Ich bin es WERT, gehört zu werden!

Ich bin es WERT, gehört zu werden!

Probleme mit meiner Angst und Unsicherheit hatte ich schon in der Kindheit. Eine dominante und manipulative Mutter, streng christliche Erziehung, ein Vater der sich aus den meisten Dingen raushielt.

 

Dazu kamen viele Umzüge, ich ging auf vier verschiedene Grundschulen. Meine Klassenlehrerin stufte mich als minderintelligent ein, Grund dafür war aber ihre Abneigung gegen mich, die sie mich regelmäßig spüren ließ. Ich weinte jeden Tag und quälte mich in die Schule, meine 2 Jahre ältere Schwester überredete mich. Die Lehrerin nutzte ihre Autorität aus, stellte ein mieses Zeugnis aus, meine Eltern schickten mich daraufhin auf eine Förderschule, obwohl sie es besser wussten, ich interessierte aber nicht.
Es folgten Umzüge, mit 10 Jahren ein Umzug von einer Kleinstadt in Bayern nach Thüringen aufs Dorf. Es fiel mir sehr schwer, ich konnte mich nicht integrieren. Ich wurde zum Außenseiter. Es folgte jahrelanges Mobbing, auch das wollten meine Eltern, sowie Lehrer nicht sehen. Viele Ängste, die nicht sein durften, kein Selbstbewusstsein und Wutanfälle, die auch nicht sein durften. Aber jeden Sonntag in die scheinheilige Käseglockenwelt, um genau dafür am Montag wieder fertig gemacht zu werden.

Der Einstieg ins Berufsleben fiel mir schwer, ich hatte nicht gelernt mich abzugrenzen, ich ließ mich ausnutzen, ließ es zu, dass man mich schlecht behandelte. Ich machte eine Ausbildung in der Gastronomie, meinen Ausbilder interessierten die Rechte eines Azubis herzlich wenig, und die Gäste interessierten sich nicht für meine persönlichen Rechte.

Ich ließ es zu, dass man meine Grenzen weit überschritt. Auch damit war ich so gut wie allein. Trotz kaum Prüfungsvorbereitung und Unterstützung gelang es mir, die Abschlussprüfung beim zweiten Mal irgendwie zu bestehen. Ich überlastete mich mit Arbeit, es folgten Kündigungen durch mich und die Arbeitgeber, ich handelte mich irgendwie weiter.

Der Arzt sagte, ich hätte Stress, verschrieb mir Schmerztabletten gegen die Rückenschmerzen und etwas zur Muskelrelaxion, ich versuchte meine Fachabi nachzuholen, scheiterte aber bereits nach zwei Monaten, der Stoff und Kopfkino, sowie mein Seelenchaos überforderten mich.

Wieder krankgeschrieben. Die Rückenschmerzen wurden unerträglich, mein Orthopäde empfahl mir eine Psychotherapie. Doch ich war noch nicht soweit. Meine Familie redete gegen alles, was mit „Psyche“ zu tun hat, denn wenn man gläubig genug ist, braucht man das alles nicht.

Ich versuchte mich in einem FSJ beim roten Kreuz, scheiterte dort aber auch nach 3 Monaten, versuchte noch einmal in der Gastronomie, 6 Wochen hielt ich durch. 2011 lernte ich meinen jetzigen Mann kennen. Ich begann einen Job in der Produktion, durch meinen Mann bekam ich extrem viel Unterstützung, die die immer gefehlt hatte, aber meine Familie war gegen ihn, es gab immer wieder Streit.

2014 heirateten wir, mein Bruder, zu dem ich aus meiner Sicht bis dahin ein sehr gutes Verhältnis hatte, wandte sich von mir ab. Bis heute haben wir keinen Kontakt. Zu meiner Schwester und meinen Eltern besteht eine oberflächliche Beziehung. Mein Mann half mir mein Leben zu sortieren, 2014 folgten zwei Psychiatrische Klinikaufenthalte, sowie ambulante Psychotherapie und Schmerztherapie. 2015 begann ich mit beruflicher Reha, seit August 2016 mache ich eine kaufmännische Reha-Umschulung, mit intensiver psychologischer Unterstützung.

Eine PTBS wurde mir bisher nicht diagnostiziert, dafür viele andere psychiatrische Dinge, Anpassungsstörung, Dysthemia, generalisierte Angststörung, soziale Phobie, kombinierte Persönlichkeitsstörung sowie verschiedene Depressionen.

Psychologen fragten mich, wie ich das alles schaffen konnte. Ich wusste keine Antwort auf die Frage. Ich war mein Leben lang „komisch“, „anders“, ich bin so aufgewachsen, ein Einzelkämpfer, hochsensibel, chronisch unentspannt und überwach. Um mich zu sortieren, schreibe ich einen Blog, das hilft mir, meine Grübelgedanken abzugeben.

Bis heute fällt es mir schwer um Hilfe zu bitten, ich habe Angst zu vertrauen, durch die Therapien, die psychosoziale Unterstützung in der Umschulung, sowie die meines Mannes, gelingt es mir bereits besser. Flashbacks und Albträume kommen des Öfteren hoch, mir hilft der Austausch mit anderen Traumatisierten, z.B. über Facebook. Selbstakzeptanz ist wichtig. In meinem Kleiderschrank und an meinem Spiegel habe ich mir kleine Hilfen geschaffen, ein Plakat mit:

„Ich bin es WERT, gehört zu werden! Ich bin es WERT, gesehen zu werden! Ich darf glücklich sein! usw. Positive Erinnerungen für jeden Tag!“

Zeiten, in denen es mir schlecht geht, ich wütend und traurig bin, gibt es öfter, ich versuche sie zu akzeptieren und mich zu beruhigen.

Die Psychologen, die ich kennen lernte, waren nicht alle hilfreich für mich, ich fühle mich oft falsch verstanden und nicht für voll genommen, was sicher auch mit meinem eigenen bagatellisieren (wie ich es gelernt hatte) zusammenhing.

Auch hier schreibe ich nur einen Teil meines Lebens, sehr verkürzt verständlicherweise. Das Ganze ist komplex, doch ich habe mittlerweile eine Psychologin gefunden, bei der ich mich wohlfühle. Oft kann ich mich mündlich nicht artikulieren, sie liest parallel meinen Blog, das erleichtert einiges. Ich konnte noch nicht über alles an Traumata sprechen. Angst, nicht ernst genommen zu werden ist manchmal immer noch da, auch ein ausgeprägtes Misstrauen – letzteres schützt mich aber auch.

Anonym

Posted on: 2017-05-26Maria Peltier

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