Therapie, Kündigung, Krankheit, Projekt – wie geht es Dominik

Therapie, Kündigung, Krankheit, Projekt – wie geht es Dominik

Immer wieder werde ich über Dominik gefragt: „Wie geht es Dominik?“ Wie schon geschrieben, kann Dominik derzeit keinen Blogartikel schreiben, trotzdem war es uns wichtig, euch über seinen Zustand und seinem Krankheitsverlauf zu berichten. Wir haben lange überlegt, wie wir das bewerkstelligen sollen und hier eine Möglichkeit gefunden. Ich habe die Fragen, die ich immer wieder von Leuten höre, die ich treffe, Dominik gestellt. Dieser redete frei darauf los und ich habe mitgeschrieben und dies dann zu Sätzen formuliert. Jede Antwort, habe ich Dominik wieder vorgelesen, damit ich auch alles richtig verstanden habe um euch kein falsches Bild zu geben. Die Situation war ein wenig eigenartig, den eigenen Mann zu Interviewen, aber ich denke, mit den Antworten, könnt ihr euch ein besseres Bild machen.

Wir haben vor, dies zu wiederholen. Wenn ihr also von Dominik etwas wissen wollt, schickt uns die Frage als Kommentar oder per Mail info@project-blowball.at. Bitte versteht, dass es Fragen gibt, die Dominik nicht oder noch nicht beantworten kann. Ich werde da sehr viel Rücksicht darauf nehmen und nichts wird beantwortet, was Dominik nicht möchte.

Maria

 

Therapie, Kündigung, Krankheit, Projekt – wie geht es Dominik

 

  • Jetzt bist du seit September zu Hause, wie geht es dir damit?

Dominik: Einerseits fehlt mir absolut das Zeitgefühl, es fühlt sich nicht so lange an wie es ist, andererseits schockiert mich die Zeit. Mein größter Wunsch ist ein normales Leben, in allen Rollen, so gesehen kommt mir die Zeit ewig vor. Ein Leben ohne Einschränkungen, Ängste, Gedankenspiralen und Hilflosigkeit vermisse ich. Die einzige Emotion die ich gerade, beziehungsweise, von Anfang an spüre, ist Angst. Ich würde gerne wieder Freude und Glück erleben, arbeiten können, die Freizeit genießen können, derzeit aber noch ein Wunschdenken. Was mir auch komplett fehlt, ist die Fähigkeit Entscheidungen zu treffen. Spontanität überfordert mich total und Planänderungen können gefühlte Katastrophen auslösen. Momentan brauche ich Maria um mir jegliches abzunehmen, ich sehne mich aber nach Selbständigkeit.

  • Wie geht es dir mit der Therapie, hast du das Gefühl es geht weiter?

Dominik: Nachdem in der Therapie einiges ans Tageslicht kam, mit dem ich nicht rechnete, ist diese oft ein Wechsel zwischen den Themen. Daran bin ich nicht ganz unschuldig, denn manchmal glaube ich das eine Thema ist vorrangig, eine Woche später priorisiere ich das andere Thema. Es fällt mir jedoch nach wie vor schwer, zu akzeptieren, dass ich krank bin. Theoretisch habe ich verstanden was ich habe, praktisch kann ich es aber nicht spüren. Mit den Angststörungen habe ich am meisten zu kämpfen, denn mein Kopf sagt mir ja, dass mir nichts passieren kann, es löst aber trotzdem Panik aus, die ich nicht kontrollieren und nicht beschreiben kann.

  • Wie oft bist du in Therapie?

Dominik: Im Schnitt 1x wöchentlich für ca 3 Stunden Psychotherapie und 1x monatlich beim Arzt. Meine Therapeutin ist aber Gott sei Dank sehr unkompliziert und hilft mir auch oft per Telefon weiter, wenn mich etwas unvorhersehbares aus der Bahn wirft.

  • Versuche zu beschreiben wie du früher warst.

Dominik: Ich war ein lebensfroher Mensch, der für jeden Blödsinn zu haben war. Ich arbeitete gerne und war mir auch nie für eine Arbeit zu schade. Probleme sah ich kaum, denn es gab für alles eine Lösung. Ich war sehr gerne unter anderen Menschen und vor allem Freunden. Meine Familie und meine Beziehung hatten schon immer sehr hohen Stellenwert in meinen Leben. Kurz gesagt, ich hatte Spaß und genoss das Leben in vollen Zügen.

  • Was veränderte sich, bzw. wie kam es zum Zusammenbruch?

Dominik: Alles! Ich hatte das Gefühl, die Welt richtet sich gegen mich. Ich konnte das positive nicht mehr erkennen. Alles schien aussichtslos und negativ. Ich habe jegliche sozialen Kontakte, auch Freunde und Familie als Belastung war genommen. Ich hörte öfter die Hinweise von Maria, aber auch Freunden, dass ich mich verändert hätte, sah aber die Veränderung bei den Anderen und nicht bei mir. Egal was ich machte, ich empfand keinen Spaß mehr dabei. Meine Gedanken raubten mir den Schlaf, ich fürchtete in allem das schlimmste und es fühlte sich komplett real an. Wenn ich versuchte etwas zu lesen, verstand ich plötzlich den Inhalt nicht mehr, ich war blockiert. Entscheidungen zu treffen fiel mir unglaublich schwer.

  • Warum wolltest du diesen Blog?

Dominik: Um der Welt aufzuzeigen, wie man sich durch psychische Krankheiten verändert. Ich wollte dieses Tabuthema brechen und damit auch später anderen Betroffenen zu helfen. Unser Erlebtes, soll auch anderen Mut machen, mit der Krankheit offen umzugehen.

  • Jetzt im nachhinein, war der Blog eine gute oder blöde Idee?

Dominik: Jeder neue Beitrag hat für mich zwei Seiten. Einerseits möchte ich offen der Welt zeigen was die Krankheit auslöst, andererseits ist es jedes Mal wieder eine Überwindung für mich. Die Reaktionen der Leser, zeigt mir aber jedes mal wieder, dass die Entscheidung richtig war. Durch den Blog kamen auch sehr viele selbst Betroffene auf uns zu, die uns ihre Lebensgeschichte erzählten, das schockiert mich eigentlich, wie viele Menschen betroffen sind, vorher war mir das nicht bewusst.

  • Warum Angst vor Menschen, bzw. wie fühlt sich das an?

Dominik: Ehrlich – ich weiß es nicht. Es ist einfach so und kam schleichend. Anfangs waren es nur Großveranstaltungen, mittlerweile habe ich auch bei kleinen Familienfeiern schon Angststörungen.

  • Welche Angststörungen begleiten dich noch?

Dominik: Computer: jeglicher Zugang zur EDV, alles war in meiner Arbeit Alltag war

Alles außerhalb des Hauses:  mein Haus ist mein Sicherer Platz, dieses zu verlassen kostet mich große Überwindung und noch viel größere, wenn ich das alleine tun muss. Einen zweiten sicheren Ort habe ich in meinem Auto gefunden.

Alleine sein: einerseits vermeide ich jeglichen sozialen Kontakt, halte es aber kaum aus, wenn ich meine Familie (Maria und die Kinder) nicht um mich habe

  • Wie geht es dir jetzt mit der Kündigung?

Dominik: Alles was meine Anstellung bei der Firma betrifft, fühlt sich gefährlich an. Es löst aber keine Gefühle in mir aus. Rein logisch betrachtet, hätte ich dies aber nie von einem Sozialen Unternehmen erwartet. Die Bedingungen, die gestellt wurden, um die Kündigung zu vermeiden, waren für mich unmöglich zu schaffen.

  • Was fällt dir beim Projekt am schwersten?

Dominik: Um den Bus nach Österreich zu bekommen, mussten einige rechtliche Dinge geklärt werden. Auch die Koordination der Speditionen stellt mich vor eine fast unlösbare Aufgabe. Welcher Schritt wann und wie gesetzt werden muss, aber auch Lösungen für Probleme finden, alleine nicht schaffbar. Maria und mein Schwiegervater unterstützten mich dabei tatkräftig. Wenn der Bus dann in Puchenau ankommt, freue ich mich einerseits, wieder ein wenig Tagesstrukturen zu erlernen, muss aber dadurch meine Schutzzone verlassen. Unzählige Leute haben mir Hilfe beim Umbau angeboten, ich habe aber Angst vor den sozialen Kontakten, weiß aber andererseits, dass ich dies wieder lernen muss. Mein Glaube, durch den Bus wieder zurück ins Leben zu finden, lässt mich aber weiterkämpfen. Ich möchte damit meine Angststörungen besiegen und der Krankheit entfliehen.

  • Hast du schon einen „Plan“ für dein Leben danach?

Dominik: Meine Frau baut zusammen mit dem Vorstand im Hintergrund den Verein Rezeptfrei auf. Ich möchte, nach dem Überstehen der Krankheit, durch mein Erlebtes und Durchlebtes, andere Menschen helfen. Ich möchte mein Leben wieder genießen können und für meine Familie da sein, aber werde auch das Leben etwas entschleunigen. In meinem Kopf schwirren viele Fragen, was wirklich wichtig ist im Leben und worauf es ankommt. Was braucht man um wirklich glücklich zu sein?

Posted on: 2017-03-13Maria Peltier

2 Gedanken zu „Therapie, Kündigung, Krankheit, Projekt – wie geht es Dominik

  1. Ich kann ihnen ganz fühlen weil ich gerade in diesem Situationen bin ich hoffe das alles geht wieder schön und hell … so vieeel gluck …

  2. Ich habe jetzt das dringende Bedürfnis, euch mitzuteilen wie ihr mir geholfen habt. Lese seit einiger Zeit Euren blog.
    Habe danke Dir mein alter Freund, begonnen auf mich zu hören. Vieles zur Seite liegen.
    Danke Euch!
    Liebe Maria, Lieber Dominik! Alles alles Gute und viel Kraft
    Euer Grausi

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