Weihnachten – die Herausforderung

Weihnachten – die Herausforderung

Weihnachten – Das Fest der Liebe und der Familie – normalerweise ist der übliche „Weihnachtswahnsinn“ zwar anstrengend, aber auch schön, die ganze Familie zu sehen, das leuchten in den Augen der Kinder zu entdecken und den Zauber vom Christkind zu spüren.

Heuer war Weihnachten eine Herausforderung durch und durch! Seit der letzten Therapie ist Dominik sehr aufgewühlt. Er ist unruhig, „sein Rad dreht sich permanent“, wie er so schön immer sagt. Die „schlechten Tage“ überwiegen. Menschen sind ein riesengroßes Problem und man hat das Gefühl, er kommt nie zur Ruhe. In diesem Rad der Gedanken, Ängste und der Selbstisolation, das besinnliche Weihnachten zu finden und den Kindern ein wunderschönes Weihnachtsfest zu schenken – es bleibt an mir. Dominik hatte große Mühe für die Kinder „normal“ zu wirken.

24.12.2016 – Schon seit Wochen übt unsere Jungschar für das Krippenspiel für die Kindermesse. Unsere Große hatte die tragende Rolle eines Schafes. Sie freute sich darauf, war stolz, Teil davon zu sein. Nachdem die Kindermette aber immer gut besucht wird, die Kirche ist voll, musste Dominik zu Hause bleiben. Zu groß war die Angst vor der Menschenmasse. Die Angst davor, dass er danach den Heiligen Abend mit der Familie nicht mehr klar verbringen könnte. Die Enttäuschung war unserer Großen anzusehen, dass Papa nicht ihr Krippenspiel ansehen konnte. Am Weg zur Mette versuchte ich alles in meiner Macht Stehende, ihr die Enttäuschung zu nehmen. Sie war verständnisvoll, aber trotzdem enttäuscht. Ich versprach ihr, Papa alles im Detail zu erzählen und dass ihr Bruder und ich dafür doppelt laut applaudieren werden. Das Krippenspiel war toll und die ganze Kindermette war wunderschön und sehr weihnachtlich gestaltet, ein Hauch von Weihnachtsstimmung, die wir drei aufnehmen konnten.

Nach der Mette wurden wir auf Punsch eingeladen, aber auch das mussten ich zur Enttäuschung der Kinder ablehnen. Dominik wartete ja zu Hause auf uns. Als wir heimkamen, leuchteten endlich die Kinderaugen. Dominik hatte in der Zwischenzeit eine Lichterkette auf der Terrasse aufgehengt und eingeschaltet. Für unseren Sohn der eindeutige Beweis, dass das Christkind schon da war. Nachdem wir heuer nur zu viert Weihnachten feierten, da mein Vater krank wurde, war alles ruhig, fast ein bisschen zu ruhig für meinen Geschmack.

25.12.2016 – Dominik war schon seit der dem Aufstehen durch den Wind, ein richtig mieser Tag. Gerade heute, wo seine Familie eingeladen war. Die Vorbereitungen für das Weihnachtsessen beanspruchte mich, die Kinder waren vor lauter Vorfreude kaum zu zähmen. Zwischen 16:00 und 17:00 Uhr sollten seine Mama und Oma, sowie sein Bruder und dessen Freundin kommen. Dominik wurde immer angespannter und es ging ihm immer schlechter. Seine Oma und seine Mutter kamen als erstes. Dominik ging es immer schlechter und ich hatte das Gefühl, irgendetwas tun zu müssen, um ihn wieder etwas „runter zu holen“. Unsere Große packte das Cello aus, um Oma und Uroma etwas vorzuspielen. Die Musik machte Dominik ein wenig gelassener. Um die Wartezeit auf Philipp und Eva zu überbrücken, packte ich die Gitarre aus und als Beatrice mit dem Vorspielen fertig war, spielte ich Gitarre und sang mit den Kindern um die beruhigende Wirkung der Musik weiter leben zu lassen. Das funktionierte eigentlich gut, bis Dominiks Mutter und Oma vor Rührung zu heulen begannen. Der beruhige Flow der Musik war zerstört. Junior war völlig verwirrt und verstand die Welt nicht mehr. Es ging einfach nur chaotisch weiter. Zwischendurch schaute ich immer zum Essen, die Kinder aufgeregt und hungrig, endlich kamen Philipp und Eva. Nach der kurzen Weihnachtsfeier, die Bescherung. Die Kinder waren enorm glücklich über die Geschenke. „Jetzt noch das Essen servieren!“, dachte ich. Die Verwandtschaft plauderte gemütlich, Dominik saß daneben, irgendwie überfordert mit der Situation. Immer wieder holten mich die Kinder aus der Küche, brauchten Hilfe, oder wollten spielen. Ich beeilte mich mit dem Weihnachtsmenü und servierte die Suppe und danach die Hauptspeise. Jetzt endlich konnte ich nach dem Tisch abräumen, den Kindern den Wunsch erfüllen, und mit ihnen eines der Gesellschaftsspiele, die das Christkind gebracht hatte, spielen. Die Verwandtschaft unterhielt sich gut, nur Dominik machte mir Sorgen, denn er schien immer abwesender. Aber ich konnte mich nicht zerteilen und in erster Linie, musste ich den Kindern ein schönes Fest bereiten. Dominik musste warten.

Nach dem ersten Gesellschaftsspiel servierte ich die Nachspeise und kurz darauf verabschiedeten sich die Gäste. Wenn ich darüber nachdenke, habe ich glaube ich, keine fünf Sätze mit unseren Gästen gesprochen. Ich fühlte mich ehrlich gesagt etwas überfordert mit der Situation, aber ich habe es geschafft, trotz alle dem, den Kindern ein schönes Weihnachtsfest zu machen.

Am Abend überlegten wir noch lange hin und her, wie der nächste Tag werden sollte. Am 26. ist immer unser Familientreffen und meine Verwandtschaft ist groß, daher beschloss Dominik zu Hause zu bleiben. Es war sozusagen, das kleinere Übel, denn alleine zu Hause zu sein, fällt ihm auch schwer.

Ich musste also wieder den Kindern erklären, warum Papa heuer nicht mitfährt. Sie sind wirklich unglaublich verständnisvoll, aber man merkt, dass es ihnen nicht egal ist.

Auch die ganze Familie fragte mich natürlich, wo Dominik sei. Tanten, Onkeln, Cousins und Cousinen, die ich schon lang nicht mehr sah, waren da und ich versuchte einfach, den Nachmittag zu genießen, obwohl ich sehr angespannt war, da ich nicht wusste, wie meine Familie auf project blowball reagieren würde. Dann geschah aber mein kleines persönliches Weihnachtswunder.

Als erstes sprach mich meine Patentante an, die ihre Hilfe anbot und auch schon Ideen hatte, wie sie uns vielleicht helfen könnte. Sie fragte auch mich, wie es mir in der derzeitigen Situation geht – eine ungewohnte Frage, aber es tat gut.

Auch meine Cousinen und Cousins wollten plötzlich alles wissen. Sie hinterfragten vieles und auch diese überlegten sofort, wie sie uns helfen könnten und sprachen mir viel Mut zu, um weiterzumachen.

Die psychischen Erkrankungen, sind nicht nur Teil von Dominik, sie veränderten das Leben unserer Familie. Gerade Weihnachten konnten wir alle vier spüren, wie weit es Teil von unserem Familienleben ist und wieviel Kraft es kostet, den Kindern ein Stückchen „Normalität“ zu schenken.

Maria

Posted on: 2017-01-02Maria Peltier

2 Gedanken zu „Weihnachten – die Herausforderung

  1. Liebe Maria, ich weiß auch , wie es ist , den Kindern unter schwierigen-, un-möglichen Umständen ein möglichst ( d.h, wie’s jetzt grad möglich ist ) besinnliches Weihnachten zu bieten.
    Ich wünsche Dir und Deiner Familie ein gutes neues Jahr, ich bin überzeugt davon, dass es besser wird. Lg, Tanja

  2. Liebe Maria, ich verfolge deine Post jetzt schon seit Anfang an. Ich weiß nicht ob meine Worte für dich richtig oder falsch sind durch den Tod meines Vaters habe ich gelernt das man einfach schrieben soll wenn man das Bedürfnis hat. Ich möchte dir gerne schrieben. Ich muss sagen ich bewundere dich trotzallem was euch als Familie passiert. Ich hab dich als so eine froh Natur und gutmütigen Menschen empfunden immer ein liebes aufbauendes Wort für alle und auch für deine Kinder. Auch Dominik habe ich bei den Ausflügen immer als sehr entspannt entpfunden. Es ist für mich als Mutter und als Mensch unverständlich wie man so etwas durch machen muss/kann in der heutigen Zeit. Du bist eine starke Frau ich finde es so wunderbar wie du für deinen Mann da bist ihr gebt euch Kraft und halt das merkt man in deinem schrieben. Wenn du mal was brauchst du kannst dich gerne melden auch wenn es einfach nur ein Kaffee ist ich freu mich…ich schicke dir viel Kraft für alles was noch kommt und bin in Gedanken bei dir und deiner Familie
    Liebe Grüße Johanna (aus dem Kurs spielgruppenleiter)

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