühl. Ich erklärte ihnen, dass jeder Mensch diese „blöden Gefühle“ aushalten kann, aber manchmal kommt ein so großes „blödes“ Gefühl, dass alles durcheinanderkommt. Ich hatte das Gefühl, sie verstehen, was ich meine. Wenn man aber dieses „blöde“ Gefühl nicht mehr alleine wegbekommt, braucht man Hilfe. Papa hat leider zu lange versucht, diese „blöden“ Gefühle wegzubekommen, und alleine nicht geschafft. Und jetzt ist es wie bei einem Schnupfen der eine Grippe wird. Manchmal geht ein Schnupfen ganz von selber wieder weg, manchmal fängt es aber mit einem Schnupfen an, dann kommt Fieber dazu und dann braucht man einen Arzt und Medikamente um die entstände Grippe wieder zu heilen.

Ich hatte das Gefühl die Kinder verstanden plötzlich, dass es eine Krankheit ist. Ich erklärte ihnen auch, dass keiner etwas dafürkann, wenn aus einem Schnupfen eine Grippe wird und dass es bei einer Psychischen Krankheit nicht anders ist. Ob sie „brav“ sind oder „laut“ sind, hängt nicht damit zusammen ob Papa krank oder Gesund ist. Wir können diese Krankheit von Papa nicht heilen, genauso wenig wie wir eine Grippe wegzaubern können. Jede Krankheit braucht Zeit, damit sie der eigene Körper bekämpfen kann und helfen kann einem dabei der Doktor. Wir als Familie, können nur geduldig sein, verständnisvoll sein und abwarten, bis es Papa wieder bessergeht.

 

„Also hat Papas Psyche Schnupfen!“ meinte Richard. „Nein Papas Psyche hat Grippe!“ erklärte ihm Beatrice.

 

Maria

Posted on: 2017-02-05Maria Peltier

5 Gedanken zu „Papa´s Psyche hat Schnupfen – nein Grippe

  1. Oh, wir drücken euch die Daumen und wünschen das geht so schnell nach normal leben.
    Ihr sollt Geduld haben.
    Und nicht vergessen leben fängt an wenn die kinder lachen.

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